Die (Brücken-)Bauer
Sie bauen (unter anderem) Brücken. Aus Stahl und Beton, über Flüsse und Täler. Doch die wichtigsten Brücken, die Stefan Hintersteiner, David Spielbichler und Christian Grottenthaler als Direktionsleiter der STRABAG OÖ errichten, sieht man nicht auf den ersten Blick. Es sind Verbindungen zwischen Menschen, zwischen Disziplinen, zwischen Generationen.
Die drei Männer, die wir im Konzerngebäude der STRABAG OÖ antreffen, könnten unterschiedlicher nicht sein, doch die Chemie stimmt – das spüren wir sofort. David Spielbichler, aus dem Trio am längsten im Konzern: Nach dem Bauingenieurstudium durchlief er 20 Jahre lang verschiedene Funktionen im Konzern, heute ist er Direktionsleiter für Verkehrswegebau. Stefan Hintersteiner, der Quereinsteiger: Nach über zehn Jahren Anlagenbau und einer Station im Ausland ist er seit zwei Jahren kaufmännischer Direktionsleiter. Und Christian Grottenthaler: von der Elektrikerlehre über Planungsbüros und regionale bis internationale Projekte zur Direktionsleitung für Hochbau.
Drei verschiedene Wege, drei verschiedene Blickwinkel. Als der Konzern 2025 eine dreiköpfige Direktionsleitung für die Flächen Steiermark, Salzburg Nord und Oberösterreich etablieren wollte, fiel die Entscheidung für die drei Bauexperten leicht. „Wir wurden gefragt, haben kurz Blicke ausgetauscht und sofort zugestimmt“, erinnert sich Christian Grottenthaler, seine beiden Kollegen nicken. „Ich weiß, dass ich mit den beiden sehr viel bewältigen kann, auch wenn der Wind in der heimischen Baubranche aktuell rauer weht“, bestätigt Stefan Hintersteiner.
Wollen die drei alles über den Haufen werfen und ändern? Nein, im Gegenteil. „Es gibt in der Baubranche ganz viel Bewährtes. Wichtiger denn je ist es, das alles zu verbinden“, erklärt David Spielbichler. Zusammenarbeit mit gegenseitiger Wertschätzung und auf Augenhöhe sei ein Erfolgsfaktor, der in der Branche manchmal Gefahr laufe, zu kurz zu kommen. Genau das wollen die drei ändern: Verbindungen schaffen – innerhalb der Organisation zwischen Abteilungen, aber auch zwischen Generationen, zur Kundschaft und zu anderen Partnerinnen und Partnern.
#1 Die Brücke zwischen Abteilungen
Für die drei Topmanager ist es eine Selbstverständlichkeit, gemeinsam Lösungen zu schmieden. „Wenn kaufmännische und technische Organisationseinheiten eng zusammenarbeiten, ist der Gesamtnutzen viel höher“, erklärt Stefan Hintersteiner. Das Denken in Abteilungen, in einzelnen „Silos“, gibt es hier nicht. Jeden Tag treffen die drei zusammen, um den Überblick zu haben und übergreifend Lösungen zu kreieren. „Wir fokussieren uns nicht nur auf den Bereich, der auf unserer eigenen Visitenkarte steht.“ Und was sich in der Zusammenarbeit intern als Erfolgsmodell bewährt, soll auch in der Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern etabliert werden.
#2 Die Brücke zu anderen Playern
Bei komplexeren Projekten mit mehreren Prozesspartnern und Schnittstellen hört man immer wieder von endlosen Diskussionen, Missverständnissen oder Streit um Details, die diese Projekte unnötig in die Länge ziehen. Und gerade Bauprojekte können umfassend und in ihrer Komplexität herausfordernd sein. Daher ist eines der Ziele des Direktionstrios, Auseinandersetzungen zu vermeiden. „Wir sind die Generation, die es schaffen kann, das zu ändern“, ist Christian Grottenthaler überzeugt.
„Early Contracting“ nennt sich die Strategie, die simpel und doch genial ist: alle frühzeitig einbinden. Schon in der Planungsphase sollen Auftraggebende, Planerinnen und Planer sowie ausführende Teams gemeinsam an einem Strang ziehen. „Wir wollen die Energie ab der Projektidee reinstecken, kreativ miteinander auf Augenhöhe arbeiten und dann konsequent umsetzen.“ So fließt das praktische Wissen aus der Ausführung direkt in die Planung ein. Das Ergebnis: weniger Konflikt und vergeudete Zeit, weniger Kosten und mehr Freude am Projekt. „Wenn alles von Anfang an klar ist, dann läuft und funktioniert es richtig“, beschreiben die drei. „Kooperation statt Konflikt“ ist somit das Motto der Zukunft, die Christian Grottenthaler, Stefan Hintersteiner und David Spielbichler mitgestalten wollen.
#3 Die Brücke in die digitale Zukunft
Diese Zukunft ist aber nicht nur kooperativ, sondern auch digital.
„Wir wollen mit Blick auf Nachhaltigkeit der führende Bautechnologiekonzern sein“, formuliert es Stefan Hintersteiner. Technologischer Fortschritt und digitale Transformation sollen in jedem Schritt spürbar sein: von der ersten Planung über die Baustelle bis hin zum fertigen Gebäude.
Ein Paradebeispiel ist die neue Konzernzentrale in Linz, wo wir das Interview führen. Eröffnet 2024, wurde das Gebäude in nur 22 Monaten errichtet – dank vollständig digitalisierter Planung. „Wir haben einen digitalen Zwilling geschaffen, alles ausgeprobt und perfektioniert“, erklärt Christian Grottenthaler. Das Gebäude sei nun ein Referenzprojekt, „mit dem wir zu zukünftigen Bauherren sagen können: So können wir das für euch auch realisieren“.
Über 250 Innovations- und Digitalisierungsprojekte laufen im STRABAG-Konzern bereits, um CO₂-Emissionen, Materialeinsatz und Abfall zu reduzieren. Auch hier: eine Brücke – jene zwischen analoger Bauwelt und digitaler Innovation.
#4 Die Brücke zwischen Generationen
Auch innerhalb des Unternehmens werden Brücken gebaut und Verbindungen hergestellt. Nicht nur flächenmäßig tragen die drei Direktionsleiter eine große Verantwortung, sondern auch personell: für 1.400 Mitarbeitende mit ihren Familien. Und das Ausmaß dieser Verantwortung ist dem Trio sehr bewusst.
Die Augenhöhe, die ihnen in der Zusammenarbeit untereinander so am Herzen liegt, gilt auch in der Rolle als Führungskraft. „Man kann die Menschen vor sich hertreiben. Oder man kann mit der Fahne vorangehen und sagen: ,Kommt, packen wir es gemeinsam an‘, beschreibt David Spielbichler. Letzteres funktioniere, wenn man im Team den Sinn der Tätigkeit visualisiert. In der Arbeit der STRABAG sei das auch nicht schwer: „Im Bau ist der Sinn besonders greifbar: Man sieht am Ende, was man geschaffen hat.“ Ob eine neue Autobahnbrücke oder die Promenade in Linz, jeder in der STRABAG-Crew kann den direkten Einfluss der eigenen Arbeit erkennen. „Wenn man über eine Brücke fährt oder die Pflasterung sieht, die wir verlegt haben, spürt man Stolz.“
Dieser Stolz macht die Motivation des Teams aus. Viele Mitarbeitende beginnen als Lehrlinge und bleiben langjährig im Unternehmen. Die Evolution der STRABAG macht die Arbeit außerdem alles andere als langweilig. Der Fachkräftemangel zwingt dazu, an neuen Lösungen zu arbeiten und Mitarbeitenden mehr Verantwortung zu geben. „Die Sicherheit des Konzerns schafft für uns eine Komfortzone“, erklärt Christian Grottenthaler, „die uns erlaubt, Herausforderungen als Chance zu begreifen. Genau das macht den Reiz aus: Herausforderungen anpacken, Lösungen finden, gemeinsam vorankommen.“
Der Blick in die Zukunft erfüllt die drei mit Energie und vor allem: Freude. „Wir stellen uns den Herausforderungen sehr gerne, und in dem Dreiergespann ergänzen wir einander top“, so Stefan Hintersteiner. Dass es bei ihnen um viel mehr geht als darum, Gebäude oder Autobahnen zu bauen, ist uns im Laufe des Interviews deutlich geworden.
Jeden Tag baut das Direktionstrio mit seinem Team nicht nur Straßen, Brücken und Gebäude, sondern auch Verbindungen: zwischen Menschen, zwischen Ideen, zwischen gestern und morgen. Zwischen dem Lehrling und dem Direktor. Zwischen 20 Jahren Erfahrung und frischem Wind. Und ganz nebenbei auch die Autobahn, über die wir jeden Tag in die Arbeit fahren. Die Wasser- oder Kanalinfrastruktur, die unsere Wohnstandards erst ermöglicht. Oder die Hauseinfahrt in unserer Nachbarschaft._
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Antje Wolm
