80

Und Abflug

Auch für Reisebüros spielt die Zielgruppe 

„Brautpaare“ eine wesentliche Rolle. „Die 

Hochzeitsreise ist meist die wichtigste Rei-
se im Leben. Wenn es gelingt, diese per-
fekt zu organisieren, dann hat man Kun-
den für’s Leben gewonnen. Viele unserer 
Mitarbeiter buchen jahrelang sämtliche 
weitere Reisen dieser Kunden, in weiterer 
Folge auch mit deren Kindern“, erzählt Do-
ris Huber-Matura vom Reisebüro „World 
of Travel“, das sich auf Hochzeitsreisen 
spezialisiert hat. Weil Brautpaare nicht nur 
bei der Auswahl der Schuhe und bei der 
Vorbereitung des Festes nichts dem Zufall 
überlassen wollen, sondern auch nicht bei 
der Hochzeitsreise, wird diese nur selten 
online gebucht. Flitterwochen sind meist 
individuelle, maßgeschneiderte Reisen, 
die touristische Kompetenz und Feinge-
fühl erfordern. „Gerade bei Hochzeitsrei-
sen – wo ja alles perfekt sein soll – setzen 
die meisten auf jahrelange Erfahrung und 
Know-how von Experten“, weiß Huber-Ma-
tura. Dazu brauche es schließlich Vertrau-
en. „Und Vertrauen kann man nur durch 
persönlichen Kontakt aufbauen – das wird 
das Internet nie ersetzen können.“ Wurden 
früher sehr viele Pauschalreisen gebucht, 
geht der Trend heute mehr in Richtung In-
dividualität der Gäste, also Buchungen im 
Bausteinsystem. „Fast jeder möchte seine 
Urlaubsdestination zum Beispiel auch mit 
dem Mietauto erkunden oder bequeme, 
geführte Kurzrundreisen einbauen oder 
einfach mehrere Ziele miteinander kombi-
nieren“, weiß Doris Huber-Matura. 

Wenn Hochzeitspaare also eine derart 
spannende Zielgruppe für verschiedenste 
Wirtschaftszweige sind, dann stellt sich 
nun die Frage: Welche Bedeutung haben 
eigentlich Scheidungen für die Wirtschaft? 
Immerhin beträgt die Zahl der aufgelösten 
Ehen 2014 in Österreich 16.647._

Trends. Aber ich glaube nicht, dass die 

Ehe ein Auslaufmodell ist.“ Die Statistik 
gibt ihm Recht – seit 2010 ist die Zahl 
der Hochzeiten in Oberösterreich sogar 
gestiegen und liegt durchschnittlich bei 
6.500 im Jahr. Viele davon nehmen den 
oft weiten Weg nach St. Veit im Mühlkreis 
auf sich, um bei Neundlinger die passen-
den Hochzeitsschuhe zu finden. „Unsere 
Mitbewerber bieten Brautschuhe als Ne-
benprodukt. Bei uns spielt der Schuh die 
Hauptrolle, sodass wir unseren Kunden 
eine wesentlich bessere Gesamtleistung 
bieten können“, sagt Neundlinger. Er 
meint damit Serviceleistungen wie das 
individuelle Anpassen an die Füße der 
Kunden, wofür er in seiner Werkstatt 
viele Möglichkeiten hat oder auch das 
Service nach der Hochzeit, die Schuhe 
umzufärben, um aus dem Hochzeits-
schuh einen bequemen Ballschuh zu 
machen. Darin sieht er den Hauptgrund 
für seinen Umsatzzuwachs, welcher we-
sentlich über dem Branchenschnitt liegt 

– und das, obwohl sein Geschäft fernab 

einer stark frequentierten Einkaufsstra-
ße liegt. „Unser handwerklicher Hinter-
grund ist eine Einzigartigkeit, die bei den 
Kunden sehr gut ankommt und schwer 
zu kopieren ist.“ Diese Strategie sehe er 
auch als einen guten Weg für die Zukunft 
regionaler Händler. „Mit individuellem 
Service ist man näher an den Kunden, 
es kann von den großen Mitbewerbern 
oder von Online-Händlern kaum gebo-
ten werden und die Rolle des Preises ist 

weniger wichtig.“ 

Ob er je überlegt habe, eine weitere Fi-
liale – etwa im Zentrum von Linz – zu 
eröffnen? Neundlinger schmunzelt: „In 
der Vorbereitung unserer Geschäftser-
weiterung von 2012 war eine der ers-
ten Fragen unseres Architekten: Wollt 
ihr wirklich HIER bauen?“ Doch genau 
das wollte er und auch in Zukunft habe 

er keine Filialen geplant. „Bei Filialen 
muss man viele Abläufe reglementie-
ren und standardisieren – individuelles 
Eingehen auf die Kunden wäre kaum 
möglich, wir wären ein Schuhgeschäft 

wie jedes andere“, erklärt Neundlinger. 
Nachdem eine Braut aber nichts dem 

Zufall überlassen möchte – schon gar 

nicht, das Risiko, dass ihre Schuhe am 
Hochzeitstag drücken könnten – ist ge-
rade dieser persönliche Faktor ein ganz 
entscheidender. Natürlich sei es nicht 
einfach, am Standort Sankt Veit einen 
Handelsbetrieb erfolgreich zu führen. 

„Wir setzen uns intensiv damit auseinan-

der, eine große Anziehungskraft für un-
sere Kunden zu schaffen – mit Faktoren 
wie Sortiment und Service, Mitarbeiter, 
Standort, Marketing, Betriebsführung. 
Unser Konzept ist damit stimmig für ein 
Landgeschäft und wäre in einem Zen-
trum mit hoher Basisfrequenz wahr-
scheinlich nicht erfolgreich umsetzbar“, 
ist Neundlinger überzeugt. 

Für die Kontaktaufnahme zu Neukun-
den spielen Hochzeitsmessen eine we-
sentliche Rolle – er stellt auf den gro-
ßen oberösterreichischen Messen wie 
die Hochzeitswelt in Linz und in Wels, 
die Innviertler Hochzeitsausstellung bei 
Fussl sowie bei der Hochzeitsausstel-
lung in Freistadt aus. Besonders wich-
tig seien aber ebenso die Empfehlungen 
seiner Kunden, von Hochzeitsplanern, 
Brautsalons und anderen Schuhhänd-
lern, die keine Brautschuhe führen. Wie 
aber geht er mit der Herausforderung 
um, dass seine Zielgruppe „Brautpaare“ 
meist nur einmal im Leben Hochzeits-
schuhe braucht? „Positive Einkaufser-
lebnisse prägen sich bei den Brautpaa-
ren ein und so schaffen wir es, mit der 
Produktgruppe ‚Brautschuhe’ viele neue 
Stammkunden für unser gesamtes Sor-
timent zu gewinnen“, sagt Neundlinger. 

Die Kunden erleben bei uns eine 

Atmosphäre und Serviceangebote, 

die es in der Branche kaum gibt. 

So schaffen wir es, mit der Produkt-

gruppe Brautschuhe viele neue 

Stammkunden für unser gesamtes 

Sortiment zu gewinnen.

FRANZ NEUNDLINGER
Inhaber, Neundlinger Schuhmode