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 Geologische Untersuchungen zum Tiefengeothermiepotential im Süden Wiens
Geothermische Station Wairakei in der Nähe von Taupo in Neuseeland
Schon gewusst

Geologische Untersuchungen zum Tiefengeothermiepotential im Süden Wiens

17. April 2026

Ein Forschungsprojekt der Montanuniversität Leoben und EVN soll die Verteilung von Geothermielagerstätten im südlichen Wiener Becken erfolgreich prognostizieren und so einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung leisten.

Die Tiefengeothermie ist eine der vielversprechendsten Zukunftstechnologien zur Dekarbonisierung des Wärmesektors in Österreich. Aktuelle Großprojekte wie z.B. in Wien oder dem Großraum München machen es vor – nun soll auch im Süden Wiens das Nutzungspotential erforscht und dringend benötigte Vorarbeit für die erfolgreiche Umsetzung von Geothermieprojekten geleistet werden.

Eine der Herausforderungen beim Ausbau der Tiefengeothermie als CO2-neutrale Wärmequelle ist die Unsicherheit, ob geeignete Thermalwasservorkommen im Untergrund vorliegen. Damit einher gehen hohe Investitionskosten in der Startphase eines Projekts. Ähnlich zu Öl- und Gaslagerstätten sind auch für die Hydrothermie, also die Produktion von warmem Tiefenwasser z.B. zur Versorgung von Fernwärmenetzen, entsprechende geologische Voraussetzungen nötig. Während das zentrale und nördliche Wiener Becken durch die langjährige Öl- und Gasexploration gut untersucht ist, liegen im südlichen Wiener Becken weniger Daten vor.

Die Studie der Montanuniversität Leoben und EVN fokussiert sich daher auf die Kartierung von Konglomeratgesteinen, die dem alpinen Beckenuntergrund aufliegen und im Wiener Raum gute Lagerstätteneigenschaften aufweisen. Auch am Kontakt zu den Untergrundgesteinen könnten sich Zonen hoher Durchlässigkeit für die Thermalwasserproduktion eignen. Die Taktik ist einfach: Die Gesteine sollen an den Beckenrändern, wo sie an der Oberfläche aufgeschlossen sind, möglichst genau untersucht werden, um ihr Hydrothermiepotential im Beckenzentrum, wo sie in mehreren Kilometern Tiefe bei Thermalwassertemperaturen von über 90 °C vorliegen, zu prognostizieren. Später können diese Grundlagendaten verwendet werden, um die Ergebnisse neuer seismischer Untersuchungen oder Erkundungsbohrungen großräumiger zu interpretieren.

„Diese Kooperation zeigt aus meiner Sicht, wie wichtig geologische Forschung für die zukünftige Energie- und Rohstoffsicherheit Österreichs ist. Um den Untergrund bestmöglich für die CO2-neutrale Energieproduktion und –speicherung nutzen zu können, müssen wir seinen Aufbau kennen – hier sind wir Geologen und Geologinnen gefragt“, weist David Misch, Leiter des Lehrstuhls für Energy Geosciences an der Montanuniversität Leoben, auf die Bedeutung der Geologie für eine Vielzahl aktueller, gesellschaftlicher Herausforderungen hin. „Die aus den laufenden Feldarbeiten gewonnenen Erkenntnisse sind für uns nicht nur aus Forschungssicht interessant – immerhin lernen wir viel Neues darüber, wie sich im Zuge der Beckenentwicklung von weit her transportierte Sedimente im Wiener Becken abgelagert und zu wertvollen Lagerstättengesteinen entwickelt haben –, sie fließen auch direkt in die Lehre ein, z.B. in Form von Bachelor- und Masterarbeiten. So schaffen wir den Wissenstransfer in die nächste Generation von dringend benötigten Expert*innen im Geoenergie-Bereich.“

„Die Erschließung der Tiefengeothermie stellt für uns ein Generationenprojekt zur Sicherstellung einer regionalen und zukunftsfähigen Wärmeversorgung in Niederösterreich im Zusammenwirken mit der Biomasse dar. Die Kooperation mit der Montanuniversität Leoben ermöglicht uns für dieses innovative Vorhaben auf die neuesten Methoden und wissenschaftlichen Erkenntnisse zurückgreifen zu können“, streicht G. Götzl, Teamleitung Geothermie, EVN Wärme GmbH, die Bedeutung der Zusammenarbeit hervor.

INFOBOX

Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. David Misch
Lehrstuhl für Energy Geosciences
Montanuniversität Leoben
Office.energygeosciences@unileoben.ac.at
+43 3842 402 6301

Redaktion

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Fotos

Envato/FiledIMAGE, MUL/Tauderer

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