Oberösterreichs Wirtschaft im Aufbruch
Oberösterreichs Wirtschaft startet vorsichtig optimistisch ins neue Jahr. Zwischen globalen Umbrüchen, strukturellem Reformbedarf und neuem Gestaltungswillen formiert sich eine Agenda, die 2026 zum Jahr der Weichenstellungen machen soll.
Der Ton ist realistischer als in Boomzeiten, aber deutlich zuversichtlicher als noch vor einem Jahr. Oberösterreich bleibt als industrielles Herz Österreichs stark gefordert. Doch erste Signale deuten darauf hin, dass aus der Phase des Abwartens wieder Bewegung entstehen könnte. 2026 steht damit weniger für Euphorie als für Richtung, Fokus und Verantwortung.
Erste Signale eines Kurswechsels
Hohe Lohn- und Energiekosten, dichte Bürokratie und geopolitische Unsicherheiten haben die Wettbewerbsfähigkeit zuletzt spürbar belastet. Investitionen wurden verschoben, Exporte gerieten unter Druck. Gleichzeitig zeigen zentrale Indikatoren, dass die Talsohle erreicht sein könnte: Die Industrieproduktion zieht in einzelnen Sparten wieder an, Stimmungsbarometer signalisieren wachsende Zuversicht, und politische Entlastungsschritte beginnen zu wirken.
WKOÖ-Präsidentin und Wirtschaftsbund-Landesobfrau Doris Hummer ordnet diese Phase klar ein: „In einer neuen Wirtschaftsordnung, geprägt durch Zölle, Angriffskriege, Aufrüstung, unfaire Handelspraktiken (China), europäischen Irrwegen in punkto Regulatorik, müssen wir uns unserer Stärken bewusst sein und diese stärken und ebenso konsequent die Krise dazu nutzen, unsere Schwächen abzubauen.“ Ihr Fazit ist ebenso nüchtern wie motivierend: „Unser Standort ist unsere Verantwortung.“
Wachstum: klein, aber breiter aufgestellt
Der wirtschaftliche Ausblick bleibt verhalten, zeigt aber nach oben. Nach einem sehr schwachen Wachstum, das zuletzt fast ausschließlich vom öffentlichen Sektor getragen wurde, erwarten Wirtschaftsforscher für 2026 eine leichte, breitere Erholung. Konsum, Exporte, Industrie und Bau sollen wieder zulegen, auch wenn Österreich damit weiterhin unter dem EU-Durchschnitt bleibt.
Daniel Varro, Vizerektor der Universität für Weiterbildung Krems, betont, dass diese Entwicklung dennoch ein Wendepunkt sein kann. Die Richtung stimme, auch wenn das Tempo noch nicht ausreiche. Entscheidend sei, dass Wachstum künftig wieder stärker aus unternehmerischer Dynamik entstehe und weniger aus schuldenfinanzierten Staatsausgaben.
Inflation sinkt, Druck bleibt
Die Teuerung hat sich zuletzt deutlich abgeschwächt und dürfte 2026 weiter zurückgehen. Dennoch bleibt sie über dem angestrebten Zielwert. Haupttreiber sind steigende Löhne, höhere Dienstleistungspreise und kräftige Erhöhungen öffentlicher Gebühren. Positiv: Energiepreise und industrielle Produktion werden voraussichtlich keinen zusätzlichen Inflationsdruck mehr erzeugen – ein wichtiger Stabilitätsfaktor für Betriebe.
Am Arbeitsmarkt zeigt sich Oberösterreich vergleichsweise robust. Die Arbeitslosigkeit ist leicht rückläufig, im Bundesländervergleich liegt das Land im Spitzenfeld. Demografische Effekte könnten diese Entwicklung 2026 zusätzlich unterstützen.
Gleichzeitig mahnt der Blick auf die Staatsquote zur Konsequenz. Mit deutlich über 56 Prozent liegt Österreich klar über dem EU-Durchschnitt. Der Ruf nach Strukturreformen, effizientem Staat und nachhaltiger Kostensenkung wird damit lauter, nicht als Sparübung, sondern als Voraussetzung für zukünftige Investitionen.
Vier Hebel für neue Wettbewerbsfähigkeit
Unter dem Leitmotiv „Stärken stärken. Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen.“ formuliert der Wirtschaftsbund klare Prioritäten. Doris Hummer bringt den Anspruch auf den Punkt: „Österreichs wirtschaftliche Zukunft entscheidet sich dort, wo Leistungsbereitschaft, Know-how und Innovationskraft auf internationale Wettbewerbsfähigkeit treffen.“
Im Fokus stehen der Ausbau von Exportpotentialen – etwa in GreenTech und Kreislaufwirtschaft –, gezielte Investitionen in Innovation, Digitalisierung und KI, eine moderne Industriestrategie für Schlüsselbranchen sowie die Stärkung von Ausbildung, Leistungsanreizen und Fachkräftesicherung.
Gemeinschaft als Wachstumskraft
Neben Programmen und Kennzahlen setzt der Wirtschaftsbund bewusst auf den Faktor Mensch. Landesgeschäftsführer Thomas Mitterhauser beschreibt den Wirtschaftsbund Oberösterreich als „eine starke Gemeinschaft engagierter Unternehmerinnen und Unternehmer“, getragen von rund 2.600 Funktionärinnen und Funktionären, die sich überwiegend ehrenamtlich engagieren.
Er kündigt an: „In meiner neuen Funktion werde ich daher in den kommenden Monaten bewusst das Gespräch mit unseren Funktionären in ganz Oberösterreich suchen, um ihre Anliegen, Herausforderungen und Ideen aufzunehmen und gezielt in die Weiterentwicklung unserer Organisation einfließen zu lassen.“
Der Zuspruch gibt ihm recht: Mit rund 800 Gästen beim Neujahrsempfang, wachsender Mitgliederzahl und gezielter Persönlichkeitsentwicklung – etwa durch Mentoring-Programme – versteht sich der Wirtschaftsbund als stabiler Anker in bewegten Zeiten.
Die drei sind sich einig: 2026 wird kein Jahr der großen Sprünge. Aber eines, in dem Richtung, Reformwille und Zusammenhalt spürbar werden sollen. Die Botschaft ist klar: Der Weg zurück zu mehr Wettbewerbsfähigkeit ist anspruchsvoll, doch die Grundlagen dafür werden jetzt gelegt.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Wirtschaftsbund Oberösterreich