56
Wir verstehen es so, dass wir vor allem für die pro-
duzierende Wirtschaft die Digitalisierung als Wert-
schöpfungsturbo nutzen. Wir brauchen internatio-
nales Know-how, das wir schon bei der Konzeption
ins Boot holen werden. Dann brauchen wir inter-
nationale Vortragende und Lehrende, damit eine
Sogwirkung nach Oberösterreich entsteht, wo
Studierende sehen, dass hier in unserem Bundes-
land etwas im Bereich Digitaler Transformation
auf einem ganz neuen Level passiert. Kein weite-
res IT-Studium, sondern ein ganz neuer Ansatz:
Die Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen,
sondern als Mittel zum Zweck nutzen, damit die
produzierende Industrie in Europa, in Österreich,
in Oberösterreich wettbewerbsfähiger wird als an-
derswo. Softwaremäßig sind uns andere Länder
voraus, aber in der produzierenden Wirtschaft sehe
ich die große Chance.
Für die TU Linz gab es nicht
nur Beifall. Jürgen Janger vom
Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo
äußerte Kritik: „Eine völlig neue
Universität aus dem Boden zu stampfen,
braucht sehr viel Zeit. Da wäre es
viel schneller und viel effektiver, die
bestehenden Einrichtungen zu stärken.“
Auch Sabine Seidler, Präsidentin der
Österreichischen Universitätenkonferenz
Uniko und Rektorin der TU Wien,
meint: „Wenn ich eine neue Universität
baue, brauche ich auch die gesamten
Strukturen, die eine Universität
ausmachen. Es entstehen Kosten, die
nicht direkt in das eigentliche Ziel,
nämlich mehr Fachkräfte auszubilden,
hineingehen.“ Wie bewerten Sie diese
Aussagen?
ACHLEITNER
_Erstens: Ich habe Verständnis,
dass bestehende Organisationen Sorge haben,
ob etwas Neues auf Kosten des Budgets von Be-
stehenden geht. Die Zusage von Bundeskanzler
Sebastian Kurz ist, dass dies nicht so sein wird
und die TU Oberösterreich mit neuem Geld fi-
nanziert wird. Des Weiteren: Selbstverständlich
gilt es, Doppelgleisigkeiten zu vermeiden. Wir
haben die starke Intention, mit dieser digitalen
Universität etwas Neues zu gründen. Wir wol-
len international sichtbar werden, was auch eine
exzellente Zusammenarbeit zwischen den schon
bestehenden, sehr guten Einrichtungen mit sich
bringen wird. Jeder muss überlegen, was er zu
diesem Gründungszweck und dieser Wirkung,
die wir haben wollen, am Standort beitragen
kann, damit es auch wirklich funktioniert. Unser
Anspruch ist, etwas Großes neu zu schaffen, nicht
Bestehendes zu stärken.
Was bedeutet eine TU Oberösterreich
für die JKU und die FHs in
Oberösterreich, die auch einen
technischen Schwerpunkt haben?
Gibt es dafür auch genug
interessierte Studenten?
ACHLEITNER
_Wir sehen uns ganz klar als Er-
gänzung und nicht als Konkurrenz. Wenn die ge-
plante Uni die Strahlkraft bekommt, die wir uns
vorstellen, dann hat sie auch die Magnetwirkung,
die wir uns wünschen. Genau darum geht es.
Was kann die Politik dazu beitragen,
dass an der TU Bahnbrechendes
passiert? Welche Innovationen
wünschen Sie sich für OÖ? Welche
Herausforderungen soll die TU lösen?
ACHLEITNER
_Es geht darum, die Digitalisie-
rung in der gesamten Breite und Tiefe in die
produzierende Wirtschaft zu übersetzen und da-
durch Innovationskraft und Effizienzpotentiale
zu heben. Sowohl bei den Forschenden wie auch