Verwalten? Nein, gestalten, bitte!
Ende 2020 sitzt Markus Auer über dem damals aktuellen Geschäftsbericht der VKB. Er arbeitet sich durch Bilanzen und Kennzahlen. Nicht, weil er es muss. Sondern weil er es will. Denn seine Bewerbung als Vorstandsmitglied soll kein Motivationsschreiben werden, es soll eine Blaupause sein. Nämlich dafür, wie eine über 150 Jahre alte Bank sich erfolgreich für die Zukunft aufstellen kann. Heute ist er Generaldirektor und weiß: Was in diesen drei „schlaflosen Nächten“ entstand, war mehr als ein Konzept.
100 Tage keine Interviews. „Das haben wir als neues Vorstandstrio im April 2021 kommuniziert“, erinnert sich Markus Auer, der zu dieser Zeit das Amt des Vorstandsdirektors übernahm. „Lasst uns erst einmal arbeiten“, lautete der Gedanke dahinter. Kein Aktionismus. Stattdessen: Analysen, Planung und Fokus. An Tag 99 erfuhr die Management-Ebene der Bank schließlich, wie es weitergeht – an Tag 100 ging die erste Aussendung raus. Der Plan war klar, das Ziel verbindlich: unabhängig aus Ertragskraft zu sein.
Heute, knapp fünf Jahre später, hat sich die „stille Reserve Oberösterreichs“ zu einer Bank gewandelt, die auffällt. Passend dazu gab es pünktlich zum 150-jährigen Jubiläum 2023 keine kosmetische Korrektur, sondern eine Neudefinition. Das alte Logo, eingerahmt in einem Rechteck, musste weichen. „Jetzt sprengt das ‚V’ den Rahmen – für uns ein Symbol für das Überwinden von Grenzen sowie für Wachstum“, erklärt Almir Barucic, der diesen Wandel als Bereichsdirektor für Marketing und Unternehmenskommunikation aktiv mit vorantreibt. Die Farbwahl fiel auf ein kräftiges Grün statt klassischem Bankenblau.
Kleider machen… Banken?
Es macht die beiden sichtlich stolz, dass sich viele aus der Belegschaft mit dem neuen Auftritt identifizieren. „Das Schlimmste wäre ja, wenn wir unseren Mitarbeitern Kleidung mit unserem Branding zur Verfügung stellen, sie aber nicht damit gesehen werden wollen“, so Auer. „Inzwischen haben wir sogar einen eigenen Onlineshop mit Merchandise, den unsere Mitarbeiter nutzen.“ Das Duo legt großen Wert darauf, die rund 650 Mitarbeiter bewusst mitzunehmen. Mit Erfolg. Was von außen wie ein reines Rebranding wirkt, entfaltete nach innen eine ungeahnte Wirkung. „Unser Relaunch war auch ein Katalysator für den internen Kulturwandel“, sind sie sich einig. Und dieser hat es in sich. Denn als Auer antritt, passiert an „Tag 99“ etwas, das bei vielen auf Verwunderung stößt: Fast alle Führungskräfte aus seinem Vorstandsressort mussten sich auf ihre eigenen Positionen neu bei ihm bewerben. Keine Machtdemonstration, sondern ein Signal, dessen Botschaft angekommen ist. Wer bleibt, weiß wofür. Und wer neu dazukommt, versteht von Tag eins: Hier zählt Leistung.
Doch ein neues Logo und hippe Pullis machen noch keine erfolgreiche Bank. Umso konsequenter verfolgt man daher die geografische Expansion. „Wir gehen dorthin, wo der Mittelstand investiert“, lautet die Devise. Und man bringt dabei immer dieselbe DNA mit: persönliche Beratung auf Augenhöhe, individuelle Lösungen statt Standardprodukte. Was in Oberösterreich seit 1873 funktioniert, wird konsequent exportiert. „In all unseren Märkten setzen wir auf unsere drei Stärken: Firmenkundengeschäft, Wertpapiergeschäft und Wohnbaufinanzierung. Zusätzlich liegt in Salzburg und der Steiermark ein besonderer Fokus auf der geförderten Exportfinanzierung und in Wien nach wie vor auf der Immobilienfinanzierung.“
Haltung statt Gießkannenprinzip
Die Herausforderung: In neuen Märkten schnell wahrgenommen zu werden, ohne die eigene Identität zu verwässern. Die Lösung: Präsenz zeigen, wo Leistung zählt. Als Presenting Partner der DTM am Red Bull Ring in Spielberg etwa, wo man auf eine für Banken untypische Plattform setzt. Die Entscheidung folgt der Einstellung, keine Sponsorings nach dem Prinzip „Hauptsache dabei“ auszuwählen. „Jedes Engagement muss unsere Markenwerte Leistung, Wachstum und Erfolg verkörpern. Uns geht es darum, die Marke mit Leben zu befüllen.“ Etwa beim Motorsport, der als Innovationstreiber und Wirtschaftsfaktor mit 1,5 Millionen Arbeitsplätzen weltweit gilt. Oder im Eishockey mit den Steinbach Black Wings Linz, wo man neben dem Profi- auch das Damenteam IceCats und den gesamten Nachwuchs unterstützt. „Es gibt bei uns keine Denkverbote – jede Idee wird gehört, die besten davon umgesetzt.“ Selbes gilt für das Engagement als Hauptsponsor der oberösterreichischen Stiftskonzerte – übrigens seit 53 Jahren, also von Beginn an. „Wer einmal Backstage bei den Künstlerinnen und Künstlern war, weiß, wie anstrengend deren Höchstleistungen sind und welchen Anspruch diese an sich selbst haben.“
Die beiden erkennen darin viele Parallelen zum leistungsorientierten Alltag in der Bank. Apropos: Auch in der Belegschaft finden sich viele, die in Randsportarten erfolgreich sind – etwa Nicola Kuhn, die in der Rechtsabteilung tätig und zugleich 16-fache Staatsmeisterin im Wasserski ist. „Wir bieten ihnen eine mediale Bühne bei Veranstaltungen und unterstützen sie bewusst, weil die Motivation und der Vibe, den Sportlerinnen und Sportler in unsere Organisation bringen, sehr viel wert sind“, betont Barucic. Für Auer ist es genau das richtige Mindset, das es nach drei Rekordjahren in Folge brauche, da mit diesen Erfolgen auch die Erwartungshaltung steige.
Der Druck sei spürbar, keine Frage. „Das wird uns nicht immer gelingen. Mal gewinnst du, mal verlierst du. Und wir haben nun drei Jahre in Folge sehr viel ‚gewonnen‘.“ Die längste Rezession der Nachkriegszeit, sinkende Zinsen und die aufgrund der Inflation stark gestiegenen Kosten machen es schwer jedes Jahr Rekordergebnisse abzuliefern, „aber wir nehmen die Herausforderung jährlich neu an und für 2025 kann ich bereits verraten, dass das Jahr unter den besten drei unserer 153-jährigen Geschichte liegt. Auch 2026 ist sehr gut gestartet, daher sind wir zuversichtlich, dass uns im historischen Vergleich erneut ein Podestplatz gelingt.“_
Redaktion
- David Bauer
Fotos
VKB / Fröschl