Sicherheit wird zum Wachstumsmotor
Europa investiert Milliarden in Sicherheit und Verteidigung und Oberösterreich könnte zu den großen Gewinnern dieser neuen Industrieära zählen. Eine aktuelle ASCII-Analyse zeigt, warum gerade heimische Unternehmen jetzt beste Chancen haben, sich als unverzichtbare Partner in europäischen Lieferketten zu positionieren.
Die geopolitische Lage verändert nicht nur Europas Sicherheitsstrategie, sondern auch die industrielle Landkarte. Bis 2030 sollen EU-weit rund 800 Milliarden Euro in Verteidigung und Sicherheit fließen. Für Oberösterreich eröffnet das ein enormes wirtschaftliches Potential, nicht als Produzent kompletter Waffensysteme, sondern als hochspezialisierter Technologie- und Fertigungsstandort. Die aktuelle Analyse des Lieferketten-Forschungsinstituts ASCII zeichnet dabei ein klares Bild: Gefragt sind künftig vor allem Produktionskapazitäten, resiliente Lieferketten und Unternehmen, die komplexe industrielle Prozesse schnell skalieren können. Genau hier liegt die Stärke Oberösterreichs.
Maschinenbau, Automotive, Luftfahrt, Elektronik oder industrielle Skalierung: Viele jener Kompetenzen, die Oberösterreich seit Jahren prägen, werden nun zu strategischen Schlüsselfaktoren in Europa. Der Fokus liegt dabei auf sogenannten Dual-Use-Technologien, also Anwendungen mit ziviler und sicherheitsrelevanter Nutzung. „Das neue europäische Sicherheitsumfeld verändert die Spielregeln. Mit steigenden Ausgaben im Sicherheitsbereich in Europa entsteht ein langfristiger Investitionsrahmen, von dem heimische Zulieferer profitieren können“, erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer. Besonders gefragt sind künftig Präzisionsfertigung, Sensorik, Elektronik, Werkstofftechnologien, industrielle IT oder eingebettete Software. Die Analyse sieht Oberösterreich hier als industrielles Rückgrat Europas, weniger bei Endprodukten, sondern bei Komponenten, Integration, Prüfverfahren und skalierbarer Fertigung.
Europas Lieferketten im Wandel
Die Studie geht davon aus, dass der aktuelle Nachfrageboom kein kurzfristiger Trend bleibt. Vielmehr deuten politische und industrielle Entwicklungen auf ein dauerhaft höheres Investitionsniveau hin, und zwar weit über 2030 hinaus.„Oberösterreich verfügt über Know-how in der industriellen Fertigung, in Mobilitätslösungen, Elektronik und in der Skalierung von Produktion. Das ist ein klarer Standortvorteil“, betont Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner. Besonders interessant: Nicht nur große Industriebetriebe könnten profitieren. Gerade kleine und mittlere Unternehmen haben laut Analyse gute Chancen, sich als Tier-1- oder Tier-2-Zulieferer in europäischen Wertschöpfungsketten zu etablieren. Die steigenden Investitionen des österreichischen Verteidigungsministeriums – von unter einer Milliarde Euro im Jahr 2023 auf rund vier Milliarden Euro jährlich bis 2029 – könnten zusätzliche Impulse liefern.
Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, wie sich europäische Sicherheits- und Verteidigungsinitiativen mit den Fähigkeiten oberösterreichischer Unternehmen verbinden lassen. Dabei analysierte ASCII industrielle Engpässe, technologische Anforderungen und internationale Wertschöpfungsketten. „In der Veränderung liegt die Chance und Chance braucht eine belastbare Basis. Die aktuelle Analyse des Supply Chain Intelligence Institute Austria ASCII bietet genau diese“, erläutert ASCII-Vizepräsident Franz Staberhofer. Laut der Studie verschiebt sich die Nachfrage zunehmend weg von kurzfristigen Beschaffungszyklen hin zu langfristigen Produktions- und Technologiesystemen. Genau dadurch entstehen neue Einstiegsmöglichkeiten für spezialisierte Zulieferer. „Gerade diese Engpässe eröffnen signifikante Einstiegschancen für Unternehmen“, so Staberhofer. Die Analyse zeigt außerdem, dass Oberösterreich besonders bei Präzisionsfertigung, Elektronikintegration, Sensorik, eingebetteter Software sowie industrieller Skalierung über hohe Anschlussfähigkeit an internationale Liefernetzwerke verfügt.
Netzwerk für neue Märkte
Viele bestehende Kompetenzen lassen sich direkt übertragen: Fahrzeugtechnik, Logistik-IT, Telematik, Kühlsysteme, Automatisierung oder robuste Elektroniklösungen gelten zunehmend als essenziell für moderne Sicherheits- und Infrastrukturprojekte. Hinzu kommt ein wachsender Bedarf an digitalen Lösungen. Gefragt sind weniger klassische Hardwareproduktionen als vielmehr sichere Systeme, digitale Resilienz und intelligente Integration. Gerade hier verfügen viele oberösterreichische Unternehmen bereits über jahrelange Erfahrung. „Die Analyse des Supply Chain Intelligence Institute Austria ASCII unterstreicht einmal mehr, dass Sicherheit auch eine wirtschaftliche Frage ist. Die europäische Investitionsoffensive im Sicherheits- und Verteidigungssektor ist eine Chance, die Unternehmen in Oberösterreich und damit den Standort zu stärken. Es werden so Arbeitsplätze und Wertschöpfung geschaffen und der Wohlstand der Menschen gesichert“, hebt Thomas Stelzer hervor.
Mit der „Sicherheits-Allianz OÖ“ will das Land nun gezielt Wirtschaft, Forschung und öffentliche Institutionen vernetzen. Unterstützt werden sollen Unternehmen dabei, neue Marktchancen zu identifizieren und sich in internationale Lieferketten einzubinden. Ein zentrales Instrument dafür wird das neue Programm „Roadmap2Security“, das noch heuer startet. Im Fokus stehen vor allem KMU und Technologieunternehmen mit Dual-Use-Potential. „Wir wollen unsere Betriebe ganz gezielt unterstützen, neue Märkte zu erreichen und sich als verlässliche Zulieferer in internationalen Lieferketten zu positionieren“, so Markus Achleitner. Die zentrale Botschaft der Analyse ist klar: Europas Sicherheitswende könnte für Oberösterreich weit mehr sein als ein kurzfristiger Konjunkturimpuls. Sie könnte zum nächsten großen industriellen Wachstumskapitel werden.
Redaktion
- Melanie Kashofer
Fotos
Land OÖ / Max Mayrhofer