Die Jungen sind faul, die Alten unflexibel?

# Mythos_Die Jungen sind faul und wollen nicht mehr arbeiten!

Babyboomer, Generation X, Y und Z. Bis zu vier Generationen tummeln sich aktuell am Arbeitsmarkt. „Generationenkonflikte entstehen meistens dadurch, dass sich die Unternehmen viel zu wenig auf die Besonderheiten der Generationen einstellen“, sagt Christian Scholz, Professor an der Universität des Saarlandes, der sich als einer der Ersten mit dem Einfluss der Generationen Y und Z auf die Arbeitswelt befasst hat. Jede Generation ist laut HR-Expertin Nele Kreyßig ein Produkt der Zeit, in der sie aufgewachsen ist, und hat dementsprechend andere Grundvoraussetzungen und Ansprüche: „Wenn man das versteht, dann wirft man auch nicht mehr mit Vorurteilen wie ‚Die Jungen sind faul und wollen nicht mehr arbeiten und den Älteren fehlt es an Flexibilität’ um sich.“ Kreyßig ist Business Trainerin sowie Geschäftsführerin des HRperformance Instituts in Freiburg und gewann mit ihrem Thema über generationenübergreifende Zusammenarbeit den Internationalen Speaker Slam 2018 in München.

Unternehmen müssten für einen Kompetenzmix auf jüngere und ältere Mitarbeiter setzen, im Idealfall tauschen sich diese mit ihren unterschiedlichen Stärken und Schwächen aus und teilen ihr unterschiedliches Wissen. Um die generationenübergreifende Zusammenarbeit zu fördern, rät Kreyßig, dass Vorgesetzte gegenüber der Belegschaft immer wieder die Wichtigkeit der Vielfalt betonen und ihre Mitarbeiter regelmäßig fragen sollten, welche Rahmenbedingungen sie brauchen, um Spitzenleistungen erbringen zu können: „Es geht niemals darum, es einer bestimmten Generation schön zu machen. Führungskräfte müssen dafür sorgen, dass es Rahmenbedingungen gibt, die für alle passen.“ Das Fördern von generationenübergreifender Zusammenarbeit sei nicht mit einem Teammeeting erledigt, das sei ein ständiger Prozess, der von der obersten Geschäftsführungsebene aus als ein Teil der Unternehmensstrategie gelebt werden müsse.

Babyboomer (1946 – 1964)_Diese Generation ist in einer sich wirtschaftlich gut entwickelnden Zeit aufgewachsen, durch die aufkommenden Karrieremöglichkeiten haben sich die Babyboomer laut Kreyßig schnell hohe Ziele stecken können. Während die Generationen davor noch durch die Weltkriege geprägt waren, herrschte nun Stabilität und damit gab es optimale Bedingungen, um Karriere zu machen. Ein starker Wettbewerbsgedanke kam auf, man wollte sich durch harte Arbeit von den anderen abheben.

Generation X (1965 – 1979)_Die erste Generation, die mit Digitalisierung konfrontiert wurde. Während davor Wohlstand und Sicherheit herrschten, spürte X laut Kreyßig die ersten weltwirtschaftlichen Unsicherheiten. Es fiel erstmals auf, dass bisher für die Karriere viel Freizeit geopfert worden war und man begann, die Arbeit eher als Mittel zum Zweck zu betrachten.

Generation Y (1980 – 1995)_Die Menschen waren plötzlich mit Terrorismus in einer ganz neuen Art konfrontiert, 9/11 war laut Kreyßig für Y ein ganz prägendes Ereignis. Die Medien konfrontierten die Leute damit auf allen möglichen Kanälen, den Leuten schwappte eine Informationsflut entgegen. Die Stabilität wich der Unsicherheit. Y reagierte dementsprechend darauf, beschreibt Kreyßig deren Gedankengang: „Weil ich nicht weiß, ob nicht schon morgen ein Flugzeug in mein Gebäude fliegt, ich aber nur das eine Leben habe, gestalte ich mir dieses schön. Ich will eine sinnstiftende Arbeit, die mir Freude und Spaß bereitet.“ Arbeit wird plötzlich stärker als Lebenszeit wahrgenommen, man will nicht mehr um jeden Preis Karriere machen. Die häufig zugeschriebene geringere Arbeitsmotivation könne man ganz konkret erklären: Die Babyboomer opferten sich für ihren Job auf, jetzt erleben die Kinder, wie ihre Eltern mit Herzinfarkt zusammenbrechen.

Generation Z (ab ca. 1990/1996)_Die Abgrenzung zur Vorgängergeneration ist laut Kreyßig noch nicht ganz klar, da die Z noch nicht so lange in der Arbeitswelt ist. Diese Generation ist erstmals vollständig mit elektronischen Medien aufgewachsen, hat die typische Wischbewegung am Handy und Tablett von klein auf gesehen: „Die gehen noch einmal ganz anders mit den Medien um, virtuelle Freundschaften sind für sie völlig normal. Wenn die jetzt einen Babyboomer als Vorgesetzten bekommen, kann es schon mal zu Irritationen kommen.“

Die Unternehmen hätten laut Professor Scholz die jüngste Generation noch nicht richtig realisiert und würden diese auch völlig falsch interpretieren. Denn die ab den 1990er-Jahren Geborenen würden komplett anders ticken als ihre Vorgänger, verlangen mehr Struktur, Sicherheit und Klarheit, wollen geregelte Arbeitszeiten sowie eine Trennung von Arbeit und Privatleben – alles Dinge, bei denen es aktuell Trends in eine komplett andere Richtung gäbe. Unternehmen hätten das Gefühl, in Zeiten der Digitalisierung die völlige Flexibilisierung zu brauchen, es gehe von Work-Life-Balance zu Work-Life-Blending, Arbeit vermischt sich immer mehr mit dem Privatleben, oder es werden Büros mit weniger Schreibtischen als Mitarbeitern gestaltet, da man davon ausgehe, dass Mitarbeiter von Zuhause arbeiten. Unternehmen werten das Verhalten der Generation Z als nicht leistungsorientiert, unmotiviert und faul: „Das ist aber ein Fehlschluss, sie arbeiten auch motiviert und wollen einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen – nur sehen sie keinen Sinn darin, am freien Sonntag erreichbar zu sein.“

Scholz sieht sich als Betriebswirt sogar ein wenig als Verteidiger der Generation Z: „Wir sollten uns überlegen, warum sie so geworden ist und die Dinge so macht. Das Leben ist kein Wunschkonzert und ich plädiere auf keinen Fall für eine „Generation Ponyhof“, aber viele Z-Forderungen sind vernünftig und auch die anderen Generationen hätten das gerne.“ Man sollte die Arbeitswelt nicht nach den Wünschen der Generation Z umbauen, sondern diese als Sensor und Frühwarnsystem sehen: „Wir haben gelernt, in unserem System zu denken, und sehen neue Dinge nicht mehr so gut.“ Z sieht, dass bei einem berufstätigen Paar mit flexiblen Arbeitszeiten keine vernünftige Zeit mehr für die Partnerschaft bleibt. Großraumbüros würden krank machen und die Kommunikation überhaupt nicht fördern, weil es sehr laut ist und darum viele zur Abschirmung Kopfhörer tragen. Man brauche im Büro keinen Fußballtisch und kein Fitnessstudio – dort gehe man lieber abends mit Freunden hin. Die Generation Z habe einen Sinn für Fairness, lasse sich nicht so extrem stressen und lebe insgesamt gesünder und sei deswegen weniger krank. Die aktuellen politischen Forderungen nach flexibleren Arbeitszeiten würden in Richtung extremes Work-Life-Blending gehen, sodass der Beruf die Privatsphäre immer stärker dominiert: „Ich hoffe, dass sich die Generation Z dem noch entgegenstellt.“

"Wenn Projekte und Aufgaben personen- und generationen-übergreifend besetzt werden, entsteht im Team automatisch ein Kompetenzmix."

Nele KreyßigHR-Expertin

"Viele von dem, was die jüngste Generation fordert, würden die anderen Generationen auch gerne haben."

Christian ScholzWirtschaftswissenschaftler

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