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WOHIN
führt das?
Text Valentin Bayer
Susanna Wurm
Foto Brandstetter: Martin
Anderl; Draxler:
Pixelkinder;
Renezeder: privat
„Wenn ich nein gesagt hätte, hätte es ein anderer
gemacht“, lautet die lapidare Begründung Gerald
Brandstetters dafür, dass er im März die Leitung
der Linzer Zweigstelle des technischen Gebäude-
ausrüsters und Facility-Services-Anbieters Ca-
verion übernommen hat. Damit ist er für 140
Mitarbeiter verantwortlich. Brandstetter ist gut
im Unternehmen verwurzelt – vor zehn Jahren
GERALD BRANDSTETTER
Leiter der Caverion-Zweigstelle Linz
Ausbildung und Karriere_Lehre zum Betriebselektriker bei der
voestalpine, dann Abend-HTL, danach Techniker bei der VA
Tech Elin EBG und Nachfolgeunternehmen, seit 2010 zuerst
als Projekt-, dann als Teamleiter bei Caverion, seit März 2020
Zweigstellenleiter der Caverion-Niederlassung Linz
Eingreifen und anleiten, ohne herrisch zu sein. Den Mitarbeitern Raum geben und sie
gleichzeitig unterstützen. Diesen Mittelweg zu finden, ist für viele Führungskräfte eine große
Herausforderung. Gerald Brandstetter hatte im kleineren Team Zeit, um diesen Balanceakt zu
meistern, und wendet seine Erfahrung jetzt im großen Maßstab an.
DIE DINGE NEHMEN,
WIE SIE KOMMEN
kam er als Projektleiter zu Caverion, von 2011
bis heuer war er Teamleiter. Seinen Führungsstil
aus dieser Zeit hat Brandstetter auf den neuen
Posten übertragen: „Eigentlich mache ich fast das
Gleiche, nur für mehr Leute“, sagt er und lacht.
Er profitiere davon, dass er die Strukturen und
Personen im Betrieb kennt: „Man weiß, was die
Stärken und Schwächen sind, und weiß vor allem,
wo man sich Informationen holen kann.“
Brandstetter ist es wichtig, dass seine Mitarbeiter
sich einbringen können. „Es gibt Situationen, in
denen man die beste Lösung findet, wenn man sie
im Team ausdiskutiert. Manchmal muss man in
einer Führungsposition aber eben doch die Ent-
scheidungen alleine treffen. Da ist Fingerspitzen-
gefühl wichtig.“ Deshalb versuche Brandstetter,
auf seine Mitarbeiter zuzugehen: „Manche brau-
chen mehr Aufmerksamkeit, manche arbeiten
lieber eigenständig. Das muss man respektieren.“
Umgekehrt legt Brandstetter darauf Wert, für
seine Mitarbeiter verfügbar zu sein: „Manchmal
kommen bei der Arbeit eben auch persönliche
Probleme auf. Da versuche ich dann, aus meiner
eigenen Erfahrung heraus mit Ratschlägen zu
unterstützen.“ Besonders wichtig sei ihm, dass
die Mitarbeiter auch mit Fehlern zu ihm kom-
men. „Man kann für alles eine Lösung finden,
aber dazu muss man erst wissen, wo das Problem
liegt.“
Eine neue Führungsaufgabe kostet vor allem ei-
nes: Zeit. „Man muss in so eine Aufgabe hinein-
wachsen, vorbereiten kann man sich fast nicht“,
sagt Brandstetter, „es dauert ein bisschen, bis man
mit den neuen Tätigkeiten vertraut ist.“ Das geht
auch auf Kosten des Privatlebens. „Unter der Wo-
che versuche ich, mit meiner Familie Zeit zu ver-
bringen und am Wochenende noch etwas Sport
zu treiben.“ Brandstetters Töchter, die vierzehn
und 17 Jahre alt sind, waren wegen seiner neu-
en Stelle zuerst skeptisch: „Die erste Reaktion
war: ‚Dann sehen wir dich ja noch weniger!‘ Aber
letztlich haben sie die Entscheidung auch unter-
stützt, und ein bisschen stolz sind sie auch.“