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nicht in Anspruch nehmen. Man wird also dazu 

gedrängt, seine Daten an die Autohersteller abzu-

treten. Und wir sind der Meinung, dass die Auto-

fahrer selbst entscheiden können sollen, wem sie 

ihre Daten geben.

Von welchen Daten sprechen wir hier?

GROSSAUER

_Das Auto kann fast alles spei-

chern, von der Fahrweise und Geschwindigkeits-

übertretungen bis hin zur Anzahl der Mitfahrer. 

Ich möchte keine Ängste schüren, aber natürlich 

gibt es auch die technische Möglichkeit, Innen-

raumgespräche aufzuzeichnen. Das geht sogar 

noch viel weiter. Aus den Lenkbewegungen eines 

Fahrers und seinen Reaktionen kann man etwa 

auf dessen Gesundheitszustand schließen. Durch 

die Verbindung des Smartphones mit der Frei-

sprechanlage hat das Auto außerdem Zugriff auf 

alle E-Mails, Kontakte, SMS und vieles mehr. 

Hier gibt es also erhebliche Datenmengen, die 

Autohersteller abschöpfen könnten. Wir wollen, 

dass das im Sinne der Konsumenten geregelt 

wird. Derzeit gibt es diese Gesetzeslage allerdings 

nicht und deswegen setzen wir uns auf EU-Ebene 

vehement dafür ein.

Und weshalb sollte man dem ÖAMTC 
seine Daten anvertrauen? Schließlich 
haben Sie dieselben Möglichkeiten.

GROSSAUER

_Derzeit haben wir diese Möglich-

keiten nicht, sondern nur die Autohersteller. Es 

sollte jedoch gesetzlich geregelt werden, welche 

Daten für Dienstleistungen, die den Konsumen-

ten etwas bringen, zur Verfügung stehen sollen. 

Aus Umfragen wissen wir, dass der Großteil der 

Österreicher ausgewählte Daten zur Pannenbehe-

bung weitergeben würde. Zudem ist der ÖAMTC 

als unabhängige Institution und gemeinnütziger 

Verein ausschließlich seinen Mitgliedern ver-

pflichtet. Das heißt, es besteht kein wirtschaft-

liches Interesse diese Daten zu verkaufen. Der 

ÖAMTC genießt daher zu Recht ein hohes Ver-

trauen seiner Mitglieder.

Welche Innovationen erwarten uns 
in naher Zukunft noch? Wie sieht 
Pannenhilfe in zehn Jahren aus?

GROSSAUER

_Wir testen derzeit im Linzer 

Raum ein neues Konzept, bei dem wir versuchen 

vorherzusagen, wo die nächsten Pannen auftre-

ten, und unsere Pannenhelfer dementsprechend 

strategisch platzieren. Unsere Pannenhelfer kom-

men also gar nicht mehr zum Stützpunkt zurück, 

sondern positionieren sich nach einem Einsatz 

sofort wieder am nächsten wahrscheinlichen Ein-

satzort. Dadurch werden nicht nur die Anfahrts-

wege kürzer, auch den Mitgliedern kann schneller 

geholfen werden. Zurzeit stützen wir diesen Ver-

such auf die Analyse von Einsatzdaten vergange-

ner Jahre, mittels sogenannter „heat maps“. Dank 

intelligenter Systeme werden wir in Zukunft aber 

noch wesentlich mehr Parameter einfließen las-

sen können und noch viel genauer wissen, wo 

die nächsten Pannen auftreten und welche Ein-

satzmittel wir an welchen Stellen positionieren 

sollen. Dabei können künftig auch Drohnen 

eine Rolle spielen und beispielsweise Ersatzteile 

an den Pannenort liefern – natürlich nur, wenn 

wir die Panne nicht schon im Vorfeld verhindern  

konnten._

Die nächsten Entwicklungsstufen der Pannenhilfe

Der ÖAMTC hat im Herbst 2018 einen österreichweiten Ideathon-Wettbewerb zur Überarbeitung 
seiner Einsatzsteuerung für die Pannenhilfe ausgeschrieben. Das Linzer Unternehmen Mogree 
konnte dabei mit einem User-Experience-Ansatz überzeugen. Aktuell wird die Software einer 
digitalen Frischzellenkur unterzogen.

#2 Fragen an Sulejman Ganibegovic, Head of Digital Strategy bei Mogree

An welchen neuen Features für die Pannenhilfe arbeiten Sie gerade?
GANIBEGOVIC_Im Gegensatz zur bisherigen Lösung erhalten die Pannenfahrer des ÖAMTC mehr 
Autonomie, wobei trotzdem die gut eingelebten Abläufe und Prozessschritte unterstützt werden. 

Die Pannenhelfer-Software wurde dabei technologisch neu konzipiert und so angepasst, dass sie 
unabhängig von bestimmten Devices funktioniert. Aktuell ist die Software nämlich nur auf einem 
bestimmten Laptop-Modell verfügbar. Wenn alles planmäßig läuft, werden wir gemeinsam mit 
dem ÖAMTC gegen Ende des Jahres dann den Roll-out für alle Fahrzeuge starten.

Welche Rolle nimmt Künstliche Intelligenz in der Pannenhilfe der Zukunft ein?
GANIBEGOVIC_Unsere digitale Lösung ist bereits für Erweiterungen in Richtung smarter und 
immersiver Technologien gerüstet. Wir planen für 2021 den Aufbau einer Wissensdatenbank auf 
Basis von Machine Learning, die bei der frühzeitigen Erkennung von Schäden unterstützen wird. 
Dem Pannenfahrer stehen dann Daten aus über einer Million Einsätzen pro Jahr zur Verfügung, 
wodurch er den Mitgliedern noch viel schneller und zielgerichteter helfen kann.