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3  Fragen an …

… Joachim Haindl-Grutsch
Geschäftsführer 
Industriellenvereinigung 
Oberösterreich

01 

Der Lockdown und andere Maßnahmen zur Eindämmung 

des Covid-19-Erregers werden zu einem konjunkturellen 
Einbruch führen. Wie wird dadurch die Bereitschaft 
von Unternehmen, in Forschung und Entwicklung (F&E) 
zu investieren, beeinflusst? 
Um in F&E investieren zu können, braucht man als Unternehmen 
Kapital. Wenn ich das infolge der Krise nicht habe, dann 
bin ich hier sehr eingeschränkt. Firmen mit ausreichendem 
Eigenkapitalpolster, die in guten Zeiten vorgesorgt haben, 
können nun leichter durch die Krise durchtauchen und die Krise 
zur Chance machen: Wenn man in einer Krise Innovationen 
vorantreibt, hat man einen echten Wettbewerbsvorteil für die 
Zeit danach.

02

 Gibt es Branchen, die aktuell mehr 

in Innovation investieren?
Das lässt sich branchenmäßig nicht eingrenzen. Durch die 
Coronasituation trennt sich die Spreu vom Weizen: Jene Unter-
nehmen, die vorher schon um das Überleben gekämpft haben, 
kämpfen nun noch stärker. Hier ist jedoch absurderweise gerade 
ein Insolvenzrückgang zu verzeichnen. Ich finde, man muss 
aufpassen, dass die Politik nicht zu viele „Zombieunternehmen“ 
schafft, also Unternehmen, die künstlich mit politischen Auffang-
netzen am Leben gehalten werden. Die Marktwirtschaft muss zu-
lassen, dass manche Unternehmen zusperren müssen und neue 
entstehen können. Das ist ein Prozess der Erneuerung, der auch 
am Arbeitsmarkt notwendig ist. Es gibt genug Unternehmen, die 
weiterhin massiv Fachkräfte suchen und diese selbst in der Krise 
nicht finden, weil der Arbeitsmarkt durch Kurzarbeit und andere 
Hilfsmaßnahmen eingefroren ist. Das sind temporär wichtige 
Maßnahmen, von denen wir aber irgendwann wieder Abstand 
nehmen müssen.

03 

Was wäre aus Ihrer Sicht eine erfolgreiche 

Forschungs- und Innovationspolitik für die Förderung 
von Innovationsaktivitäten in der Krise?
 
Durch die Investitionsprämie werden Investitionen und 
Innovationen von gesunden Unternehmen forciert und das 
hilft den Unternehmen, den Mitarbeitern, der Wirtschaft 
und damit dem ganzen Land. Die Förderung von F&E und 
die Unterstützung der Universitäten sind Maßnahmen, die 
langfristig wirken und einen Effekt haben.

gebote. Wir haben uns in den letzten Jahren von 

einem Komponentenhersteller der elektrischen 

Verbindungstechnik zu einem Lösungsanbieter 

mit breitem Portfolio entwickelt. Mit dem digi-

talen Zwilling und dem Automated-Machine-Le-

arning-Tool, einer plattformunabhängigen Soft-

ware für Machine-Learning-Modelle, haben wir 

uns sehr gut für die Zukunft positioniert.

ZIKELI

_Spontan denke ich an unsere Mikroreak-

tionstechnologie, die wir erfolgreich mit unserem 

Lyocell-Verfahren zur Faserherstellung koppeln 

konnten. Das Lyocell-Verfahren benötigt eine be-

stimmte Chemikalie, die wir zukaufen müssen. 

Nun haben wir mit der Mikroreaktionstechnolo-

gie die Möglichkeit geschaffen, diese Chemikalie 

selbst herzustellen. Gleichzeitig kann diese Mik-

roreaktionstechnologie aber auch für chemische 

Prozesse abseits des Lyocell-Verfahrens verwendet 

werden. Damit konnten wir gleich zwei Neuerun-

gen auf einmal vorantreiben. Einerseits haben wir 

eine spezielle Mikroreaktionstechnologie für die 

chemische Industrie erfunden und andererseits 

das Lyocell-Verfahren weiterentwickelt.

DIESE IDEE HÄTTE WEITER  

 VERFOLGT WERDEN SOLLEN

KÜHNER

_Wir haben uns im Jahr 2011 mit dem 

Thema Solarthermie beschäftigt und aus einer dro-

henden Insolvenz heraus drei Solarunternehmen 

aufgekauft. Wir wollten die Solarthermie revolutio-

nieren, indem wir den handwerklichen Prozess der 

Fertigung eines Solarthermie-Kollektors industria-

lisieren. Aufgrund der doch zusammenbrechenden 

Märkte mussten wir das aber wieder aufgeben. Das 

ist schon etwas, worauf ich heute mit Wehmut zu-

rückblicke. Ich glaube, dass es eine gute Idee war, 

aber einfach zum falschen Zeitpunkt. Das zeigt, 

wie wichtig das richtige Timing bei Innovationen  

ist.

Firmen, die in  

guten Zeiten       

vorgesorgt haben,  

können die 

Krise  

zur Chance  

machen.