Benzin im Blut, Strom im Köpfchen
Während viele in Krisenzeiten versuchen, den Innovationsmotor anzuwerfen, wohnt Innovation den Motoren von BRP-Rotax längst inne. Leistung, Effizienz und Qualität – das ist der Anspruch, der dort herrscht, wo seit über 100 Jahren die „Herzen“ für Hochleistungsfahrzeuge entwickelt und produziert werden, die weltweit für Emotionen sorgen. Im Interview verrät Geschäftsführer Mario Gebetshuber, wie sich das Unternehmen mit jeder Menge Drehmoment auf die Zukunft vorbereitet.
Wer bei Google Maps einen Blick auf das beschauliche Gunskirchen im Hausruckviertel wirft, entdeckt etwas, das er der kleinen, aber feinen Marktgemeinde mit rund 6.500 Einwohnern wohl kaum zutrauen würde: ein riesiges Industrieareal, das über Jahrzehnte historisch gewachsen ist und selbst aus der Ferne nicht zu übersehen ist. Allein die Produktionsfläche des hier ansässigen Unternehmens BRP-Rotax erstreckt sich auf 48.000 m2. Und wer vor Ort einen Blick auf die Fahrzeugausstellung in der Eingangshalle wirft, der entdeckt ein leuchtend gelbes Schneemobil. Ein Retromodell, das sich in einer Reihe mit modernen Fahrzeugen und ihren Hochleistungsantrieben keineswegs verstecken muss.
Wo sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sinnbildlich aneinanderreihen, empfängt uns Geschäftsführer Mario Gebetshuber mit festem Händedruck. Ein Mann, der hier seit fast 30 Jahren ein und aus geht; der verkörpert, wie sehr Tradition und Innovation zusammenspielen. Und der in zweiter Generation dort arbeitet, wo bereits sein Vater 45 Jahre verbracht hat – vom Lehrling bis zur Pension. „Mein erster Berührungspunkt war in der frühen Kindheit“, erzählt er, noch bevor wir uns setzen. „Früher war es üblich, auch Familienmitglieder mit aufs Werksgelände zu bringen. Bei mir war das meist fürs Aufräumen nach der Weihnachtsfeier“, erinnert er sich mit einem Lachen.
Volle (Innovations-)Kraft voraus!
Heute trägt er die Verantwortung für rund 1.500 Mitarbeitende am Standort Gunskirchen und die Zukunft einer der erfolgreichsten Motorenschmieden Europas. Dabei wäre es ein Leichtes, angesichts der aktuellen Lage in Deckung zu gehen. Energiekosten, Bürokratie, Fachkräftemangel, geopolitische Spannungen – die Liste der Herausforderungen liest sich wie das Who’s who der industriellen Albträume. Doch wirkt Gebetshubers pragmatisches Mindset geradezu wie ein Traumfänger: „Natürlich ist es nicht immer einfach. Aber es ist unsere Aufgabe, im Rahmen der vorherrschenden Bedingungen das bestmögliche Ergebnis zu liefern.“ Und so hören wir für den Rest des Interviews keinerlei Ausreden. Stattdessen nur Fokus auf das, was man selbst in der Hand hat.
Den Kampf bei den Lohnkosten etwa werde man im internationalen Vergleich nie gewinnen. „Müssen wir, glaube ich, aber auch nicht.“ Stattdessen setzt das Unternehmen auf das, was Österreich seit jeher auszeichnet: „Wir müssen über Technologie, Innovation und die Kompetenz der Mitarbeitenden den Unterschied machen. Das ist unsere Strategie.“ Was das konkret bedeutet, zeigt sich im Produktionsbereich, wo Mensch und Maschine längst Hand in Hand arbeiten. „Wir setzen auf Robotik, Automatisierung und auf den Einsatz von KI.“ Doch er betont auch: „Es braucht beides.“ Die Balance zu finden, sei die Kunst.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt mitunter in der hohen Forschungsquote – rund jeder Fünfte am Standort Gunskirchen ist im Bereich F&E tätig. „Wir wollen die Besten der Besten“, sagt er mit Nachdruck, „und dafür brauchen wir eine starke Industriepolitik und exzellente Ausbildung.“ Er selbst versteht das nicht nur als Forderung an die Politik, sondern auch als Auftrag an den eigenen Betrieb. Das Unternehmen bildet Lehrlinge aus, investiert in Weiterbildungen und Forschungsprojekte und kooperiert mit Hochschulen. Gemeinsam mit der FH OÖ testet man etwa den Einsatz humanoider Roboter in der Praxis, die künftig Mitarbeitende bei gefährlichen Aufgaben im Produktionsumfeld unterstützen und entlasten sollen. „Als Kompetenzzentrum warten wir nicht, bis Technologien fertig ausgereift sind. Wir gestalten sie aktiv mit.“
Neben dem gelben Schneemobil habe ich nach unserem Interview eine weitere Besonderheit entdeckt: eine Rocket Espressomaschine mit BRP-Rotax-Motor – für Messeauftritte. Ein Hingucker für alle, die neben Benzin auch Kaffee im Blut haben.
persönliche Notiz zum Interview von
David
Wenn sich Benzin und Strom die Hand geben
Doch eine Herausforderung lässt sich nicht einfach „wegautomatisieren“: der Wandel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb. Für ein Unternehmen, das über ein Jahrhundert lang für röhrende Motoren stand, könnte das eine Identitätskrise bedeuten, oder? KÖNNTE. Der Geschäftsführer reagiert gelassen auf die Frage. Denn es sei längst gelungen, beide Technologien zu beherrschen – von der Vorentwicklung über die Produktion bis zur Markteinführung. „Auch für unser Team ist es gar nicht so entscheidend, ob Verbrenner oder elektrischer Antrieb. Es geht um Powerunits, die ein Fahrzeug antreiben, das wiederum Emotionen generiert.“ Also darum, Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern – egal, ob der Motor brummt oder summt.
Kritik übt Gebetshuber lediglich an der wankelmütigen Gesetzgebung. „In Europa war erst die Rede vom Verbrenner-Aus, jetzt rudert man zurück.“ Die fehlende Planbarkeit gestalte die strategische Ausrichtung unnötig schwierig, „und dennoch hat uns der angekündigte Umstieg dazu gezwungen, uns intensiv mit der Technologie auseinanderzusetzen, sie zu verstehen“. Auch hier gilt für ihn: keine Ausreden. „Wir entwickeln beide Technologien weiter. Der Markt wird zeigen, was gebraucht wird, und wir sind vorbereitet.“
Momentum für die Zukunft
Doch gehe es schlussendlich nicht nur um Know-how. Sondern auch um etwas, das in den letzten Jahren ein wenig in Vergessenheit geraten ist: „Wir müssen uns in Europa dem Leistungsgedanken wieder anders annähern“, mahnt Gebetshuber vorsichtig, aber bestimmt. Er will nicht falsch verstanden werden. „Als Führungskräfte müssen wir die Richtung aufzeigen. Wir müssen den Sinn erklären und Mitarbeitende motivieren.“ Wenn das gelinge, so seine Erfahrung, sind die Menschen sehr leistungsbereit. „Wir haben kürzlich unsere Strategie präsentiert. Da hat man gespürt, wie das die Leute anspricht. Es gibt ein klares, motivierendes Bild, wohin die Reise geht.“
Dasselbe wünscht er sich übrigens von der Politik. „Die Industrie braucht keine Sonderbehandlung“, aber sie brauche Verlässlichkeit und Planbarkeit. „Nur so können wir investieren, Innovation vorantreiben und Arbeitsplätze sichern.“ Die kürzlich vorgestellte Industriestrategie der Bundesregierung sieht er als Schritt in die richtige Richtung, viele Elemente seien sehr positiv. „Hoffen wir, dass einige davon gelingen.“ Und als wir am Ende unseres Gesprächs einen Blick in die Zukunft wagen, hält Gebetshuber inne. Wofür er als Teil des Unternehmens in Erinnerung bleiben will? „Am liebsten dafür, dass ich mit meiner Mannschaft einen Beitrag geleistet habe, den Standort über weitere Jahrzehnte hin abzusichern. Das ist mein Ziel.“_
Redaktion
- David Bauer
Fotos
Roland Wimmer, Rotax

