Kunststoffmesse in Düsseldorf

Kunststoffmesse "K": Ein neues Image muss her

Die Kunststoffindustrie hatte es schon leichter. Klimaschutz ist das Thema der Stunde, „Plastik ist der neue Teufel“, moniert Stephan Kubinger, Obmann-Stellvertreter der Sparte Industrie der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ). Wie reagiert die Branche darauf? Ein Rundgang auf der Kunststoffmesse „K“.

Erema

Erema mit Sitz in Ansfelden stellt Kunststoff-Recyclingmaschinen her. Kein Wunder also, dass CEO Manfred Hackl seinem Messegeschäft mit fröhlicher Miene nachgeht. Der Zeitgeist spielt ihm in die Hände. „Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten vollständig auf Kunststoffe verzichten. Prognosen zeigen genau das Gegenteil: 2050 wird weltweit dreimal so viel Kunststoff wie jetzt im Umlauf sein.“ Auf der K präsentiert Erema eine neue Recyclinganlage, speziell für Polyethylen- und Polypropylen-Abfälle aus der Folienproduktion. „Diese Maschine macht es möglich, 100 Prozent des recycelten Materials wieder in den Produktionsprozess zurückzuführen.“ Recycling sei zwar schön und gut, aber nicht die alleinige Lösung. „Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Nur sortenreiner Kunststoffabfall hat das Potential wieder zu hochwertigen Produkten verarbeitet zu werden. Bereits beim Design muss man daher die Wiederverwertbarkeit im Hinterkopf behalten und Dinge einfacher gestalten. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, lässt sich ein Wertstoffkreislauf etablieren."

Ifw

Ifw baut einerseits Werkzeuge, fertigt andererseits im Spritzgussverfahren auch Plastikteile wie etwa Rohrverbinder, wie sie vor allem die Baubranche braucht. „Damit leisten wir einen Beitrag zum Umweltschutz. Früher waren die Rohrverbinder aus Messing. Unsere Plastikversion ist länger haltbar, billiger und verbraucht in der Produktion weniger Energie“, erklärt man am Messestand. Das Geschäft laufe derzeit gut. „In der Baubranche ist noch keine Konjunkturdelle spürbar. Offen bleibt, ob die Probleme der Autobranche zu einer gesamtwirtschaftlichen Eintrübung führen. Unser Ziel ist es, den Vorjahresumsatz von rund 30 Millionen Euro zu halten.“

SML

Maschinenbauer SML hat keine Mühen gescheut und sein 169 Tonnen schweres PowerCast XL Extrusionssystem auf der Messe aufgebaut und in Betrieb genommen. Hergestellt wird damit Stretchfolie. Diese hält zum Beispiel Waren, die auf einer Palette verstaut sind, für den Transport zusammen. Die Folie besteht zu 80 Prozent aus wiederverwertetem Plastik. Auch bei SML bringt man wieder das Problem der unterschiedlichen Kunststoffe aufs Tapet, sortenreines Material sei gefragt. „Wer oben Durcheinander hineingibt, wird unten Durcheinander herausbekommen“, erklärt Geschäftsführer Karl Stöger. Für ihn steht fest: „Plastik ist unverzichtbar." Alternativen zur Stretchfolie würden in der Herstellung mehr Energie verbrauchen und mehr Emissionen verursachen. Ob das stimmt, ist schwer zu verifizieren. Die dänische Umweltschutzagentur zeigt aber in einer Studie, dass etwa ein mehrfach verwendetes Plastiksackerl weniger CO2 Emissionen verursacht, als ein Papierbeutel. Benutzt man beide nur einmal, gibt es keinen gravierenden Unterschied.