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heitskasse ist. Für Huss habe sich gerade während
der Coronakrise gezeigt, dass Österreich ein gut
ausgebautes Sozialsystem habe. „Unser Gesund-
heitssystem hat sich bewährt, es ist sehr gut, und
zwar nicht nur das Spitalssystem, sondern auch
die niedergelassene Arztversorgung.“ Schwach-
stelle sei hingegen das Bildungssystem. Huss:
„Wir haben es im Vergleich zu skandinavischen
Ländern nach wie vor nicht geschafft, einen nied-
rigschwelligen Bildungszugang für alle Gesell-
schaftsgruppen in Österreich zu schaffen.“
Wertschöpfung besteuern?
Müsste er Schulnoten vergeben, bekäme Öster-
reich von Huss für den Zustand des Sozialsystems
derzeit ein „Gut“. „Ich sehe aber die Gefahr, dass
es tendenziell bergab geht, wenn ich mir anse-
he, was im Gesundheitssystem noch auf uns zu-
kommt – weitere Privatisierungen, weg von staat-
licher Versorgung“, sagt er. Was muss zukünftig
passieren, damit Österreichs Sozialsystem wei-
terhin gewährleistet, dass die Schwächsten ab-
gesichert sind? Während einige Wissenschaftler
angesichts der immer stärker fortschreitenden
Automatisierung und Digitalisierung die Not-
wendigkeit eines bedingungslosen Grundein-
kommens prophezeien, ist Huss für einen an-
deren Zugang: „Wenn wir weniger menschliche
Arbeitskraft brauchen, dann ist zuerst bei der
Arbeitszeit anzusetzen“, sagt er, „wir haben viele
Berufe, in denen eine 40-Stunden-Woche eigent-
lich nicht mehr zeitgemäß oder möglich ist.“ Es
gelte, auch gekürzte Arbeitszeit so zu entloh-
nen, dass ein vernünftiges Auskommen möglich
sei.
Die oberösterreichische Soziallandesrätin Bir-
git Gerstorfer sieht die Notwendigkeit für die
Diskussion einer neuen Besteuerung der Wert-
schöpfung für die Zukunft. „Wenn sich in den
Unternehmen die Arbeitskräfte durch Automa-
tisierung verflüchtigen, die das Sozialversiche-
rungssystem tragen, dann muss die Wertschöp-
fung selbst besteuert werden“, sagt Gerstorfer.
Ansonsten könne unser gut funktionierendes
Sozialsystem irgendwann nicht mehr abgesichert
werden. Herausforderungen sieht sie in Zukunft
auch bei der Pflegefinanzierung. „Da werden wir
eine andere Finanzierung brauchen, das ist der
demographischen Entwicklung geschuldet“, sagt
sie.
Sozialsystem
+
Wohnbau
Durch den Shutdown, Kurzarbeit oder Entlassungen reduzierte sich
das Einkommen vieler Oberösterreicher. „Deshalb haben wir auch
die Wohnkostenhilfe als zusätzliche Unterstützung geschaffen“, sagt
Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner.
Die Wohnkostenhilfe soll als rasche und unbürokratische Hilfe
fungieren, Soforthilfe nicht nur für Mieter, sondern auch für
Eigentümer von Wohnungen oder Eigenheimen. Haimbuchner: „Wir
haben nicht nur die Verantwortung für die Schaffung von leistbarem
Wohnraum, wir haben auch die Verantwortung den Menschen zu
helfen, wenn sie in eine so unvorhersehbare Notlage kommen.“ Die
Wohnkostenhilfe werde jedenfalls gut angenommen. „Die Mitarbeiter
der Abteilung Wohnbauförderung haben jede Menge zu tun, um die
Antragsflug zu bewältigen“, sagt Haimbuchner.
Oberösterreich sei führendes Wohnbauland in Österreich. „Wir
sind seit Jahren Spitzenreiter, sowohl was den Neubau als auch
was die Sanierung anbelangt. Unsere Förderschienen sind
bundesweit beispielgebend“, erklärt der Wohnbaureferent. In
Oberösterreich selbst sei Wohnen vergleichsweise leistbar – 18
Prozent ihres Haushaltseinkommens wird hier im Schnitt dafür
verwendet. Haimbuchner: „Das ist klar unter dem bundesweiten
Schnitt.“ Während die Wohnbeihilfe kein Steuerungselement
sei, um steigenden Mieten vorzubeugen, helfe dabei der
soziale Wohnbau. „Durch die hohe Bedarfsdeckung nehmen
wir ein Stück des Preisdruckes weg“, sagt Haimbuchner. Ohne
die gute Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und den
Wohnbaugenossenschaften würde die Lage ganz anders aussehen.
Wir haben die Wohnkostenhilfe
als zusätzliche Unterstützung
geschaffen.
Manfred Haimbuchner
Landeshauptmannstellvertreter
und Wohnbaureferent