
Karrieremesse – Here we go!
Bewerbungen schreiben, Formulare ausfüllen, auf Antworten warten – der Bewerbungsprozess kann langwierig und frustrierend sein. Doch es gibt eine Abkürzung: Karrieremessen! Sie bieten Bewerberinnen und Bewerbern die Chance, Unternehmen persönlich kennenzulernen, sich direkt über Jobmöglichkeiten zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen. Wie Unternehmen von einer Teilnahme profitieren, welche Erwartungen Besucherinnen und Besucher haben und welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte – Heike Schreiner, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center, gibt spannende Einblicke in die Welt der Karriereevents.
Versetzen wir uns kurz in Bewerber und Bewerberinnen: Das Absenden von Bewerbungen, vor allem das Befüllen der Online-Bewerbungsportale, ist aufwendig. Die Anzahl an Bewerbungen zum Jobeinstieg nimmt seit Jahren ab, zuletzt hat zum Beispiel eine WU-Studentin zwischen 5 und 8 Bewerbungen abgeschickt, um nach dem Studium in den Job einzusteigen. Bei Technikern waren es noch weniger!
Veranstaltungen, die ein persönliches Kennenlernen von Arbeitgebern ermöglichen, stellen eine Abkürzung zum Job dar. Beim persönlichen Gespräch wird schnell klar, ob sich Werte der beiden Gesprächspartner treffen, ob mitgebrachte Skills gesucht werden, ob für das Ausbildungsprofil passende Angebote im Unternehmen warten. In einer Welt, die so viele Antworten zulässt – Stichwort Google –, wird es zudem immer wichtiger, eine Möglichkeit zu haben, live und direkt selbst Informationen zu filtern.
Heike Schreiner, Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center, Veranstalter der Career Calling, gibt Einblicke in die Benefits von Karriereevents.
Welche Benefits haben Unternehmen durch eine Teilnahme an einem Karriereevent?
Heike Schreiner: Auch wenn Veränderungen im Bewerbungs- bzw. Recruitingprozess an der Tagesordnung stehen, so ist eines unverändert: Für Bewerbende eröffnet sich mit dem Blick auf den potenziellen Arbeitsmarkt ein Dschungel an Arbeitgebern, Jobs, Möglichkeiten. Und gleichsam wird die Wahrnehmung immer selektiver: Selbst gesetzte Filter und durch Algorithmen gesteuerte Werbung lassen Bewerberinnen und Bewerber eine reduzierte Anzahl an potenziellen Arbeitgebern ins Mindset. Waren es vor zehn Jahren noch acht bis zehn Unternehmen, an die Studierende als potenzielle Arbeitgeber gedacht haben, sind es heute nur noch vier bis sechs. Bei einem Karriereevent befinden sich alle Angebote auf einem Platz und man hat die Möglichkeit Unternehmen zu entdecken, die man vorab vielleicht noch nicht im Kopf hatten.
Worum geht es in der Regel: um Recruiting oder Branding?
Heike Schreiner: Als Veranstalter einer Karrieremesse geht es uns vor allem darum, persönliche Kontakte zu ermöglichen. Im besten Fall kommt es natürlich zum Recruiting und nicht nur zum Employer-Branding.
Der Recruitingprozess von heute verlangt mehr Schritte. Und das wird von den Bewerbenden oft als hinderlich empfunden. Der Zwischenschritt über ein Bewerbungsportal wird meist als Bruch in der Kontaktaufnahme gesehen. Hier kann man durch eine gute „Candidate-Journey“ sowohl im Recruiting als auch im Employer-Branding punkten.
Welche Karrieremesse ist die richtige?
Heike Schreiner: Bei der Fülle an Angeboten ist es wichtig, die passende Karrieremesse auszuwählen und Budgets sinnvoll zu investieren. Auch wenn anhand der KPIs der Vergleich von Messen sehr einfach scheint, so darf man sich ruhig ein bisschen subjektiv beeinflussen lassen: Welche Zielgruppe möchten wir treffen? Möchten wir uns an einer Universität präsentieren oder in einem professionellen Messeumfeld? Möchten wir studentisches Laufpublikum treffen oder Studierende und Absolventinnen erreichen, die geplant den Weg auf eine Karrieremesse auf sich nehmen? Und überhaupt darf man einen Blick auf die Veranstalter der Karriere-Events werfen. An vielen österreichischen Unis gibt es Career Center, die professionell und unmittelbar Karrieremessen veranstalten. Regional gibt es oft Kooperationen von Unis, wodurch effizient eine große Zielgruppe erreicht werden kann.
Mit welchen Erwartungen kommen die Besucherinnen und Besucher?
Heike Schreiner: Mit den verschiedensten! Wer aktuell auf Jobsuche ist, nutzt ein Karriereevent, um konkrete Gespräche zu führen. Ein Drittel nutzt Karriereevents, um sich über aktuelle Entwicklungen und neue Arbeitgeber zu informieren. Ein Teil der Besucher folgt unserem Rat und kommt bereits sehr früh im Studium auf den Event, um Kontakte aufzubauen und die Weichen im Studium für den richtigen Job zu stellen.
Wie kann ein Unternehmen das Beste aus dem Karriereevent herausholen?
Heike Schreiner: Indem es sich auf genau diese drei Zielgruppen vorbereitet. Für die Jobsuchenden kann man eine Jobwall am Messestand vorbereiten. Für alle anderen gilt es, offene, positive Kollegen und Kolleginnen an den Stand zu holen, die gerne mit jungen Menschen interagieren und das Unternehmen und die Recruitingprozesse gut kennen. Das Team am Messestand ist der Erfolgsfaktor!
Welche No-Gos gibt es?
Heike Schreiner: Der Verweis auf die Karrierewebsite ist für Bewerberinnen und Bewerber ein No-Go. Denn diese finden sie auch ohne Empfehlung. Und dann sind es noch Kleinigkeiten: Mitarbeitende, die sich am Messestand miteinander unterhalten, anstatt auf die Besucherschaft zuzugehen, oder die keine Informationen über die Bewerbungswege haben. Der Schlüssel für den Erfolg ist das Team vor Ort. Wir wissen, wie viel Personaleinsatz so eine Messe bedarf, aber die richtige Besetzung des Messe-Teams ist essenziell.
INFOBOX
Heike Schreiner ist Geschäftsführerin des WU ZBP Career Center, Veranstalter der Career Calling, Österreichs größter Karrieremesse für Studentinnen und Absolventen, die heuer am 15. Oktober in der VIECON/Messe Wien stattfindet, und Mitveranstalter der Langen Nacht der Unternehmen, die jährlich im April stattfindet.
Als Aussteller am 15.10. bei der Career Calling dabei sein und mit Studierenden und Absolvent:innen in Kontakt kommen?
Hier gibt es alle Infos: Career Calling LIVE + ONLINE .::. Career Calling – Aussteller
Redaktion
- WU ZBP Career Center
Fotos
Alexander Kagan