51
3 Fragen an …
… Joachim Haindl-Grutsch,
Geschäftsführer
Industriellenvereinigung
Oberösterreich
01
Der Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung
des Covid-19-Erregers werden zu einem konjunkturellen
Einbruch führen. Wie wird dadurch die Bereitschaft
von Unternehmen, in Forschung und Entwicklung (F&E)
zu investieren, beeinflusst?
Um in F&E investieren zu können, braucht man als Unternehmen
Kapital. Wenn ich das infolge der Krise nicht habe, dann
bin ich hier sehr eingeschränkt. Firmen mit ausreichendem
Eigenkapitalpolster, die in guten Zeiten vorgesorgt haben,
können nun leichter durch die Krise durchtauchen und die Krise
zur Chance machen: Wenn man in einer Krise Innovationen
vorantreibt, hat man einen echten Wettbewerbsvorteil für die
Zeit danach.
02
Gibt es Branchen, die aktuell mehr
in Innovation investieren?
Das lässt sich branchenmäßig nicht eingrenzen. Durch die
Coronasituation trennt sich die Spreu vom Weizen: Jene Unter-
nehmen, die vorher schon um das Überleben gekämpft haben,
kämpfen nun noch stärker. Hier ist jedoch absurderweise gerade
ein Insolvenzrückgang zu verzeichnen. Ich finde, man muss
aufpassen, dass die Politik nicht zu viele „Zombieunternehmen“
schafft, also Unternehmen, die künstlich mit politischen Auffang-
netzen am Leben gehalten werden. Die Marktwirtschaft muss zu-
lassen, dass manche Unternehmen zusperren müssen und neue
entstehen können. Das ist ein Prozess der Erneuerung, der auch
am Arbeitsmarkt notwendig ist. Es gibt genug Unternehmen, die
weiterhin massiv Fachkräfte suchen und diese selbst in der Krise
nicht finden, weil der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit und andere
Hilfsmaßnahmen eingefroren ist. Das sind temporär wichtige
Maßnahmen, von denen wir aber irgendwann wieder Abstand
nehmen müssen.
03
Was wäre aus Ihrer Sicht eine erfolgreiche
Forschungs- und Innovationspolitik für die Förderung
von Innovationsaktivitäten in der Krise?
Durch die Investitionsprämie werden Investitionen und
Innovationen von gesunden Unternehmen forciert und das
hilft den Unternehmen, den Mitarbeitern, der Wirtschaft
und damit dem ganzen Land. Die Förderung von F&E und
die Unterstützung der Universitäten sind Maßnahmen, die
langfristig wirken und einen Effekt haben.
gebote. Wir haben uns in den letzten Jahren von
einem Komponentenhersteller der elektrischen
Verbindungstechnik zu einem Lösungsanbieter
mit breitem Portfolio entwickelt. Mit dem digi-
talen Zwilling und dem Automated-Machine-Le-
arning-Tool, einer plattformunabhängigen Soft-
ware für Machine-Learning-Modelle, haben wir
uns sehr gut für die Zukunft positioniert.
ZIKELI
_Spontan denke ich an unsere Mikroreak-
tionstechnologie, die wir erfolgreich mit unserem
Lyocell-Verfahren zur Faserherstellung koppeln
konnten. Das Lyocell-Verfahren benötigt eine be-
stimmte Chemikalie, die wir zukaufen müssen.
Nun haben wir mit der Mikroreaktionstechnolo-
gie die Möglichkeit geschaffen, diese Chemikalie
selbst herzustellen. Gleichzeitig kann diese Mik-
roreaktionstechnologie aber auch für chemische
Prozesse abseits des Lyocell-Verfahrens verwendet
werden. Damit konnten wir gleich zwei Neuerun-
gen auf einmal vorantreiben. Einerseits haben wir
eine spezielle Mikroreaktionstechnologie für die
chemische Industrie erfunden und andererseits
das Lyocell-Verfahren weiterentwickelt.
#
#
DIESE IDEE HÄTTE WEITER
VERFOLGT WERDEN SOLLEN
KÜHNER
_Wir haben uns im Jahr 2011 mit dem
Thema Solarthermie beschäftigt und aus einer dro-
henden Insolvenz heraus drei Solarunternehmen
aufgekauft. Wir wollten die Solarthermie revolutio-
nieren, indem wir den handwerklichen Prozess der
Fertigung eines Solarthermie-Kollektors industria-
lisieren. Aufgrund der doch zusammenbrechenden
Märkte mussten wir das aber wieder aufgeben. Das
ist schon etwas, worauf ich heute mit Wehmut zu-
rückblicke. Ich glaube, dass es eine gute Idee war,
aber einfach zum falschen Zeitpunkt. Das zeigt,
wie wichtig das richtige Timing bei Innovationen
ist.
Firmen, die in
guten Zeiten
vorgesorgt haben,
können die
Krise
zur Chance
machen.