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 Das verlorene Jahrzehnt?
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Das verlorene Jahrzehnt?

14. Juli 2026

Liegt hinter uns, attestiert IV-OÖ-Geschäftsführer Joachim Haindl-Grutsch. Der wirtschaftliche Frontalangriff Chinas auf Europa liege hingegen nicht nur vor uns. „Er ist schon jetzt deutlich spürbar. Das kommende Jahrzehnt muss daher von Modernisierung und Innovation geprägt sein.“ Ganz oben auf der To-do-Liste: ein effizient geführter Staat, gezielte Fördermittel und eine niedrigere Steuern- und Abgabenquote, die Leistungsbereitschaft fördert, findet auch Günther Mayrleitner, Partner bei Forvis Mazars.

„Der menschliche Muskel wird durch Training stärker, er bleibt weder gleich noch wird er schwächer“, sagt Joachim Haindl-Grutsch, der sich diese Anpassungsfähigkeit auch für den Staat, ja, für ganz Europa wünscht. „Wer sich antrainiert, flexibel zu sein und mit Krisen so umzugehen, dass er sich anpassen kann, profitiert langfristig im Vergleich zu anderen.“ Antifragil zu sein bedeute schließlich, Krisen nicht einfach nur zu überleben, sondern gestärkt aus ihnen hervorzugehen. „Oft braucht es diese sogar, um entgegen der Gewohnheit wieder disruptiv zu sein.“ Auf bundesweiter und europäischer Ebene vermisst er trotz zarter wirtschaftlicher Erholung diese Antifragilität. „Es gibt kaum Strukturreformen, während in den Betrieben selbst längst innoviert, automatisiert und digitalisiert wird.“ Ein Blick in das globale „C-Suite-Barometer Outlook 2026“ des Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Forvis Mazars bestätigt diesen Wandel. Es zeigt ein Bild des weltweiten Umbruchs: Unternehmen stellen sich auf Veränderungen ein, indem sie in Technologie und Personal investieren. Und sie passen ihre Strategien an, um Disruptionen abzufedern und im Wettbewerb Schritt zu halten. Ein Auszug.

#Lichtblicke entgegen allen Widerständen

Trotz geopolitischer Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und zunehmender Handelskonflikte blicken die meisten Führungskräfte (92 Prozent) positiv auf das Jahr 2026. Die Zuversicht bleibt bemerkenswert hoch – auch wenn das Umfeld herausfordernder wird. Speziell für Österreich gilt: „Politische Sonntagsreden fokussieren häufig Symptombekämpfung. Für den Standort sind allerdings echte Strukturreformen, effiziente Rahmenbedingungen sowie die gezielte Förderung von Innovation, Technologie und Offenheit essentiell“, erklärt Günther Mayrleitner.

#Unsicherheit sitzt mit am Verhandlungstisch

Wirtschaftliche Unsicherheit bleibt für Unternehmen aktuell die größte Wachstumsbremse. Strategische Entscheidungen werden zunehmend von schwer kalkulierbaren Faktoren wie Ination und regulatorischen Veränderungen beeinusst. „Um nachhaltig erfolgreich zu sein, müssen sich Geschäftsmodelle den sich verändernden Rahmenbedingungen anpassen“, empfiehlt Mayrleitner. Es gelte, den Effizienzdruck als Auslöser für Transformation zu nutzen, Prozesse, Produkte zu hinterfragen und sich neu auszurichten, sind er und Haindl-Grutsch sich einig.

#Unsicherheit sitzt mit am Verhandlungstisch

Zölle, Handelsbarrieren und geopolitische Spannungen verändern Geschäftsmodelle weltweit. Und doch bleibt internationale Expansion attraktiv – allerdings mit neuen Schwerpunkten: Viele Betriebe erweitern ihre Zielländer und verteilen Chancen und Risiken breiter als noch vor wenigen Jahren. „Die Weltwirtschaft ist ein robuster Tanker, der mit stabilen Wachstumsraten weiterfährt. Nur profitiert Österreich zu wenig davon“, mahnt Haindl-Grutsch. „Als kleine Volkswirtschaft haben wir den Vorteil, ein wendiges Schnellboot zu sein, zu dieser Performance müssen wir zurück.“

#Warum KI jetzt Chefsache ist

Kaum überraschend: Künstliche Intelligenz wird erstmals als der wichtigste Einflussfaktor auf die Geschäftsentwicklung bewertet. Die Technologie hat den Sprung vom Innovationsthema zur strategischen Priorität auf Vorstandsebene geschafft. Drei von vier Unternehmen erhöhen ihre Investitionen – allen voran in KI. Statt auf bessere Rahmenbedingungen zu warten, setzen Führungskräfte also auf Technologie als Hebel für Produktivität, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. „Denn die Industrie wird die Probleme lösen müssen, die die Politik verursacht hat“, so Haindl-Grutsch.

#Anpassungsfähigkeit wird zur Währung der Zukunft

Neun von zehn Unternehmen fühlen sich auf Handelskonflikte und steigende Kosten somit vorbereitet. Was Betriebe, die lediglich sparen, von jenen unterscheidet, die tatsächlich wieder in den High-Performance-Modus kommen? „Der Unterschied ist fundamental, denn es reicht mittelfristig nicht, nur Kosten zu managen und diese im Griff zu behalten“, so Mayrleitner. Langfristig erfolgreiche Unternehmen seien systematisch gut geführt. „Zahlreiche Unternehmen in Österreich stellen diese Agilität seit Jahrzehnten unter Beweis, denn mit mehr als 200 Hidden Champions zählt Österreich gemessen an der Einwohnerzahl zu den weltweit führenden Ländern.“

#Wachstum ja, Euphorie nein.

Zwar erwarten rund 82 Prozent der Befragten letztendlich steigende Umsätze, doch der Wert liegt auf dem niedrigsten Niveau seit der Pandemie. Internationale Expansion bleibt dabei ein zentrales Wachstumsziel. Gleichzeitig gewinnen regionale Märkte an Bedeutung, die Lieferketten stabilisieren und geopolitische Risiken reduzieren sollen. So hat sich die Stimmung von ungebremstem Optimismus hin zu realistischer Zuversicht entwickelt._

Die Industrie wird die Probleme lösen müssen, die die Politik verursacht hat.
Joachim Haindl-Grutsch
Geschäftsführer, IV OÖ
Zahlreiche Unternehmen in Österreich stellen ihre Agilität seit Jahrzehnten unter Beweis.
Günther Mayrleitner
Partner, Forvis Mazars

Redaktion

  • David Bauer

Fotos

Gettyimages / miljko;
Haindl-Grutsch: IV OÖ / Eric Krügl;
Mayrleitner: Sabine Klimpt

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