Die No-Gos der Unternehmensgründung

Welche Fehler machen junge Gründer beim Start ihres Unternehmens immer wieder? Eine Rechtsanwältin, ein Bankberater, der Sprecher der Unternehmensberater und der Berufsgruppensprecher der Buchhalter nennen jeweils drei Punkte, auf die bei der Unternehmensgründung besonders geachtet werden sollte.

Katharina Wildmoser-Manhart

Rechtsanwältin, Partnerin, Wildmoser/Koch & Partner Rechtsanwälte

  • 01 Kein rechtzeitiger Schutz von Immaterialgüterrechten

Die Bedeutung vom Immaterialgüterrecht – also der Schutz von Erfindungen, Marken und Designs – ist nicht für jedes Unternehmen gleich relevant, wird aber in Zeiten von Onlineauftritten, wo viel über Bilder passiert, immer wichtiger. Wenn ein Unternehmer einmal eine Marke aufgebaut hat, möchte er diese später nicht ändern. Daher soll er im Vorfeld prüfen, ob die Marke frei ist oder ob es Überschneidungen, Ähnlichkeiten oder Verwechslungsprobleme geben könnte und rechtzeitig Schutz beantragen.

  • 02 Fehlende gewerberechtliche Genehmigungen

Je nachdem, welche Geschäftstätigkeit ein junger Gründer plant, sind dafür verschiedene gewerberechtliche

Genehmigungen notwendig, ohne denen er nicht starten darf. Bei Einzelunternehmen muss der Unternehmer selbst den erforderlichen Befähigungsnachweis haben, Gesellschaften müssen einen gewerberechtlichen Geschäftsführer bestellen.

  • 03 Keine sorgfältigeAusgestaltung der AGB

Wenn ein Unternehmen AGB verwendet, dann sollte sich der Gründer deren Ausgestaltung passend zum Geschäftsmodell überlegen und nicht mit Copy und Paste universelle AGB verwenden. Später gehören AGB regelmäßig überprüft und eventuellen Firmenveränderungen angepasst. Unternehmer tendieren tendenziell dazu, zu weitreichende Haftungsausschlüsse vorzunehmen, die bei einem Streitfall nicht halten würden.

Robert Preinfalk

Zielgruppenbetreuer Jungunternehmer, RaiffeisenlandesbankOberösterreich

  • 04 Mangelhaftes Unternehmenskonzept und kein nachhaltiges Geschäftsmodell

Eine Geschäftsidee alleine schafft noch kein Geschäftsmodell. Das Unternehmenskonzept braucht eine klare Aussage, wie der Unternehmer es schafft, dass Kunden bereit sind, für das Produkt oder die Dienstleistung etwas zu bezahlen, und wenn diese wiederholt zahlen, ist es ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

  • 05 Keine belastbare Finanzierungsstruktur

Die Finanzierungsplanung ist die wichtigste Grundlage für den Erfolg. In der Regel haben junge Gründer zu wenig Eigenkapital. Vor dem Unternehmensstart muss der Kapitalbedarf ermittelt und dann die Finanzierung gesichert werden. Die Bank ist dabei nicht nur möglicher Ansprechpartner für Kredite, sondern hilft auch, passende Fördermöglichkeiten zu finden.

  • 06 Mangelnder Unternehmergeist

Stichwort Entrepreneurship: Wenn jemand eine Idee für eine Gründung hat, aber dafür nicht ausreichend brennt, dann funktioniert es nicht. Hilfreich dagegen ist jedes Netzwerk, der Austausch mit verschiedenen Menschen. Es ist ratsam, bei einem Bank-Beratungsgespräch noch einen unabhängigen Dritten mitzunehmen, der im Anschluss ein objektives Feedback geben kann.

Bernhard Winkler

Berufsgruppensprecher und stellvertretender Fachgruppenobmann der Unternehmensberater, Buchhalter und IT (UBIT), WKOÖ

  • 07 Keine Idee und keinen Plan

Gründer müssen vollen Einsatz zeigen, aber ohne eine Richtung und einer gewissen Klarheit funktioniert die Gründung nicht. Mit einer Idee alleine kommen sie nicht weit, es braucht dazu einen Plan und ein Konzept zur Umsetzung.

  • 08 Sich verzetteln

Unternehmensgründer müssen sich fokussieren und ihre Kernzielsetzung mit aller Kraft verfolgen. Wenn sie dann erfolgreich werden, können sie ihr Geschäftsmodell erweitern – dann kann das Unternehmen es sich auch schon leisten, mal eine Idee in den Sand zu setzen.

  • 09 Niemanden fragen

Jeder Gründer braucht ausreichend Selbstbewusstsein, soll sich aber gleichzeitig auch die Offenheit zugestehen, andere Menschen nach deren Meinungen und Erfahrungen zu fragen. Die Entscheidung nimmt einem Gründer niemand ab – auch kein professioneller Unternehmensberater. Aber durch die Erfahrung anderer kann der Gründer selbst den einen oder anderen Fehler auslassen.

Markus Lemmerer

Berufsgruppensprecher der Buchhalter, WKOÖ

  • 10 Komplexität des Steuerrechts unterschätzen

Ein Beispiel für das komplexe System: Bei einem Geschäftsessen darf man entweder alles, die Hälfte oder gar nichts von der Steuer absetzen. Junge Unternehmer unterschätzen oft den Aufwand für die Buchhaltung, bei Fehlern kommt es bei einer Prüfung zur bösen Überraschung. Eine professionelle Buchhaltung kann Zeit und Geld sparen. Sinnvoll ist eine Beratung beim Buchhalter vor der Anmeldung beim Finanzamt, damit der Unternehmer die Aufzeichnungen von Beginn an richtig führt.

  • 11 Kalkulatorischen Unternehmerlohn vergessen

Die Gründer vergessen bei den anfänglichen Kostenberechnungen oft auf den eigenen Lohn. Sie sollen dafür aber ihren vorherigen Bruttolohn als Angestellte heranziehen und den Lohn so einrechnen, als wenn er für eine fremde, angestellte Person wäre.

  • 12 Für Nachzahlungen von Sozialversicherung und Finanzamt nicht vorsorgen

Der Sozialversicherungsbeitrag und die Einkommenssteuer werden bei Beginn der Tätigkeit geschätzt. Wenn die Geschäfte dann bereits von Anfang an besser laufen als geplant, kommt für viele oft überraschend eine Rechnung mit einer hohen Nachzahlung. Besser sind realistische und weniger vorsichtigere Schätzungen, denn das Finanzamt zahlt zu viel im Voraus bezahlte Steuer mit zwei Prozent Zinsen zurück – andernfalls gibt es zwei Prozent Säumniszuschlag. Durch eine ordentliche Buchführung hat ein Unternehmer einen guten Überblick über seine Zahlen und kann sich mit Hilfe von Steuertabellen die Höhe der Nachzahlungen ausrechnen._

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