Gemeinsam Richtung Zukunft
Wenn sich Wirtschaft, Politik, Forschung und Interessenvertretungen an einen Tisch setzen, geht es selten um kleine Korrekturen. Es geht ums große Ganze: die Zukunft eines Standorts. Genau das ist die Idee hinter dem Zukunftsforum Oberösterreich 2026, bei dem rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Strategien für die nächsten Jahre arbeiten.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Analysen, sondern vor allem Comeback-Geschichten: Unternehmen, die sich neu erfunden haben, und Menschen, die durch Weiterbildung neue Chancen nutzen. Dahinter steht eine klare Botschaft: Transformation ist möglich, wenn alle an einem Strang ziehen.
Die Ausgangslage ist widersprüchlich. Einerseits zeigt sich die Wirtschaft robust. „Der Wirtschaftsstandort OÖ hat sich auch in den vergangenen drei Rezessionsjahren als sehr resilient erwiesen“, betont Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. Andererseits nehmen die Unsicherheiten zu: geopolitische Konflikte, volatile Energiepreise und ein rauerer globaler Wettbewerb setzen die Industrie zunehmend unter Druck. Gerade für ein exportorientiertes Bundesland sind das keine Randnotizen, sondern zentrale Risikofaktoren. Die Industrie selbst beschreibt die Lage als fragile Erholung. Erwartungen und Realität driften auseinander: Während Unternehmen vorsichtig optimistisch in die Zukunft blicken, bleibt die aktuelle Geschäftslage angespannt.
Produktivität, KI und der Faktor Mensch
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit. „In Summe hat der Wirtschaftsstandort Oberösterreich in den vergangenen Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verloren“, analysiert WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer. Die Gründe sind vielfältig: sinkende Exporte, steigende Kosten und ein bürokratischer Aufwand, der Unternehmen jährlich Milliarden kostet. Gleichzeitig bleibt die Stärke des Standorts unbestritten: innovative Betriebe, starke Forschung und gut ausgebildete Fachkräfte. Die Frage ist nicht, ob Potential vorhanden ist, sondern wie schnell es genutzt wird.
Die Analyse der Expertinnen und Experten bringt es auf den Punkt: Der Aufwind wird von zwei Kräften getragen: Innovation und Produktivität, wie Christoph M. Schneider im Rahmen des Zukunftsforums erläutern wird. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie kann Prozesse automatisieren, den Fachkräftemangel abfedern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Gleichzeitig wird sie zum Gradmesser für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Doch Technologie allein reicht nicht. Ebenso entscheidend ist die Qualifikation der Beschäftigten. Lebenslanges Lernen wird zur Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg. Ein Punkt, den AKOÖ-Präsident Andreas Stangl mit Blick auf eine zukunftsorientierte Industriepolitik unterstreicht.
Investitionen als Motor
Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wie ernst es Oberösterreich mit dieser Transformation ist: Hunderte Maßnahmen im Rahmen der Wirtschaftsstrategie wurden bereits umgesetzt, Milliardeninvestitionen angestoßen. Die Schwerpunkte sind klar gesetzt: Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, nachhaltige Industrie und Kreislaufwirtschaft sowie moderne Mobilitätslösungen. Hinzu kommen Initiativen wie das OÖ Wasserstoff-Netzwerk oder die Sicherheits-Allianz OÖ, die neue Märkte erschließen und technologische Kompetenzen bündeln.
International gesehen steht Österreich insgesamt unter Druck. Während Länder wie China oder Indien massiv an industrieller Bedeutung gewinnen, verliert Europa an Gewicht. Für Oberösterreich bedeutet das: Der Wettbewerb wird härter, die Spielräume enger. Gleichzeitig steigt der Innovationsdruck und damit auch die Chance, sich neu zu positionieren. Diese Entwicklung ordnet IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch als Phase „fragiler Erholung“ ein.
Am Ende verdichtet sich alles zu einer zentralen Erkenntnis: Der Weg nach vorne ist kein Solo, sondern ein Gemeinschaftsprojekt. „Gerade in herausfordernden Zeiten wird diese Zusammenarbeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, sagt Doris Hummer. Ob das Comeback gelingt, hängt weniger von einzelnen Maßnahmen ab als vom Zusammenspiel vieler Faktoren: kluge Politik, mutige Unternehmen, qualifizierte Arbeitskräfte und die Bereitschaft, Veränderung nicht nur zu diskutieren, sondern umzusetzen. Das Zukunftsforum OÖ 2026 bietet dazu einen wertvollen Anstoß.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Land OÖ / Denise Stinglmayr