Oberstes Level - über ein Linzer Unternehmen, dessen Brillen bis ins All fliegen

Oberstes Level - über ein Linzer Unternehmen, dessen Brillen bis ins All fliegen

Du kennst sie, wenn du sie angreifst.“ 1964 von Arnold und Anneliese Schmied gegründet, ist die Firma Silhouette bis heute familiengeführt, zählt über 1400 Mitarbeiter:innen an den Standorten Linz, in Tschechien und den U.S.A. und produziert mit einer Exportquote von 95 Prozent die einzige Brille der Welt, die ins All fliegen darf. Doch das Ziel des Gründers war es einst „die schönste Brille der Welt“ zu entwerfen. Begonnen hat jene Vision – in einer Baracke in Linz.

Auf Besuch bei Silhouette

Leicht sind sie alle, die Brillen, die wir behutsam aus ihren Schachteln nehmen. Man setzt sie auf und spürt- nichts. Wie ein Hauch sitzen sie auf der Nase. Mit feinem goldigem Rand oder rahmenlos, in subtilen Farbtönungen oder groß und selbstbewusst. Was sie alle gemeinsam haben: Keine Schraube, keine Kante oder Ecke trübt das Trageerlebnis. Und eine Erfindung aus dem Haus darf noch höher hinaus.

Von Linz ins All

1999 kommt eine Brille auf den Markt, die ohne Schrauben und Scharniere konstruiert ist- rahmenlos und federleicht. Die so genannte „Titan Minimal Art“, wiegt 1,8 Gramm und besteht aus Titan. Das bekannteste Raumfahrtunternehmen der Welt, die NASA, wird auf sie aufmerksam und der Rest ist Geschichte. Seit dem Jahr 2000 ist die TMA für die Raumfahrt zertifiziert – und hat schon bei Dutzenden Raumfahrtmissionen ihren Dienst versehen.

„Welcher Werkstoff steckt eigentlich in den Brillen?“, fragen wir. Der Hochleistungstitan wird in Japan produziert. "Mit 80 Prozent Titananteil ist dieser genau so beschaffen, wie man ihn für die Brillen braucht", erklärt uns später Betriebsführer Aleksandar Narinkovic, der durch die Produktionsräume führt. Den Titan habe man gemeinsam mit der japanischen Firma quasi "nach Maß" entwickelt.

„Zukaufen? Lieber selber bauen.“

Die jüngste Investition am Standort in Linz ist auch die größte der letzten Jahrzehnte. Man produziert nämlich seit 2017 auch die Gläser selbst. Hier im modernen Bau des „Lens Lab“ werden die Glasrohlinge aus Frankreich in die richtige Form gebracht. Selbst entwickeln statt zukaufen – der Rundgang durch die Firma zeigt die Tüftler:innen - die Maschinen adaptiert bzw konstruiert man für die eigenen Bedürfnisse gerne selbst.

Wie viele Designs entstehen im Schnitt pro Jahr?

„An die 3000“, antwortet CEO Martin Schmied, den wir zum Interview treffen. „Ein Bruchteil davon schafft es ins Sortiment.“ Hinter den Modellen steckt das Designteam – fünf Designer:innen, dazu ein eigenes Farbdesignteam, die Mustermacherei, sie arbeiten Hand in Hand. Vom Tragetest, Designentscheidungen, dem Suchen neuer Farben kann man sich einen quirligen Cocktail an Menschen und Arbeitsschritten vorstellen, bis man zum perfekten Ergebnis kommt. Das nach langlebigen, zeitlosen Formen sucht, nicht nach kurzfristigen Trends. Mit diesem Ansatz konnten schon 110 Designpreise gewonnen werden.

Woher kommen die Inspirationen?

„Von Trendscoutingreisen, neuen Techniken, vor allen Dingen aus der eigenen Kreativität. Diese Inputs heißt es dann in unsere Marken-DNA zu destillieren.“ Die sich in drei Designlinien manifestiert: Zur Stammmarke Silhouette haben sich die avantgardistischere Linie „Neubau“ sowie die High End Sportlinie „Evil Eye“ dazugesellt. Diese hat sich nach ihrem Launch 2019 in kurzer Zeit zum Marktführer in der DACH-Region entwickelt. Und – haben wir schon erwähnt, dass das Linzer Unternehmen noch weiter geht? In der exklusiven „Atelier Collection“ entstehen Brillen aus 18-karätigem Gold.

Stichwort Exklusivität. Im Weltall exklusiver Brillenausstatter sein, mit über 60 Space Missions. Wie ist es dazu gekommen?

Dort, wo starke G-Kräfte wirken, wo die Brille nie verrutschen darf, weil man sie nicht einfach unter dem Helm zurechtrichten kann, wo es von Vorteil ist, wenn keine Teilchen abbrechen können, da sei die beinahe schwerelose „TMA“ ideal. Erzählt CMO Martin Schmied.

Was zu einem Merkmal führt, dass schon sein Großvater Arnold mit geschlossenen Augen vorgeführt habe. Er könne eine „Silhouette“ immer erkennen, mit seinen Händen. Denn diese erspüre man quasi blind. Die 260 Arbeitsschritte, die aus Titan und Glas ein Spitzenprodukt der Technik geformt haben, davon sollte nur ein angenehm leichter Hauch von Brille in der Hand liegen, ganze ohne scharfe Ecken und Kanten.

Trend 2023 – „Empowered by Lightness“

Leichtigkeit ist denn auch das Motto für 2023. Auch als mentaler Zustand gedacht. In einer Welt, wo die Reizüberflutung überhandnimmt, sich vieles im Alltag schwer und drückend anfühlt, ist die emotionale Leichtigkeit ein wichtiger Wert, der sich durch die Botschaft der Firma zieht.

Was zum Schluss einen Punkt anspricht, schon mit den Anfängen in den 1960er Jahren begonnen hat. Der Unternehmensstandort befindet sich mitten im Linzer Wasserschutzgebiet, was Auflagen und Regeln bedeutet. Doch auch dieses Bewusstsein für die nötige Sorgfalt gehört zur Firma. Martin Schmied: „Die Sorgfalt, die dieser Standort benötigt, die sehen wir als selbstverständlich an."

Unsere Inspirationen kommen von Trendscoutingreisen, neuen Techniken, vor allen Dingen aus der eigenen Kreativität. Diese Inputs heißt es dann in unsere Marken-DNA zu destillieren.

Martin Schmied, CMO Silhouette

FACTS ZU SILHOUETTE

Silhouette, gegründet 1964 in Linz, ist der einzige Brillenhersteller Europas mit EMAS-Zertifikat. Am Standort Linz sind 700 Mitarbeiter:innen beschäftigt. Produktionsstandorte in Linz, Tschechien und U.S.A. Familiengeführt in dritter Generation. Umsatz 2021 158 Mio. Euro. Exportquote: 95 Prozent. www.silhouette.com