Wenn Loslassen der Anfang ist
In Mistelbach bei Wels führt Walter Knoll gemeinsam mit seiner Tochter Katharina und ihrem Mann Manuel ein Familienunternehmen, das Nachhaltigkeit bereits lebte, bevor sie zum Trend wurde. Ein Besuch bei drei Menschen, die zeigen: Mut hat kein Verfallsdatum
Die Produktionshalle riecht nach Aluminium und frischem Kaffee. Im ehemaligen Elternhaus von Walter Knoll pulsiert ein Betrieb, der auf Beständigkeit und Ästhetik setzt. Wir treffen ihn, seine Tochter Katharina und ihren Mann Manuel im neu sanierten Büro von Aluclip. Als Walters Frau während des Interviews mit einem Tablett voller selbstbelegter Brötchen ins Büro kommt – „Für die Kraft zwischendurch“, sagt sie lächelnd –, wird sofort klar: Familie ist in diesem Unternehmen nicht nur ein Wort auf der Website, sondern wird täglich gelebt. Und drei Menschen schreiben bei Aluclip eine gemeinsame Geschichte. Doch beginnen wir von vorne.
Der Mann, der noch einmal alles riskierte
Walter Knoll ist seit 1978 im Fensterbau tätig. 34 Jahre lang arbeitete er in derselben Firma, lernte dort sein Handwerk und perfektionierte es – bis die Unternehmensführung wechselte. Plötzlich stand er vor der Wahl: bleiben und sich verbiegen. Oder gehen und neu anfangen. Es folgte eine Partnerschaft mit einem ehemaligen Kollegen. Bis dieser die Firma verkaufen wollte. Vor fünf Jahren kaufte Walter die Firmenanteile. Da war er 58. Ein Alter, in dem andere an die Pension denken. „Meine erste Frage damals war: Was sollen die Mitarbeiter machen?“, erzählt er. In diesem Satz liegt alles, was man über Walter Knoll wissen muss. Er dachte nicht an sich. Er dachte an die sechs Menschen, die ihm vertrauten.
Das alte Elternhaus in Mistelbach wurde zum Schauplatz einer bemerkenswerten Transformation. Es folgten viele Behördengänge und der Umbau des gesamten Hauses. „Wir haben mit dem Bau der Produktion gestartet, denn die bringt das Geld. Da haben wir über Weihnachten durchgearbeitet. Im März sind wir gestartet.“
Was Aluclip macht, klingt simpel – es steckt aber ein großes Know-how dahinter. Das Unternehmen verlängert das Leben von Fenstern, Türen und Wintergärten. Statt beispielsweise funktionierende Holzfenster herauszureißen, verkleiden sie diese mit maßgefertigten Aluminiumprofilen in der gewünschten RAL-Farbe. Das Ergebnis: wartungsfrei, nachhaltig, optisch wie neu. „Es gibt so viele gute Sachen, die einfach weggeschmissen werden“, sagt Walter. Aluminium, sein Material der Wahl, ist zu 100 Prozent recycelbar. „Alu hat mich schon immer fasziniert“, erzählt der gelernte Tischler.
Die Tochter, die Sinn suchte
Dass aus dem Unternehmen bald ein Familienunternehmen wurde, lag an Walters Tochter. Katharina Langeder hatte einen sicheren Job im Marketing bei Hofer. Und doch fehlte etwas. „Ich habe manchmal den Sinn hinter meinen Tätigkeiten nicht gesehen“, sagt sie offen. Nach der Geburt ihrer beiden Söhne wurde das Gefühl stärker. 2024 kündigte sie, stieg bei Aluclip ein und ist nun für das Marketing und die Unternehmensentwicklung zuständig. „Es waren zwei Dinge, die mich begeistert haben: einerseits die Werte vom Papa weiterzuleben – diese Handschlagqualität. Und andererseits das nachhaltige Produkt.“ Die Zusammenarbeit mit ihrem Vater? Sehr wertschätzend! „Er lässt mich Dinge ausprobieren und mich selbst verwirklichen.“ Die größte Herausforderung ist die Weitergabe seines großen Wissensschatzes. „Da müssten wir uns wochenlang an seine Fersen heften, um das alles zu erfassen“, sagt sie und lacht.
Walter nickt. „Aufschreiben musste ich mir nie viel, ich habe alles im Kopf.“ Er hält kurz inne. „Jetzt muss man das Wissen eben auf mehrere Personen aufteilen.“ Man merkt, dass ihm das Loslassen nicht ganz leichtfällt. „Aber ich bin richtig froh. Ich bekomme Ansporn von unten und da fühlst du dich gleich um zehn Jahre jünger.“
Der Schwiegersohn, der den Konzern hinter sich ließ
Und sein Wissen fällt nicht in irgendwelche Hände. Neben Katharina wagte auch ihr Mann Manuel den Schritt ins Unternehmen. Er war 20 Jahre lang bei TGW tätig. Er mochte seinen Job gerne, doch er merkte, dass er in einer kleineren Firmenstruktur mehr umsetzen und bewegen könnte. Katharina catchte ihn mit Fragen: Wie würdest du das lösen? Binnen drei, vier Tagen war dann die Entscheidung gefallen. „Wir haben das bewusst gemeinsam entschieden. Wir wollen auf keinen Fall, dass unser Privatleben darunter leidet.“ Seit Februar dieses Jahres ist er dabei und leitet den technischen Vertrieb. „Ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit“, sagt er. Walter nickt anerkennend. „Er ist der richtige Mann für draußen, das habe ich sofort gespürt.“
Handwerk mit Herz
Was Aluclip unterscheidet, spürt man zwischen den Zeilen. Es ist die Art, wie Walter von „seiner“ Kundschaft spricht. Wie Katharina erklärt, dass sie jedem Kunden nach der Montage ein kleines Geschenk mitgeben – Kürbiskernöl von ihrer Schwester, die einen Bauernhof hat. Es ist die Tatsache, dass Manuel mit einem drei Kilogramm schweren Musterkoffer zu Kundengesprächen fährt. „Die Leute wollen die Produkte angreifen“, erklärt er. In einer Zeit, in der alles digitalisiert wird, setzen die drei auf Haptik. Auf das Anfassen. Auf das Gespräch vor Ort. Unterwegs sind Walter und Manuel in ganz Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark. „Bei uns ist der Mensch das Wichtigste“, sagt Katharina, „der Mitarbeiter und der Kunde.“ Eine kürzliche Googlebewertung brachte es auf den Punkt: „Es gibt kaum mehr solche Familienunternehmen mit so viel Handschlagqualität.“
Wie die drei die Zukunft des Unternehmens planen? Wachstum ist kein Ziel. „Qualität vor Quantität“, sagt Katharina bestimmt. Momentan arbeiten sie an einer zweiten Produktlinie („Alure“), eine Premium-Design-Linie für den Außenbereich mit individuellen Aluminiumlamellen für Sicht- und Sonnenschutz. Das Kerngeschäft der nachhaltigen Sanierung bleibt trotzdem der Fokus. „Wir werden das Synonym für die qualitative und nachhaltige Sanierungslösung bleiben.“ Und Walter denkt noch lange nicht ans Aufhören. Beim Hinausgehen fallen die Fenster im Eingangsbereich auf. „Die habe ich 1982 gemacht“, sagt er stolz. „Damals habe ich meinem Meister gesagt: Ich will das allein durchziehen.“ Die Fenster wirken noch frisch wie am ersten Tag. Genau wie der Mann, der sie gebaut hat._
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Aluclip, Sabine Kneidinger