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Welche Position kann Österreich im Kampf 
gegen den Klimawandel einnehmen?

RÜBIG

_Einen großen Hebel gibt es auch bei 

den Rohmaterialien und der Energie. Wir im-

portieren derzeit ungefähr 200 Milliarden Euro 

an Rohmaterialien und 400 Milliarden Euro an 

fossiler Energie in die EU. Es gibt durchaus Mög-

lichkeiten, einige dieser Ressourcen selbst zu pro-

duzieren. Das sind Größenordnungen, die auch 

die Zahlungsbilanzen der EU enorm entlasten 

würden. In diesem Bereich kann Österreich eine 

entscheidende Rolle spielen. In Österreich gibt 

es besonders im Bereich der Energiespeicherung 

enormes Potential – speziell bei der Wasserkraft! 

Hier könnte und muss sich das Land in Zukunft 

noch stärker profilieren. Deshalb lautet mein 

Ruf an die Regierung: grünes Licht für Speicher- 

energie!

Welchen Stellenwert haben Forschung 
und Innovation in der EU? Immerhin hat 
sich der Europäische Rat für Kürzungen 
ausgesprochen …

RÜBIG

_Faktum ist, dass Forschung und Innova-

tion innerhalb Europas sehr hohe Priorität haben 

und die Zusammenarbeit zwischen den National-

staaten ausgesprochen gut funktioniert. Aktuell be-

finden wir uns allerdings in den Verhandlungen für 

das Budget des Forschungsprogramms der nächs-

ten sieben Jahre, des Horizon Europe. Das aktuelle 

Forschungsprogramm, Horizon 2020, läuft Ende 

des Jahres aus und hatte eine finanzielle Grundlage 

von 80 Milliarden Euro. Es hat sich gezeigt, dass 

wir damit nur knapp sieben Prozent der einge-

reichten Forschungsprojekte finanzieren konnten –  

obwohl es noch viele weitere förderungswürdige 

Projekte gegeben hätte. Mehrere volkswirtschaft-

liche Analysen haben gezeigt, dass wir in Europa 

den größten Fortschritt erreichen könnten, wenn 

das Budget für die nächsten sieben Jahre von 80 

auf 160 Milliarden verdoppelt wird. So könnte 

man den größten Effekt auf das Wirtschaftswachs-

tum und die Beschäftigungssituation erzielen. Da 

wir aber auch Realisten sind und wissen, dass die 

Staats- und Regierungschefs sowie die zuständigen 

Finanzminister über hohe Steigerungsraten nie 

sonderlich erfreut sind, haben wir diese Forderung 

auf eine 50-prozentige Erhöhung reduziert. Die 

nationalen Staats- und Regierungschefs möchten 

nun sogar Kürzungen durchführen, was aus mei-

ner Sicht völlig kontraproduktiv ist.

Für welche Forschungsbereiche 
würden Sie sich mehr finanzielle 
Unterstützung wünschen?

RÜBIG

_Wir haben in der Europäischen Kom-

mission evaluieren lassen, wo finanzielle Mit-

tel am effizientesten einzusetzen wären. Dabei 

zeigte sich vor allem die Zugänglichkeit zu For-

schungsinfrastruktur als enorm bedeutsam. Es 

gibt viele Geräte, die mehrere Millionen Euro 

kosten und das kann sich eben ein KMU meist 

nicht leisten. Daher ist einer unserer großen 

Leitsätze: Open World, Open Science und Open 

Access Innovation.

Was verstehen Sie konkret 
unter Open Science?

RÜBIG

_Wenn die EU derartig kostspielige For-

schungsstruktur finanziert, muss für Dritte das 

Recht bestehen, diese Geräte gegen Entgelt zu 

nutzen. Darüber hinaus bedeutet Open Science, 

dass alle Studien, die von der EU finanziert wer-

den, öffentlich zugänglich sein müssen – auch 

wenn das viele Forscher und Betriebe nicht wol-

len. Aber die europäische Forschung ist in erster 

Linie eine vorwettbewerbliche Forschungsförde-

rung und um Fortschritte zu erreichen, ist Ge-

schwindigkeit zu diesem Zeitpunkt sehr entschei-

dend. Deshalb soll Open Science die Forschung 

öffnen. Wenn es dann um die Endausgestaltung 

der Produkte und Dienstleistungen geht, tritt oh-

nehin der normale Wettbewerb ein, wo sich ent-

scheidet, wer den größeren Markterfolg hat.

Was sind Ihre Ziele mit dem EIT? 
Wo soll das Institut stehen, wenn 
Sie Ihr Amt niederlegen?

RÜBIG

_Das Entscheidende ist eigentlich die 

Kommunikationsstrategie. Ich bin davon über-

zeugt, dass es enorm wichtig ist, Wissen transpa-

rent aufzubereiten und wissenschaftliche Ergeb-

nisse schnell zu kommunizieren. Darin sehe ich 

eine der Hauptaufgaben des EIT. Und natürlich 

muss sich das auch volkswirtschaftlich rechnen – 

das ist eine ganz entscheidende Positionierung. 

Die Wertschöpfungskette vom einzelnen Erfin-

der bis zum weltweit börsennotierten Konzern 

ist eine große Herausforderung und deshalb ist 

auch diese Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, 

Wissenschaft und Bildung extrem wichtig. Und 

dieses Netzwerk werden wir kontinuierlich voran-

treiben._

#

 about EIT

Seit der Gründung im Jahr 2008 konnte 
das EIT einige Erfolge verzeichnen:

 # 

8 erfolgreiche Wissens- und Innovationsgemeinschaften

 # Über 

60 Innovationszentren in ganz Europa

 # Unterstützung von über 

3.200 Start-ups und Scale-ups

 # Beschaffung von 

3,3 Mrd. Euro externem Kapital 

durch vom EIT unterstützte Unternehmen

 # Schaffung von über 

13.000 Arbeitsplätzen

 # Ausbildung von über 

3.100 Absolventen von 

Master- und Promotionsstudiengängen

 # Schaffung von über 

1.170 neuen Produkten und Dienstleistungen

Tipp: 

Paul Rübig 

hat sich unseren 
UNERHÖRT!-
Podcastfragen 
gestellt. Hören 
Sie doch einmal 
rein!