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Wagner. Building Information Modeling (BIM),
also die vernetzte Planung, Ausführung und Bewirt-
schaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken,
wird die Zukunft sein. „Die Möglichkeiten wer-
den täglich mehr und wenn der Kunde es möchte,
könnte die Planung zu 100 Prozent auf BIM-Ba-
sis durchgeführt werden. Doch die Frage ist: Wie
viel BIM ist für das jeweilige Gebäude gescheit und
überhaupt notwendig? Bei BIM kann man sich bis
ins Unendliche austoben. Die Planung wäre dann
aber teuer und das Ergebnis hätte keinen zusätzli-
chen Nutzen mehr“, meint Wagner. Das Know-how
für die komplett vernetzte TGA-Planung (Heizung,
Klima, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik) habe man
sich in der Unternehmensgruppe schon längst an-
geeignet: „Wir haben schon vor Jahren begonnen,
die Mitarbeiter in diese Richtung auszubilden. Der
große Vorteil ist, dass alle technischen Gewerke von
der ersten Phase an eingebunden sind, alle relevan-
ten Bauwerksdaten digital erfasst werden und man
gleichzeitig darauf zugreifen kann“, erklärt Wagner
und ergänzt: „Wir verwenden es, wo immer es Sinn
macht“, erklärt Kern.
Auch bei Peneder-Bau | Architektur habe man sich
bei BIM für einen use-case-basierten Ansatz ent-
schieden. Föttinger dazu: „Es gibt BIM-Fachleute,
die prognostizieren, dass sie sich durch einen Kom-
plettansatz digitaler Planung die Planungsmehrkos-
ten bereits in der Errichtung einsparen lassen. Ich
bin da noch etwas skeptisch. Wir werden nicht von
vornherein diesen totalen BIM-Ansatz verfolgen.“
Die Angebotspalette an Softwaretools sei vor allem
im letzten Jahr explodiert. „Seit vor rund einem Jahr
publiziert wurde, dass die Bauwirtschaft in puncto
Digitalisierung im Branchenranking an vorletzter
Stelle gerade noch vor der Landwirtschaft steht, be-
komme ich jede Woche Angebote für Digitalisie-
rungstools“, schmunzelt Föttinger. „Wir sehen uns
an, welche Anwendungen für unser Arbeiten und
unser Geschäft den größten Nutzen stiften und tes-
ten diese dann in einem realen Bauprojekt.“ Virtual
Reality verwendet man bei Peneder-Bau | Archi-
tektur schon seit einigen Jahren in der Planung.
„Bereits in der Entwurfsphase macht jeder Kunde
mit der 3D-Brille einen virtuellen Rundgang durch
seinen neuen Standort. Das hilft bei vielen Ent-
scheidungen und macht Lust aufs Bauen.“
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ENERGIEEFFIZIENZ
Bei Neubauten können Energiebilanzen und Be-
triebskostenabschätzungen in der Planung berech-
net werden. In vielen Fällen liegt man in der Reali-
tät dann sogar unter den errechneten Werten. „Das
ist längst keine Wissenschaft mehr. Wir versuchen
von Beginn an, den gesamten Lebenszyklus des
Gebäudes zu berücksichtigen und die Energieeffi-
zienz zu maximieren“, erklärt Föttinger. Und Kern
erinnert sich: „Vor 20 bis 30 Jahren war man als
Eigenstromproduzent noch ein absoluter Freak.“
Heute sei es zum Glück auch bei Neubauten im
Industriebereich schon normal, dass man selbst
Energie (Photovoltaik, Blockheizkraftwerke, Wär-
mepumpen) erzeugt. „Die Heizung und Kühlung
der Objekte erfolgt durch Energieerzeugung mit
Auf einen Blick
EBG
Gründung_1920, seit 2011 ein Unternehmen der IGO Industries
(familiengeführte Unternehmensgruppe
mit Hauptsitz in Innsbruck)
Sitz_Linz
Standorte_Linz (Firmensitz), Steyr, Kirchdorf,
Attnang-Puchheim, Ried im Innkreis
Geschäftstätigkeit_Gebäude- und Anlagentechnik in den
Bereichen Elektro, Kommunikation/Sicherheit, Heizung, Klima,
Lüftung, Sanitär und Gebäudeautomation für größere Gebäude
(wie etwa Krankenhäuser, Einkaufszentren, Hotelgebäude,
Wohnungsbau) und Industrie
Mitarbeiter_490, davon 70 Lehrlinge
Umsatz_70 Millionen Euro
PENEDER
Gründung_1922 als Huf- und Wagenschmiede,
mittlerweile in 4. Generation geführt
Sitz_Atzbach
Standorte_Atzbach (Firmensitz und Produktion Brandschutz,
Industriebau | Gewerbebau, Bogendach), Fraham (Produktion
Brandschutz), Wien, Graz, Innsbruck, Zürich (Schweiz),
München, Wismar (Deutschland)
Sparten_Bau | Architektur – Industrie- und Gewerbebau
(Planung, Bau, Facility Management), Bogendach (Produktion,
Errichtung), Brandschutz (Brandschutztüren aus Stahl,
Aluminium
und Glas, Holz; Stahltore; Brandschutzvorhänge)
Mitarbeiter_374
Umsatz_90 Millionen Euro
und empfehlen ihm ein Grundstück.“ Es sei eine
strategische Entscheidung, auf welche Fläche und
welchen Standort man sein Unternehmen baue.
„Man bindet sich Jahrzehnte an gewisse vorgegebe-
ne Voraussetzungen. Wir sehen uns die örtliche In-
frastruktur, Bebauungsvorschriften, Bodenbeschaf-
fenheit und Verkehrsanbindung an und bedenken
gleich mögliche Erweiterungsszenarien mit.“
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INDUSTRIEBAUPLANUNG 4.0
Langsam, aber sicher. Und vielleicht einen Tick
später, als es in den meisten anderen Branchen der
Fall war. Die Digitalisierung hat sich in die Bau-
wirtschaft geschlichen und „versucht sich in der
Planung und Ausführung gerade zu finden“, so