Wenn Roboter Erdäpfelchips machen und KI den Fachkräftemangel löst
Es ist ein sonniger, aber kalter Februartag in Linz, als sich rund 400 Menschen in der Wirtschaftskammer Oberösterreich treffen und über die Zukunft diskutieren. Nicht irgendeine Zukunft – die Zukunft der Produktion. Draußen kämpft Europa um seine Wettbewerbsfähigkeit, drinnen zeigen oberösterreichische Unternehmen, wie die Antwort aussehen könnte: automatisiert, robotisiert, digitalisiert. Und vor allem: machbar.
Die „Zukunft.Produktion 2026“ ist mehr als eine Konferenz. Sie ist ein Weckruf. Einer, der sagt: Weitermachen wie bisher wird nicht funktionieren. Und einer, der zugleich zeigt, dass Oberösterreich die Werkzeuge längst in der Hand hält.
Nicht aufschieben. Handeln!
„Große Stückzahlen in großen Unternehmen sind schon automatisiert“, stellt Werner Pamminger, Geschäftsführer von Business Upper Austria, klar. „Wir konzentrieren uns mit der Leitinitiative auf KMU. Ihnen rate ich, Projekte einfach anzugehen, auch wenn es sich laut Controlling und Finanzchef erst in vier Jahren rechnet.“ Die Botschaft ist eindeutig: Nicht warten. Nicht rechnen. Machen. Michael Pecherstorfer, Vizepräsident der WKOÖ, legt nach: „Nicht aufschieben. KI ist die Chance, die wir aktiv nutzen müssen. Digitalisierung und Automatisierung sind der Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit.”
Und Stephan Kubinger, Innovationssprecher der Sparte Industrie, wird noch konkreter: „Mit humanoider Robotik kommt eine Welle mit riesigen Chancen auf uns zu. Das Thema wird uns dominieren und uns beim Fachkräftebedarf helfen. Unternehmen sollten jetzt überlegen, wie ihr Geschäftsmodell in vier Jahren aussehen wird und dann handeln.“
Physische KI: Wenn Intelligenz einen Körper bekommt
Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer Institut für Produktionstechnik und Automatisierung bringt es auf den Punkt: „Wahre Intelligenz kann nur entstehen, wenn die KI einen Körper hat, mit der Umwelt interagieren und etwas ausprobieren kann.“ Physische KI – oder „Embodied AI“ – ist der Begriff, der sich durch die Vorträge zieht wie ein roter Faden. Humanoide Roboter, kompetente Maschinen, autonome Fahrzeuge. Keine Science-Fiction mehr, sondern Realität. Zumindest in Oberösterreich.
Aus Rainbach im Mühlkreis kommt „Chipsi“. Ein Roboter, der aus rohen Erdäpfeln mit regionalen Zutaten Lockenchips herstellt. Die Idee stammt von Jakob Hörbst, der Automatisierungslösungen für Gastronomie und Tourismus entwickelt. Im Waldpark Hochreiter in der Steiermark können Besucherinnen und Besucher „Chipsi” bei der Arbeit zusehen. Noch ambitionierter ist Ümit Bas von Iono Robotics. Er entwickelt in Linz humanoide Robotik für Produktionsbetriebe. „Wir positionieren uns bewusst als europäische Alternative zu Anbietern aus den USA und China. Ein zentraler Vorteil ist die Datensouveränität”, erklärt er. „Oberösterreich bietet ideale Bedingungen: viele produzierende Betriebe auf engem Raum und damit viele konkrete Anwendungsfälle, die sich rasch automatisieren lassen.“ Der erste Roboter soll noch in diesem Quartal beim Kunden stehen. Europa ist im Spiel – made in Linz.
Mut, Engagement, klare Haltung
Das bringt auch Christiane Tusek, Vizerektorin für Finanzen und Entrepreneurship der JKU Linz, auf den Punkt: „Dafür braucht es Mut, Engagement und eine klare Haltung. Unternehmen müssen sich auch für Disruption öffnen.“ Sie hebt die Rolle der Forschung hervor: „Wir müssen neue Wege gehen für Wirtschaft und Industrie. In Zeiten wie diesen wird entscheidend sein, ob eine Volkswirtschaft über Wissen und Innovation verfügt. An der JKU arbeiten viele Expertinnen und Experten zu AI, daraus entstehen erfolgreiche Spin-offs.“
Und Landesrat Markus Achleitner stellt in seiner Video-Begrüßungsbotschaft fest: „Die Veranstaltung hat aufgezeigt, wie Produktion branchenübergreifend automatisiert, robotisiert und digitalisiert werden kann. Das bietet gerade für Oberösterreich als Industrie- und Wirtschafts-Bundesland Nr. 1 die Chance, seine Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich zurückzugewinnen und zugleich auch eine Antwort auf den demografisch bedingten Fachkräftebedarf zu geben.”
Die Rechnung geht auf – später
Thomas Bauernhansl vom Fraunhofer Institut hat eine klare These: „Wenn wir in zehn Jahren noch relevant sein wollen, müssen wir uns alle verändern. Weitermachen wie bisher wird nicht funktionieren.” Ihm ist klar, dass Investieren in physische KI teuer und risikoreich ist. Daher sei Kooperation unumgänglich, weil einzelne Unternehmen die Herausforderungen nicht allein stemmen können. Und so ist es umso treffender, dass sich bei der Die „Zukunft.Produktion 2026“ rund 400 Menschen unter einer Haltung begegnet haben sind: Die Zukunft der Produktion wird nicht irgendwo entschieden, sie entsteht hier, in Oberösterreich. Und sie wartet nicht auf den perfekten Business Case. Sie braucht Mut.
Redaktion
- David Bauer
Fotos
DIE PELZLS/cityfotos





