Ein Vierteljahrhundert Innovation
Während auf der Welt viel über Quantentechnologien philosophiert wird, macht Oberösterreich sie bereits marktreif. Während andere über Diversität diskutieren, wird sie hier gelebt – im Labor, am Schreibtisch, am (Quanten-)Rechner. Zum 25. Jubiläum der Upper Austrian Research wird klar: Die spannendsten Innovationen entstehen nicht trotz, sondern wegen unterschiedlicher Perspektiven.
Sie könnte die Heldin eines Science-Fiction-Romans sein: Latifeh Nasseri entwickelt im Labor Klebstoffe der Zukunft. In Zeiten, in denen andere noch davon träumen, nachhaltiger zu leben, schafft die junge Forscherin bei Wood K plus konkrete Lösungen – Klebesysteme aus nachwachsenden Rohstoffen, die Holzbau revolutionieren und fossile Materialien ersetzen könnten. Ihre Arbeit ist interdisziplinär, ihre Perspektive einzigartig. Aufgewachsen im Iran, geformt durch internationale Studienerfahrungen, bringt sie in eine von Männern dominierte Branche genau das ein, was Innovation braucht: einen anderen Blick auf die Dinge.
Als die Upper Austrian Research (UAR) Anfang Oktober ihr 25-jähriges Bestehen feierte, stand Nasseri im Mittelpunkt – gemeinsam mit dreizehn weiteren Forschenden aus dem UAR Innovation Network, die beim ersten „diversity4innovation“-Award nominiert waren. Ein Public Voting mit tausenden Stimmen entschied: Nasseri gewann. Und das ist mehr als eine persönliche Auszeichnung. Es ist ein Statement.
Wenn Quantenpower auf Diversity trifft
hätte nicht besser zum UAR-Jubiläum passen können. Während in der Kepler Hall die Quantentechnologie als „nächster Innovationsschub“ gefeiert wurde, wurde an diesem Abend deutlich: Die wirkliche Revolution beginnt nicht in den Quantentechnologien selbst –
sondern in den Köpfen derer, die sie entwickeln.
Das UAR Innovation Network hat die strategische Bedeutung dieser Zukunftstechnologie früh erkannt und treibt den Kompetenzaufbau gezielt voran. Mit Fokus auf Quantum Machine Learning, Quantenelektronik und Quantensensorik bringt das Netzwerk diese Ansätze aus dem Labor in die Anwendung. Das klingt nach ferner Zukunft, ist aber bereits Gegenwart: So läuft bereits ein Prototyp auf einem realen Quantencomputer – zur Optimierung der Produktionsnetzwerksplanung der Feuerverzinkungsanlagen bei der voestalpine im Stahlwerk Linz – entwickelt mit SCCH.
Was nach technischem Detail klingt, birgt großes Potential: Quantencomputer können Simulationen, Optimierungen und Zeitreihenvorhersagen bewältigen, an denen konventionelle Systeme scheitern. Für Energieprognosen, Mobilitätssteuerung, Logistikplanung – überall dort, wo Komplexität herrscht, werden sie zum Game Changer. SCCH aus dem UAR Innovation Network bietet Unternehmen niederschwelligen Zugang zu dieser Technologie und begleitet sie auf dem Weg zur „Quantum Readiness“. Ab 2026 startet SCCH mit dem COMET-Modul „Quantum Algorithm Engineering“ im Volumen von 3,75 Millionen Euro ein neues ambitioniertes Projekt. Ein klares Signal, dass Oberösterreich im Quantenzeitalter ganz vorne mitspielen will.
Vielfalt als Innovationsmotor
Doch während das UAR Innovation Network mit Quantenpower für Schlagzeilen sorgt, vollzieht sich im Hintergrund eine ebenso bedeutsame Transformation. Mit dem „diversity4innovation“-Award hat die Forschungsleitgesellschaft erstmals eine Auszeichnung geschaffen, die explizit Forschende würdigt, die Diversität leben und fördern.
Tausende Menschen beteiligten sich am öffentlichen Onlinevoting – ein Zeichen, dass Vielfalt in der Forschung kein Nischenthema ist, sondern gesellschaftlich relevant. Neben Siegerin Latifeh Nasseri wurden Hamideh Hassanpour (K1-MET) und Mahin Ahmed (Silicon Austria Labs) auf die vorderen Plätze gewählt – alle drei Frauen mit internationaler Biografie, alle drei in technischen Disziplinen, alle drei überzeugt: Vielfalt ist der Schlüssel zu besserer Forschung. Studien belegen, dass diverse Teams nicht nur innovativer sind, sondern auch wirtschaftlich erfolgreicher. Im UAR Innovation Network arbeiten mittlerweile deutlich mehr Wissenschaftlerinnen als noch vor wenigen Jahren – Tendenz steigend.
Den Publikumspreis holte Klarissa Meirer von RECENDT, die sich besonders für MINT-Nachwuchs engagiert. Als einzige Frau in ihrer Forschungsgruppe trainiert sie bei der Technikrallye junge Mädchen in Mechatronik und Elektronik. „Wertschätzung und unterschiedliche Perspektiven führen zu den besten Lösungen“, sagt sie. Eine Erkenntnis, die auch Hamideh Hassanpour teilt: „Wenn unterschiedliche Kulturen und Perspektiven aufeinandertreffen, entstehen nicht nur starke Teams, sondern auch exzellente Forschung.“
Von der Vision zur Wirkung
Was den „diversity4innovation“-Award und die Quantentechnologieoffensive verbindet, ist mehr als zeitliche Überschneidung. Es ist strategische Notwendigkeit. Die Herausforderungen, vor denen Industrie und Gesellschaft stehen – Klimakrise, Digitalisierung, Ressourcenknappheit –, lassen sich nicht mit Denkmustern von gestern lösen. Sie brauchen neue Perspektiven, interdisziplinäre Ansätze und den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen. „Innovation ist ein zentraler Treiber für einen Wirtschaftsstandort wie Oberösterreich“, betont Landesrat Markus Achleitner bei der Jubiläumsfeier. Doch Innovation entsteht nicht im luftleeren Raum. Sie braucht Strukturen, Netzwerke, Ressourcen – und Menschen, die bereit sind, Neuland zu betreten. Menschen wie Mahin Ahmed von Silicon Austria Labs, die in ihrer internationalen 5G-Forschung beweist, dass zukunftssichere Innovation nicht nur durch Geschlechtervielfalt, sondern vor allem durch Vielfalt im Denken entsteht.
Die UAR hat in 25 Jahren eine beeindruckende Entwicklung genommen: von der operativen Forschungseinheit zur Leitgesellschaft für Forschung des Landes Oberösterreich. Mit 10 Beteiligungsgesellschaften, über 1.100 Mitarbeitenden und einer Betriebsleistung von 147 Millionen Euro in der UAR-Gruppe ist sie zum Motor der oberösterreichischen Innovationslandschaft geworden. Mehr noch: Mit elf COMET-Zentren von insgesamt 16 Forschungszentren im Netzwerk zählt Oberösterreich zu den erfolgreichsten Forschungsstandorten Österreichs – mit starker Innovationsachse zur Steiermark.
Ein Quantum Zukunft
„Unser 25-jähriges Jubiläum fällt in das Internationale Jahr der Quantentechnologie – ein starkes Symbol“, resümiert UAR-Geschäftsführer Wilfried Enzenhofer. Tatsächlich könnte das Timing nicht besser sein. Die Welt diskutiert über Quantentechnologien als Zukunftstechnologie, Oberösterreich schafft bereits Fakten. Mit Projekten wie QuantumReady und dem COMET-Modul QAE in der Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen der Quantenbranche entsteht ein Ökosystem, das Quantentechnologie aus dem Labor in die industrielle Anwendung bringt.
Gleichzeitig sendet der „diversity4innovation“-Award ein Signal, das über Oberösterreich hinausreicht: Exzellente Forschung und gelebte Vielfalt gehören zusammen. Sie sind kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Medaille. Oder, wie Latifeh Nasseri es ausdrückt: „Vielfalt ist der Schlüssel zu Innovation und Teamstärke.“
25 Jahre UAR – das ist nicht nur eine Erfolgsgeschichte. Es ist, wie Landeshauptmann Thomas Stelzer sagt, vor allem „eine Zukunftsgeschichte“. Eine Geschichte, in der Quantenpower und Diversität keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig verstärken. In der Technologie von morgen von Menschen entwickelt wird, die heute anders denken. In der Oberösterreich beweist: Die Zukunft entsteht dort, wo Innovation auf Vielfalt trifft._
#Facts, facts, facts über die UAR und das UAR Innovation Network
#10 UAR-Forschungsbeteiligungen
#1.137 Mitarbeitende in der UAR-Gruppe
#147 Millionen Euro Betriebsleistung 2024
#1.388 Partnerschaften – davon zwei Drittel aus der Wirtschaft
#850 Firmenpartnerschaften bei direkten UAR-Beteiligungen
#1.329 akademische Arbeiten und Publikationen
#420 Patente und Lizenzen
#16 Spitzenforschungszentren insgesamt im UAR Innovation Network
#11 von 16 Zentren sind COMET-Zentren mit internationaler Spitzenposition
#61 Millionen Euro COMET-Bundesfördermittel fließen aktuell ins UAR Innovation Network
#30 Millionen Euro aus dem EU-Horizon-Europe-Programm nach OÖ geholt
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Cityfoto /
Wolfgang Simlinger