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Wir verstehen es so, dass wir vor allem für die pro-

duzierende Wirtschaft die Digitalisierung als Wert-

schöpfungsturbo nutzen. Wir brauchen internatio-

nales Know-how, das wir schon bei der Konzeption 

ins Boot holen werden. Dann brauchen wir inter-

nationale Vortragende und Lehrende, damit eine 

Sogwirkung nach Oberösterreich entsteht, wo 

Studierende sehen, dass hier in unserem Bundes-

land etwas im Bereich Digitaler Transformation 

auf einem ganz neuen Level passiert. Kein weite-

res IT-Studium, sondern ein ganz neuer Ansatz: 

Die Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen, 

sondern als Mittel zum Zweck nutzen, damit die 

produzierende Industrie in Europa, in Österreich, 

in Oberösterreich wettbewerbsfähiger wird als an-

derswo. Softwaremäßig sind uns andere Länder 

voraus, aber in der produzierenden Wirtschaft sehe 

ich die große Chance. 

Für die TU Linz gab es nicht 
nur Beifall. Jürgen Janger vom 
Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo 
äußerte Kritik: „Eine völlig neue 
Universität aus dem Boden zu stampfen, 
braucht sehr viel Zeit. Da wäre es 
viel schneller und viel effektiver, die 
bestehenden Einrichtungen zu stärken.“ 
Auch Sabine Seidler, Präsidentin der 
Österreichischen Universitätenkonferenz 
Uniko und Rektorin der TU Wien, 
meint: „Wenn ich eine neue Universität 
baue, brauche ich auch die gesamten 
Strukturen, die eine Universität 
ausmachen. Es entstehen Kosten, die 
nicht direkt in das eigentliche Ziel, 
nämlich mehr Fachkräfte auszubilden, 
hineingehen.“ Wie bewerten Sie diese 
Aussagen?

ACHLEITNER

_Erstens: Ich habe Verständnis, 

dass bestehende Organisationen Sorge haben, 

ob etwas Neues auf Kosten des Budgets von Be-

stehenden geht. Die Zusage von Bundeskanzler 

Sebastian Kurz ist, dass dies nicht so sein wird 

und die TU Oberösterreich mit neuem Geld fi-

nanziert wird. Des Weiteren: Selbstverständlich 

gilt es, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Wir 

haben die starke Intention, mit dieser digitalen 

Universität etwas Neues zu gründen. Wir wol-

len international sichtbar werden, was auch eine 

exzellente Zusammenarbeit zwischen den schon 

bestehenden, sehr guten Einrichtungen mit sich 

bringen wird. Jeder muss überlegen, was er zu 

diesem Gründungszweck und dieser Wirkung, 

die wir haben wollen, am Standort beitragen 

kann, damit es auch wirklich funktioniert. Unser 

Anspruch ist, etwas Großes neu zu schaffen, nicht 

Bestehendes zu stärken. 

Was bedeutet eine TU Oberösterreich 
für die JKU und die FHs in 
Oberösterreich, die auch einen 
technischen Schwerpunkt haben? 
Gibt es dafür auch genug 
interessierte Studenten?

ACHLEITNER

_Wir sehen uns ganz klar als Er-

gänzung und nicht als Konkurrenz. Wenn die ge-

plante Uni die Strahlkraft bekommt, die wir uns 

vorstellen, dann hat sie auch die Magnetwirkung, 

die wir uns wünschen. Genau darum geht es. 

Was kann die Politik dazu beitragen, 
dass an der TU Bahnbrechendes 
passiert? Welche Innovationen 
wünschen Sie sich für OÖ? Welche 
Herausforderungen soll die TU lösen?

ACHLEITNER

_Es geht darum, die Digitalisie-

rung in der gesamten Breite und Tiefe in die 

produzierende Wirtschaft zu übersetzen und da-

durch Innovationskraft und Effizienzpotentiale 

zu heben. Sowohl bei den Forschenden wie auch