Aufwind für Oberösterreich
Nach Jahren der Rezession weht ein neuer Ton durch Oberösterreichs Wirtschaftspolitik: optimistisch, aktiv und offensiv. Die Zeichen stehen auf Erholung und das Land will diesen Moment nutzen. Mit gezielten Investitionen, internationalen Handelschancen und einem Rekordbudget für Innovationen soll aus vorsichtigem Aufschwung ein nachhaltiger Höhenflug werden.
Die globale Lage liefert erstmals seit Langem positive Impulse. Besonders das Mercosur-Freihandelsabkommen markiert eine Zäsur: eine neue Wirtschaftszone mit über 700 Millionen Menschen, offen für Maschinen, Fahrzeuge und Chemieprodukte – Kernkompetenzen Oberösterreichs. „Die Zustimmung zum Mercosur-Abkommen ist in mehrfacher Hinsicht ein historischer Moment“, betont Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner, denn Freihandel sei „die beste und sinnvollste Antwort auf Zölle, die letztlich allen Beteiligten schaden“.
Auch Deutschland, wichtigster Handelspartner, sendet Lebenszeichen: steigende Industrieaufträge, drei Monate in Folge. Parallel rückt Indien als Zukunftsmarkt in den Fokus mit Exportzuwächsen von fast 37 Prozent innerhalb eines halben Jahres. Ein Signal, wie sehr sich internationale Diversifizierung auszahlen kann.
Zuversicht hält Einzug
Trotz Aufwind bleibt klar: Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich auch zu Hause. Gefordert werden ein Industriestrompreis nach deutschem Vorbild und eine klare Industriestrategie des Bundes. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine Schlüsselrolle, von Chips bis Produktionsprozessen.
Die Konjunkturforscher sehen „Licht am Ende des Tunnels“. Für ein exportstarkes Land wie Oberösterreich ist das mehr als eine Metapher: Jeder zweite Arbeitsplatz hängt direkt oder indirekt vom Export ab.
Mit 23,9 Milliarden Euro Exportvolumen bleibt Oberösterreich Exportland Nummer eins. Mehr als ein Viertel aller österreichischen Ausfuhren stammen aus dem Bundesland, der Handelsbilanzüberschuss liegt bei beeindruckenden 5,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig zeigt sich der Arbeitsmarkt stabil: niedrigste Arbeitslosenquote, steigende Beschäftigung, mehr offene Stellen.
Auch Unternehmergeist liegt in der Luft. Die Neugründungen legten zweistellig zu. Ein Zeichen dafür, dass Zuversicht wieder zur wirtschaftlichen Ressource wird.
Von Innovation, Talenten und Tourismus
Fast 800 Millionen Euro Investitionen sind im Landeshaushalt 2026 vorgesehen. Herzstück ist das Programm „Impuls 26“, das 100 Millionen Euro in Forschung, Wirtschaft, Energie und Beteiligungen lenkt. Allein das Standortressort verfügt über ein Rekordbudget von 451,3 Millionen Euro.
Besonders stark fällt der Fokus auf Forschung & Entwicklung aus: 113,8 Millionen Euro für Projekte von industrieller KI über Recyclinglegierungen bis hin zu Medizintechnik. Ziel ist es, Produktion zu sichern und Wettbewerbsfähigkeit auszubauen – technologisch, nachhaltig, zukunftsorientiert.
Vor allem bei den Talenten wird Qualifizierung zum Standortvorteil. Programme für Jugendliche, Langzeitarbeitslose und betriebsnahe Weiterbildung sollen dem prognostizierten Fachkräftemangel entgegenwirken. Parallel baut Oberösterreich seine Vorreiterrolle bei erneuerbaren Energien aus: 89 Prozent des Stroms stammen bereits aus erneuerbaren Quellen, 90 Prozent des Energieförderbudgets fließen 2026 in deren Ausbau.
Und auch der Tourismus boomt: Rekordzahlen bei Ankünften und Nächtigungen, eine tiefgreifende Reform der Tourismusverbände und ein klarer Digitalisierungsfokus zeigen, dass Tourismus längst ein relevanter Wirtschaftsfaktor ist. Mit 7,7 Milliarden Euro Wertschöpfung und 72.000 Vollzeitstellen trägt er spürbar zum Wohlstand bei.
Wachstum mit Maß
Trotz wirtschaftlicher Dynamik bleibt der Boden geschützt. Neue regionale Grünzonen, aktive Baulandmobilisierung und sinkende Flächeninanspruchnahme pro Einwohner zeigen, dass Wachstum und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sein müssen.
Am Ende steht ein klares Signal: Oberösterreich wartet nicht auf bessere Zeiten – es gestaltet sie. Mit Investitionen, Internationalität und Innovationsgeist soll 2026 zum Jahr werden, in dem aus vorsichtiger Hoffnung echter Aufwind wird.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Land OÖ / Lina Spenlingwimmer