Krisenstrategie: Innovation
Als 2020 plötzlich Produktionslinien stillstanden und ganze Branchen ins Wanken gerieten, war Panik für Werner Pamminger keine Option. Es war nicht die erste Krise – und auch nicht die letzte –, die er aus der Verantwortung heraus erlebte. Drei große wirtschaftliche Einschnitte später sagt der Geschäftsführer der Standortagentur Business Upper Austria etwas, das in Zeiten industrieller Rezession fast ungewöhnlich klingt: Er ist zuversichtlich. Nicht aus Naivität, sondern aus Erfahrung.
Seit 1999 ist Pamminger Teil von Business Upper Austria, seit 2014 steht er an der Spitze der Organisation. Die Standortagentur des Landes vernetzt Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Startups, betreibt Clustermanagement und fördert Innovation und Investition am Wirtschaftsstandort. Als er begann, sah das Ganze noch völlig anders aus: dreizehn Mitarbeitende und viel Pioniergeist. Die oberösterreichischen Wirtschaftscluster standen in ihren Anfängen, von Start-
up-Inkubatoren war noch keine Rede („Die Agentur war ja selbst noch ein Startup“). Gewissheit, wohin sich das Land wirtschaftlich entwickeln würde, gab es keine. Im Jahr 2026 beschäftigt die Standortagentur mit all ihren Beteiligungen rund 1.400 Mitarbeitende. „Das war damals eigentlich undenkbar“, erzählt uns der Geschäftsführer.
Arbeit am Standort
27 Jahre in einem Unternehmen – wird das nicht irgendwann langweilig? Das vehemente Kopfschütteln unseres Interviewpartners ist Antwort genug. Damals und auch jetzt treibe ihn vor allem eines an: der Sinn hinter seiner Tätigkeit. „Wir zielen nicht darauf ab, dass ein Unternehmen erfolgreicher wird oder eine Unternehmerfamilie reicher“, erklärt Pamminger. „Wir arbeiten an unserem Standort. Damit es uns und auch nachfolgenden Generationen weiterhin so gut gehen kann.“ Und genau das ist es auch, was ihm und der Agentur die Motivation gibt, auch dann nicht aufzugeben, wenn es mal brenzlig wird.
Drei Krisen, zwei Lehren
Drei große wirtschaftliche Krisen hat Pamminger miterlebt: das Platzen der Dotcom-Blase in den frühen 2000ern, die Finanz- und Wirtschaftskrise und schließlich die Covid-pandemie. Jede dieser Phasen hatte ihre eigenen Dynamiken, doch seine Learnings aus allen sind folgende zwei:
Erstens: Ruhe bewahren. „Don’t panic, keep calm and carry on.“ Diese Ruhe strahlt er auch jetzt aus, während er die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte Revue passieren lässt. Panik sei selten ein guter Ratgeber, schon gar nicht in Phasen, in denen langfristige Entscheidungen gefragt sind.
Die zweite Lehre ist für ihn noch entscheidender: „Wenn sich Unternehmen konsequent auf Technologie, Forschung und Innovation konzentrieren – also darauf, was ich heute tun kann, um morgen und übermorgen vorne zu sein –, dann gibt es eine reale Chance, auch gestärkt aus Krisen hervorzugehen.“
Durch die Linse seiner Erfahrung blickt er auch auf die aktuelle Situation: Oberösterreich befindet sich im vierten Jahr einer industriellen Rezession. Unternehmen mussten restrukturieren, teilweise Personal abbauen. Obwohl vieles sehr trüb scheint, verrät uns Pamminger eine Beobachtung, die ihn optimistisch stimmt: „Der Bereich Forschung und Entwicklung bleibt auf einem sehr hohen Niveau. Und das ist langfristig ein gutes Zeichen.“
# Gedankensprung
Kaffee oder Tee am Morgen?_Kaffee.
Laptop oder Smartphone?_Beides, aber Smartphone ist wahrscheinlich wichtiger.
Eine Technologie, die mich aktuell begeistert_ Quantencomputing und die Software, die dahintersteckt.
Das innovativste Produkt, das ich zuletzt gesehen habe_eine Quantenkommunikationstechnik zur abhörsicheren Datenübertragung mit Satelliten.
Wenn ich mal nicht arbeite_betreibe ich Sport, vor allem im Schnee.
Dieser Person würde ich gerne mal die Hand schütteln_Michail Gorbatschow – leider schon gestorben.
Mein Lieblingscluster in Oberösterreich_der Kunststoffcluster, den ich über ein Jahrzehnt selbst verantwortet habe.
Innovation als Überlebensstrategie
Dass Unternehmen auch in schwierigen Zeiten an ihren F&E-Budgets festhalten, kommt nicht von ungefähr. Viele haben mittlerweile gelernt: Wer bei Forschung und Innovation spart, verbaut sich die eigene Zukunft. „Eine Erfolgsgarantie gibt es nie.“ Was aber doch garantiert sei: „Ohne neue Produkte und Dienstleistungen lässt sich auf Dauer kein Erfolg sichern.“
Die Heiratsvermittlung für Innovation
Drei Erfolgsfaktoren sind es, die Oberösterreich seiner Meinung nach zu einem Innovationsstandort machen. Erstens: gut ausgebildete Fachkräfte. Zweitens: eine breit aufgestellte Unternehmenslandschaft, von Automobil- und Maschinenbau über Kunststoff bis IT. „Keine One-Pony-Show, sondern Vielfalt, die Innovation über Branchengrenzen hinweg möglich macht.“ Und drittens: die vielen Familienunternehmen, die weniger in Quartalen, sondern eher in Generationen denken.
Dazu kommt der kleine Heimmarkt, der Unternehmen fast automatisch dazu zwingt, über Landes- und Bundesgrenzen hinauszuschauen und sich ständig weiterzuentwickeln. Genau hier kommt Business Upper Austria ins Spiel: als En-
abler und Vernetzer. „Wir sind eine Art Heiratsvermittlung zwischen Unternehmen und Forschung“, sagt der Geschäftsführer schmunzelnd. Die Agentur bringt Partner zusammen, organisiert Förderungen und begleitet Projekte. Nicht jedes ist ein Durchbruch, aber oft der Startpunkt für neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle.
Born Global
Um Innovationen auch erfolgreich an den Markt zu bringen, hat Pamminger einen Rat an Gründerinnen und Gründer: von Anfang an international denken. „Früher hat man regional begonnen, ist dann nach Deutschland gegangen, später nach Europa und irgendwann in die USA oder nach Asien.“ Heute müsse das deutlich schneller gehen. Die Nische sollte klar definiert sein, dann aber global besetzt werden.
„Wir haben in Österreich sehr solide Lösungen und stellen unser Licht oft ein bisschen unter den Scheffel“, ist Pamminger überzeugt. Gerade deshalb dürfen sich Unternehmen ruhig stärker zeigen.
Zuversicht mit Bodenhaftung
Was ihm persönlich Zuversicht gibt? Gut ausgebildete, engagierte Menschen am Standort. Das pauschale Jammern über junge Generationen teilt er nicht. „Ich erlebe viele engagierte junge Leute, die wirklich etwas voranbringen wollen.“ Und die Geschichte zeige: Oberösterreich habe viele Krisen erlebt – von der Verstaatlichten-Krise bis zu massiven Restrukturierungen großer Industriebetriebe. „Diese Unternehmen sind schlussendlich gestärkt aus den Krisen herausgekommen. Das wird auch diesmal so sein.“_
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