Zukunft kann man lernen
Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der Druck zur Innovation krempeln die Arbeitswelt um. Doch wer glaubt, dass Maschinen den Takt vorgeben, liegt nur halb richtig. Eine aktuelle Studie, initiiert vom Wirtschaftsressort des Landes Oberösterreich gemeinsam mit der Arbeiterkammer Oberösterreich und umgesetzt von Business Upper Austria in Kooperation mit dem Österreichischen Institut für Berufsbildungsforschung, geht genau dieser Frage nach: Welche Kompetenzen brauchen Unternehmen und Beschäftigte, um in einer sich rasant verändernden Wirtschaftswelt erfolgreich zu bleiben?
Im Fokus der Untersuchung steht nicht nur der Status quo, sondern vor allem die Perspektive: Wie gut sind Betriebe auf kommende Transformationsprozesse vorbereitet, wo liegen die größten Herausforderungen und welche Fähigkeiten entscheiden künftig über Wettbewerbsfähigkeit? 537 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen und Betriebsräten liefern dazu ein differenziertes Bild aus Praxis und Mitbestimmung.
„Erfolgreiche Transformation beginnt mit den richtigen Rahmenbedingungen, digitale und KI-Kompetenzen, Veränderungsbereitschaft, sowie Lernfähigkeit sind aus Sicht von Unternehmen sowie Betriebsrätinnen und Betriebsräten entscheidende Erfolgsfaktoren. Gleichzeitig macht die Studie deutlich: Gerade hier besteht der Handlungsbedarf, hier ist der Hebel, bei dem angesetzt werden muss. Wandel ist kein technisches Projekt, sondern ein gemeinsamer Prozess. Er braucht gute Führung, gezielten Kompetenzaufbau und echte Beteiligung. Dort, wo Betriebsrätinnen, Betriebsräte und Beschäftigte eingebunden werden und das Lernen ein Teil des Arbeitsalltags ist, wird Transformation zur Chance“, betonen Wirtschafts-Landesrat Markus Achleitner und AK OÖ-Präsident Andreas Stangl.
KI ist da – und sie bleibt
Mehr als 90 Prozent der Unternehmen setzen bereits auf Künstliche Intelligenz. Ein Tempo, das noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Doch statt Jobs massenhaft zu ersetzen, verändert KI vor allem Tätigkeiten. Arbeit verschiebt sich, wird komplexer, dynamischer und fordert neue Fähigkeiten. Die Botschaft dahinter: Wer bestehen will, muss lernen und zwar kontinuierlich.
Die klassische Trennung zwischen Arbeiten und Lernen verschwimmt. Unternehmen, die Weiterbildung als festen Bestandteil des Arbeitsalltags integrieren, sind klar im Vorteil. Doch genau hier liegt die größte Hürde: Zeit. Drei von vier Betriebsräten sehen fehlende Zeitressourcen als zentrales Hindernis. Auch Geld und Veränderungsbereitschaft bremsen die Entwicklung. Gleichzeitig ist klar, was wirkt: Freiräume für Lernen, finanzielle Unterstützung und klare Entwicklungspläne. Die Verantwortung liegt dabei nicht nur bei den Beschäftigten.
Ohne Menschen keine Transformation
Technologie kann viel, aber ohne Akzeptanz und Mitgestaltung bleibt ihr Potential ungenutzt. Die Studie zeigt eine überraschende Diskrepanz: Während Unternehmen glauben, ihre Mitarbeitenden gut einzubinden, erleben Betriebsräte die Realität deutlich anders. Andreas Stangl bringt es auf den Punkt: Unternehmen müssen Weiterbildung als Kernaufgabe begreifen, nicht als Zusatz. Nur wenn Beschäftigte aktiv eingebunden werden und echte Mitgestaltung erleben, entsteht jene Dynamik, die Veränderung trägt.
Auch bei den Lösungen zeigt sich ein klarer Trend: Kooperation statt Einzelkampf. Netzwerke, gemeinsame Qualifizierungsprogramme und Austausch zwischen Unternehmen gewinnen an Bedeutung. Programme wie Qualifizierungsverbünde oder gezielte Förderungen setzen genau hier an und schaffen Räume, in denen Wissen wächst und Transformation greifbar wird. „Der Wandel ist in Oberösterreich bereits voll im Gange. Jetzt geht es darum, Qualifizierung konsequent auszubauen – praxisnah, auf Digitalisierung- und KI-fokussiert und gemeinsam mit kompetenten Partnern“, unterstreicht Markus Achleitner.
Am Ende verdichtet sich alles auf eine einfache Erkenntnis: Zukunftskompetenzen sind kein „Nice-to-have“, sondern der zentrale Erfolgsfaktor. Unternehmen, die heute in Menschen investieren, sichern sich morgen ihre Wettbewerbsfähigkeit. Oder anders gesagt: Die wichtigste Innovation bleibt der Mensch selbst.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Land OÖ / Andreas Krenn