Eine Reise durch die Lebensadern von Linz
Ob Dekarbonisierung, Strom- und Fernwärmenetze, Kanäle oder Hochwasserschutz – die Agenden der Linz AG sind vielseitig und prägen das Leben in der Stadt nachhaltig. Wir wollen von Generaldirektor Erich Haider wissen, was uns im Linzer Untergrund am meisten erstaunen würde, wie er Kindern die Energiezukunft erklärt und warum das Unternehmen sowohl Herz, Lunge als auch Nervensystem der Landeshauptstadt ist.
Wenn Linz ein Körper wäre, würden Sie sagen, die Linz AG wäre Herz, Lunge oder Nervensystem?
Erich Haider: Man hört immer wieder, dass die Linz AG die Region und die Stadt „am Laufen“ hält. Das spricht für ein gutes Herz-Lungen-System. Ich selbst würde sagen, die Linz AG ist ein wichtiger Motor und Impulsgeber für unsere Landeshauptstadt. Mit unseren sehr vielfältigen Leistungen unterstützen wir die Region Linz auf ihrem nachhaltigen Weg in eine lebenswerte Zukunft. Manchmal braucht es dafür Herz im Sinne von Leidenschaft, einen langen, kräftigen Atem, mutige Entscheidungen und vernetztes, feinnerviges Zusammenspiel der Kräfte.
Unter der Stadt Linz verlaufen kilometerlange Leitungen, Netze und Kanäle. Wenn Sie uns auf einen Rundgang dorthin mitnehmen könnten, worüber würden wir am meisten staunen?
Erich Haider: Beeindruckend in diesem Zusammenhang ist mit Sicherheit unser Stromnetz. Der Photovoltaikboom der letzten Jahre und die Dekarbonisierungspläne der Industrie sind insbesondere für die Stromnetze herausfordernd. Dieser Aufgabe begegnen wir mit Investitionen ins Stromnetz von 70 Millionen Euro jährlich. Ein Teil davon kommt der Stadt Linz zugute und das in einem bisher nicht gekannten Tempo. Ebenso bemerkenswert sind unser leistungsstarkes Kanalsystem, das die Abwässer von Linz und 39 Gemeinden aufnimmt, und unser mehr als 1.200 Kilometer langes Wasserrohrnetz. Über Letzteres werden täglich bis zu 85 Millionen Liter bestes Trinkwasser geliefert. Ständig ausgebaut wird auch unser Fernwärmenetz für die Versorgung von rund 90.000 Haushalten, und wenn von beeindruckenden Leitungssystemen die Rede ist, darf ein großes Zukunftsprojekt, der unterirdische „Klimatunnel“ für Linz, nicht fehlen. Derzeit planen wir ein neues Fernkältenetz für die Linzer Innenstadt, mit einer Kältezentrale und dem „Klimatunnel“ als begehbarer Hauptversorgungsachse zwischen Prinz-Eugen-Straße und Volksgarten. Der „Klimatunnel“ wird zudem höchst effizient sein, weil neben den Fernkälterohren auch Strom- und Glasfaserleitungen darin verlegt werden. Der Baustart ist für 2026 geplant.
Bei welchem Projekt haben Sie zuletzt im Vorstand gesagt: „Wir machen das – auch wenn es uns viel Mut kosten wird“?
Erich Haider: Ein Unternehmen der Daseinsvorsorge muss vorausschauend agieren. Das liegt in unserer DNA und erfordert immer wieder auch Mut und Entschlossenheit. Die Linz AG hat dies zuletzt bei der Entscheidung für mehrere große Dekarbonisierungsprojekte bewiesen. Aktuell arbeiten wir in unserem Energiepark Linz-Mitte mit dem „Wärme-Wandler“ und der neuen Fernkältezentrale samt „Klimatunnel“ gleich an zwei Großprojekten. Damit wird es uns gelingen, speziell unsere Energieerzeugung noch nachhaltiger zu gestalten als bisher. Ein anderes Beispiel für Mut und Konsequenz ist die E-Mobilität mit ihrer inzwischen 15-jährigen Geschichte im Unternehmen. Die Linz AG hat sich früh zur E-Mobilität bekannt und entsprechend pionierhaft in den Ausbau von Ladeinfrastruktur und -komfort investiert. Generell ist es mir wichtig, zu betonen, dass die Entscheidungen der Linz AG bei aller Entschlossenheit immer von entsprechend um- und vorsichtiger Planung geprägt sind. Das oberste Gebot ist die Versorgungssicherheit von 400.000 Menschen und vielen Betrieben.
Wenn Sie es einem sechsjährigen Kind erklären müssten: Wie sieht die Energiezukunft der Linz AG aus?
Erich Haider: Die Energiezukunft der Linz AG ist in jedem Fall freundlich zu den Menschen, Tieren und Pflanzen in unserer Stadt, und sie trägt dazu bei, dass wir alle gern hier leben wollen und werden. Auch noch dann, wenn die Kinder von heute längst erwachsen sind und selbst Kinder haben. In Zukunft wird es möglich sein, die Energie, die im Sommer zum Beispiel mit Hilfe der Sonne erzeugt wird, in großen Mengen aufzubewahren und im Winter fürs Heizen zu nutzen. Ich lade die Sechsjährigen heute schon ein, die Linz AG im Auge zu behalten. Und wer weiß, vielleicht wird die oder der eine von ihnen die Energiezukunft eines Tages mitgestalten.
Grünfassaden, Parks, Schutzwände: Jedes Bauwerk sendet auch eine Botschaft. Welche Botschaft soll Ihre Architektur nach außen tragen?
Erich Haider: Wenn Sie sich unsere jüngsten großen Bauprojekte – den Hafenpark und die energieautarken Lagerhallen im Hafen, den Hochwasserschutz im Handelshafen oder das neue Netzgebäude mit Photovoltaik- und Grünfassade – ansehen, ist die Botschaft klar: Die Linz AG nimmt die Transformation für morgen auch hier sehr ernst. Wobei es dabei weniger um die Botschaft als um die tatsächliche Wirkung geht. Das gilt für den Hochwasserschutz als Instrument der Klimaanpassung genauso wie für die kühlende Grünfassade des IT- und Data Centers im neuen Netzgebäude.
Beim „Re_use_Linz“-Kongress, den Sie mitveranstalten, geht es um Kreislaufwirtschaft im Bau. Was glauben Sie: Wird in 20 Jahren noch abgerissen oder nur noch umgebaut?
Erich Haider: In der Kreislaufwirtschaft liegt enorm viel Potential. Das gilt auch für die Bauwirtschaft. So wird bereits heute bei unvermeidbaren Abrissprojekten sehr auf Wiederverwertung geachtet und auf den bestmöglichen Erhalt von vorhandener Bausubstanz. Der „Re_use_Linz“-Kongress widmet sich diesem Thema und die Linz AG ist hier gern als Mitveranstalterin und beispielgebend an Bord. Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung ist es gelungen, einen neuen nachhaltigen Baustoff zu entwickeln. Er gilt als genormt und kann für die Betonerzeugung verwendet werden. Bei dieser nachhaltigen Baustoffentwicklung spielt die Asche aus der Abfallverwertung im Reststoffheizkraftwerk eine wichtige Rolle, was wiederum zeigt, dass Kreislaufwirtschaft eines der ganz großen Zukunftsthemen ist.
Nachhaltigkeit gelingt nur im Zusammenspiel. Wenn Sie einen Traumpartner frei wählen könnten – Stadtplaner, Startup, Uni oder Künstler –, wer würde die Linz AG ideal ergänzen?
Erich Haider: Bei Nachhaltigkeit ist es wichtig, dass nach Möglichkeit alle Kräfte zusammenwirken. Es wird in einzelnen Projekten immer so etwas wie ein perfektes Match geben; in Summe braucht es die Zusammenarbeit auf vielen beziehungsweise allen Ebenen. Ich bin überzeugt, dass Kooperation und respektvolles Miteinander die Basis für die erfolgreiche Gestaltung unserer Zukunft sind.
Wenn Sie an das Jahr 2040 denken: Welche Schlagzeile über das Unternehmen würden Sie am liebsten ausschneiden, rahmen und in Ihr Büro hängen?
Erich Haider: „Die Linz AG sagt Danke für 40 Jahre Vertrauen, Zusammenarbeit und Einsatz für eine gute Zukunft. Darauf kann man bauen!“_
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Robert Maybach;
LinzAG / Fotokerschi