Staffelübergabe in der Personalleitung
Im AMS Oberösterreich wird derzeit ein bedeutender Führungswechsel vorbereitet: Edith Weickl, seit fünfzehn Jahren Leiterin der Personalabteilung und insgesamt 35 Jahre im Haus, geht im März in Pension. Ihre Nachfolgerin, Johanna Gierlinger, übernimmt ihre Tätigkeit nach einer mehrmonatigen, sorgfältig geplanten Übergangsphase. Es ist ein Generationenwechsel, der zeigt, wie professionell das AMS Wissen sichert und Verantwortung übergibt.
Das Interview in der Linzer Landesgeschäftsstelle findet in hybrider Form statt: Edith Weickl sitzt im Besprechungsraum, während Johanna Gierlinger aufgrund eines Unfalls digital zugeschaltet ist. Die Situation steht unaufgeregt für das, was auch inhaltlich passiert: eine Verbindung aus langjähriger Erfahrung und neuen Perspektiven.
„Ich bin 1990 in die Arbeitsmarktverwaltung eingestiegen – damals noch als Beamtin“, erinnert sich Weickl. 1994 entstand daraus das AMS in seiner heutigen Form: mit neuer Rechtsstruktur, eigenem Vorstand und einem modernen Kollektivvertrag. In den folgenden Jahren erfüllte sie unterschiedliche Funktionen, bevor sie die Personalleitung übernahm – und diese nachhaltig prägte.
Unter ihrer Führung wurden HR-Prozesse modernisiert, ein kompetenzorientiertes Personalmanagement eingeführt und eine Führungskultur etabliert, die auf Entwicklung, Verantwortungsübernahme und Zusammenarbeit setzt. „Vieles, was heute selbstverständlich ist, hat sich über viele Jahre entwickelt“, sagt die langjährige Personalleiterin. „Es war eine intensive, sehr prägende Zeit.“
Das Herzstück einer Organisation
Rund 950 Mitarbeitende arbeiten im AMS Oberösterreich, etwa 70 Prozent davon Frauen. Das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter von etwa 45 Jahren hängt auch damit zusammen, dass viele Mitarbeitende bereits in der früheren Verwaltungsstruktur tätig waren und dem Haus über Jahrzehnte treu geblieben sind.
„Die Personalabteilung ist das Herzstück unserer Organisation“, sagt Johanna Gierlinger. „Hier schaffen wir die Rahmenbedingungen dafür, wie Teams zusammenarbeiten, wie Kompetenzen gestärkt werden und wie wir unseren Auftrag erfüllen können.“ Gierlinger war zuvor im Fördermanagement tätig und zuletzt Gleichstellungsbeauftragte. Ihre Bestellung zur Personalleitung erfolgte im Rahmen eines regulären Auswahlverfahrens, in dem sie mit ihrer fachlichen Qualifikation und persönlichen Eignung überzeugte.
Führung entwickeln – Eignung entscheidet
„Wir unterstützen Mitarbeitende dabei, sich für Führungsaufgaben zu qualifizieren“, erklärt Edith Weickl, „aber selbstverständlich gilt: Jede Führungsposition wird nach klar definierten Kompetenzanforderungen besetzt.“ Das AMS OÖ bietet dafür unterschiedliche Formate – Hospitationen, Qualifizierungen und die Teilnahme an Gremien als Gast. Diese Angebote sollen Einblicke ermöglichen und Entwicklungswege öffnen, sind aber nicht ausschlaggebend für eine Besetzung. Auch die 44-jährige Johanna Gierlinger hat solche Möglichkeiten genutzt – eine Ergänzung, aber kein entscheidendes Kriterium.
Eine Übergabe mit Qualität
Die Übergangsphase zwischen den beiden Leiterinnen ist ungewöhnlich lang – rund ein halbes Jahr. „Das gibt uns die Möglichkeit, Themen strukturiert zu übergeben und klare Abläufe sicherzustellen“, so Johanna Gierlinger. Sie begleitet ihre Vorgängerin in Sitzungen, übernimmt erste Schulungen und wächst schrittweise in die neue Verantwortung hinein. „Es ist ein großer Vorteil, nicht abrupt starten zu müssen.“
Sinn, Stabilität, Solidarität
Die Arbeit im AMS ist anspruchsvoll. Viele Kundinnen und Kunden befinden sich in belastenden Lebenslagen, was hohe soziale Kompetenz und emotionale Stabilität erfordert. Deshalb investiert das AMS stark in Qualifizierung: Grundausbildung, regelmäßige Weiterbildung, Supervision und ein umfassendes Gesundheitsangebot – vielfach ausgezeichnet. „Wir alle leisten einen sehr sinnvollen Beitrag“, ist Weickl überzeugt. „Arbeit spielt in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle, und wir unterstützen Menschen in sehr herausfordernden Situationen.“
Neue Impulse, alte Werte
Für Johanna Gierlinger beginnt nun ein neuer Abschnitt – mit klaren Zielen: Erstens, die Digitalisierung stärker zu nutzen: „Es geht darum, Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten – für Mitarbeitende wie für Führungskräfte.“
Zweitens, das Wissensmanagement systematisch zu verankern: „Wir haben viele Kolleginnen und Kollegen mit jahrzehntelanger Erfahrung. Dieses Wissen müssen wir sichern und Übergänge gut gestalten.“
Ihre Vision: Personalarbeit, die moderne Standards erfüllt, die Organisation stärkt und gleichzeitig den gesellschaftlichen Auftrag des AMS nach innen und außen sichtbar macht.
Ein Vermächtnis in guten Händen
Edith blickt dem Wechsel mit Zuversicht entgegen. „Ich weiß, dass Johanna ihre eigenen Schwerpunkte setzen wird, und das ist gut so. Eine Organisation lebt davon, dass Menschen sie weiterentwickeln.“ Johanna ergänzt: „Ich bringe einen anderen Zugang mit, und damit wird sich etwas verändern. Gleichzeitig ist es mir wichtig, die Grundhaltung und Werte weiterzuführen, die Edith aufgebaut hat.“ Der Führungswechsel im AMS Oberösterreich zeigt: Professionelle Personalentwicklung bedeutet, Bewährtes zu sichern und gleichzeitig Raum für Neues zu schaffen._
Redaktion
- Zofia Wegrzecka
Fotos
Antje Wolm
