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Vierzehn Millionen Euro ließ sich der Schwanenstädter
Fleischverarbeiter Hütthaler seinen gläsernen
Schlachthof nach Tierwohlkriterien kosten. „Seither
ist das Puzzle komplett. Wir haben nun ein
Tierwohl-Konzept, das wirklich über die gesamte
Wertschöpfungskette reicht“, erklärt Florian
Hütthaler. Weshalb er damit trotzdem nur ein
Nischenprodukt erzeugt und wie er persönlich
über Fleischersatzprodukte denkt, verrät
der Eigentümer im MACHER-Interview.
WOHLFÜHLEN IM SAUSTALL
Text Daniel Schöppl
Foto Hütthaler
Regionalität erfährt in Zeiten der Krise
besondere Aufmerksamkeit. Wie nehmen
Sie die Situation wahr? Bemerken Sie
tatsächlich eine Änderung des Konsum-
verhaltens?
HÜTTHALER
_Wir merken schon, dass der Trend
in Richtung regionaler Qualitäten geht. Fairer-
weise muss man aber auch sagen, dass die Kon-
sumenten jetzt mehr Zeit hatten, sich mit der
Thematik auseinanderzusetzen. Vor allem zu
Beginn der Krise haben wir beispielsweise erlebt,
dass Ab-Hof-Verkäufe viel stärker zunahmen. Das
war sicherlich eher ein kurzfristiger Trend, der
im Laufe der Zeit wieder zurückgehen wird. Die
Wertschätzung von Lebensmitteln hat sich bei
den Konsumenten meiner Meinung nach aber
nachhaltiger verändert. Und das ist auch wichtig,
denn die Anerkennung für die Arbeit der österrei-
chischen Landwirte ist in den letzten Jahrzehnten
zunehmend verloren gegangen. Gerade Fleisch ist
immer mehr zu einem Aktionsartikel geworden.
Das darf einfach nicht sein! Ich glaube, dass diese
Krise ein Denkanstoß war, der dazu führen wird,
dass sich das Bewusstsein für die Herkunft und
artgerechte Tierhaltung auch langfristig ändern
wird.
Zuletzt forderte der SPD-Parteivorsitzende
Norbert Walter-Borjans höhere Fleisch-
preise. Was sagen Sie zu dieser
Forderung?
HÜTTHALER
_Prinzipiell kann man die Verhält-
nisse in fleisch- und wurstproduzierenden Betrie-
ben in Deutschland und Österreich nicht verglei-
chen – die sind von Grund auf unterschiedlich.
Generell hat er aber recht, dass Fleisch zu billig
ist. Wir müssen entschieden dafür eintreten, dass
die Wertigkeit von Fleisch wieder höher wird.
Jedem Einzelnen muss klar werden, dass da eine
Produktion dahintersteht, die mit lebenden Tie-
ren arbeitet. Lassen Sie mich die Situation etwas
deutlicher veranschaulichen: Wir haben kürz-
lich alte Rechnungen von meinem Großvater
gefunden und gesehen, dass der vor knapp 50
Jahren teilweise schon denselben Preis für ein
Kilo Fleisch bekommen hat wie wir heute. Das
ist Wahnsinn, wenn man da noch Faktoren wie
die Inflation oder die Währungsumstellung von
Schilling auf Euro miteinberechnet. Daher kann
ich die Forderung nach höheren Fleischpreisen
nur unterstreichen – weniger Menge, dafür mehr
Qualität!
Mit Ihren Hütthalers Hofkultur-Grundsätzen
haben Sie ein Tierwohl-Projekt ins
Leben gerufen, das über die gesamte
Wertschöpfungskette reicht. Sie sagen,
es handelt sich dabei um Europas erstes
Projekt dieser Art. Inwiefern beschreiten
Sie damit neue Wege?
HÜTTHALER
_Die Richtlinien unserer Hüttha-
lers Hofkultur-Grundsätze sind sehr umfassend
und reichen weit über die gesetzlichen Mindest-
anforderungen hinaus. Es ist Europas erstes Pro-
jekt dieser Art, weil wir auch einen Schlachthof
nach diesen Tierwohlgrundsätzen gebaut und im
Februar 2019 eröffnet haben. Das war sozusagen
das letzte Puzzleteil, das uns noch gefehlt hat,
um die Hütthalers Hofkultur-Grundsätze über
die gesamte Wertschöpfungskette hinweg zu er-
schließen. Unseren „gläsernen Schlachthof“ kann
jeder besuchen, um sich selbst ein Bild davon zu
machen, wie gut wir die Tiere behandeln. Zu-
dem pflegen wir auch enge Kooperationen mit
diversen NGOs. Im Bereich der Schweine sind
wir das einzige Unternehmen in ganz Europa, das