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Name / Sabine Kastner
Berufung / Inhaberin eines Stoffgeschäfts
Alter / 40 Jahre
Geburtsort / Linz
Wahlheimat / Linz
Die Linzer Coulinstraße ist nicht das,
was man unter einem Shoppinghotspot
versteht. Genaugenommen gibt es hier
nur ein Geschäft. Das Kaysoo. Das ist
aber an sich ein Hotspot. Jedenfalls für
all jene, die auf der Suche nach Stoffen
in Bioqualität sind. Eben diese Suche hat
Sabine Kastner zu ihrer Geschäftsidee
verholfen: „Ich hatte immer schon Prob-
leme mit meiner Haut und litt an Neuro-
dermitis. Bio-Stoffe sind die einzigen, die
ich als Kleidung auf der Haut vertrage.
Das Angebot war aber äußerst gering“,
erzählt Kastner. Also begann sie, selbst
Stoffe zu organisieren. Nähen hatte sie
in der Schule (HBLA für Kunstgewerbe)
gelernt, sie schneiderte sich ihre Kleidung
selbst. Auch an die Haut ihrer beiden
Kinder (Emilia ist sechs, Simon vier Jah-
re alt) will sie heute keine anderen Stoffe
mehr lassen. „Die ursprüngliche Idee war,
Kinderkleidung zu nähen und zu verkau-
fen. Immer mehr Leute wollten dann
aber auch die Stoffe an sich kaufen und
selbst nähen. Nach zwei Monaten habe
ich den Bedarf an Bio-Stoffen erkannt“,
erzählt die Linzerin mit abgeschlossenem
Soziologiestudium und einigen Jahren
Erfahrung in Marketing und Sales sowie
in der Werbebranche als Projektmanage-
rin in Agenturen.
Warum „Do it yourself“ zum großen
Trend geworden ist und immer mehr
Menschen ihre Kleidung selbst nähen
möchten, erklärt sich Kastner so: „Die
meisten arbeiten heute vorwiegend mit
dem Kopf, nicht mit den Händen. Da
ist so etwas wie Nähen ein wunderbarer
Ausgleich.“ Eine große Rolle spiele auch
das Thema Individualität. „Niemand will
dasselbe tragen wie 20 andere. Außerdem
kann man nachhaltiger für sich selbst
und für sein Umfeld sein, wenn man’s
selbst macht. Stoff aussuchen, Schnitt
wählen, Zeit mit dem Material und der
Arbeit verbringen – das bewirkt etwas in
einem“, weiß Kastner.
Ich bin
_ein notorischer
Weltverbesserer.
Mein USP_Ich bringe in meinem Geschäft Menschen zusammen,
die aus unterschiedlichsten Gründen in dieselbe Richtung gehen
wollen.
Die Zeit vergesse ich_beim Nähen. Oder beim Stoffordern.
Meinem jüngeren Selbst würde ich sagen_Es ist gut so, wie
alles kommt. Wenn ich gleich mit dem Geschäft angefangen
hätte, dann hätte ich vielleicht nicht so viel Freude damit. Und
mir würde die Erfahrung fehlen, die ich gemacht habe. Der
direkte Weg erscheint einem im ersten Moment zwar vielleicht
erstrebenswerter, genauer betrachtet machen aber alle Umwege
einen Sinn.
In fünf Jahren_kann ich hoffentlich noch mehr Leute begeistern,
ihre Kleidung selbst zu nähen.