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Pädagogisch etwas fragwürdig, aber im Erziehungsalltag in Not-Situationen (zu-
gegeben ein sehr dehnbarer Begriff) ein Wundermittel: Die Polizei als Drohung. 
Ging es Ihnen als Kind nicht auch so? „Wenn du noch einmal deine Fingernägel 
in die unterste Hautschicht deines Bruders bohrst, dann kommt die Polizei!“ Also 
bei mir hat es gewirkt. Noch heute kommt reflexartig ein schlechtes Gewissen auf, 
sobald ein Polizeiauto in meiner Nähe auftaucht. Einen ähnlichen Respekt wie das 
Phänomen „die Polizei“ hatten früher (oder vielleicht haben es immer noch einige) 
so manche Firmenoberhäupter. 

Selbst wenn man als Mitarbeiter eine Motivation an den Tag legte wie ein Mara-
thonläufer bei Kilometer 41. Also selbst dann, wenn man sicher sein konnte, dass 
man sich nichts zu Schulden kommen hat lassen, schnellte der Pulsschlag in 
medizinisch bedenkliche Höhen, sobald er in der Nähe auftauchte. Der Chef. Wie 
ein Polizeiauto. Nicht selten mit Sirene. Denn einen Chef erkannte man früher 
durchaus oft nicht nur am größten Büro, sondern auch an der lautesten Stimme 

... die vor allem dazu benutzt wurde, um knappe, unkommentierte Befehle auszu-

teilen. Diese Zeiten sind vorbei. Auch wenn die wirtschaftliche Situation oft unbe-
rechenbar ist, die neue Generation an Führungskräften bleibt ruhig. Sie sind es 
gewöhnt, auch in stürmischen Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren. Für Macht-
gehabe und Kontrollwahn haben sie keine Zeit. Während sie ihren mit Bedacht 
gewählten Mitarbeitern sukzessive Verantwortung übergeben, kümmern sie sich 
um globales Wachstum. Und dort treffen sie zumeist auf ebenso offene, lockere 
Kollegen, denen man am ersten Blick ihre Stellung kaum ansehen würde. Wohl 
aber beim Blick auf ihren Werdegang. Denn die vielfältigen, meist auch internati-
onalen Stationen zeugen von einem Erfahrungswert, der automatisch für Respekt 
sorgt – ohne dass man die Sirene einschalten muss. Was es braucht, um heute an 
die Führungsspitze zu kommen, und vier beeindruckende Beispiele dieser neuen 
Chef-Generation, zeigen wir ab Seite 26. 

Wobei das nun wahrlich nicht bedeutet, dass Sie die anderen 119 Seiten außer 
Acht lassen sollen – von internationalen Karrierechancen über das Risiko, einen 
ganzen Tag am Schreibtisch zu sitzen bis hin zu den Chancen der vierten Industri-
ellen Revolution, widmen wir uns in dieser Ausgabe von DIE MACHER wieder den 
vielfältigen Themen von oberösterreichs Wirtschaft. 

David Böhm              
Herausgeber                           

Susanna Wurm                          
Chefredakteurin             

Alexandra Auböck
Creative Director

editorial.