Den Güterverkehr neu denken

LNG: Das Kürzel steht für Liquefied Natural Gas. Übersetzt geht verflüssigtes Erdgas nicht nur leichter ins Ohr, sondern auch in die Tanks der damit betriebenen Fahrzeuge von Iveco. Denn für einen der größten Nutzfahrzeughersteller Europas verbindet der klimaschonende Kraftstoff Nachhaltigkeit und Effizienz für eine zukunftsfähige Logistik. Im Interview spricht Martin Stranzl, Geschäftsführer von Iveco Austria, über das Beste aus beiden Welten, den direkten Vergleich mit einer Kuh und LNG als echte Alternative zur Elektromobilität.

Sie gelten als europäischer Vorreiter bei der Nutzung von Flüssigerdgas im Schwerlastverkehr auf der Straße. Was macht LNG für Sie zum „richtigen Pferd“, auf das Sie für eine klimafreundliche Nutzfahrzeugindustrie setzen?

Martin StranzlLNG ist die einzige alternative Technologie, die bereits langjährig erprobt, bewährt und sofort verfügbar ist. Der Einsatz der Fahrzeuge mit natürlichem Gas bringt aufgrund der chemischen Zusammensetzung von Methan und des geringeren Verbrauchs eine CO2-Einsparung von bis zu 20 Prozent. Wird Biogas eingesetzt, ist der Betrieb nahezu CO2-neutral und die Treibhausgasemissionen werden dabei um 80 Prozent reduziert. Darüber hinaus verursachen Methanfahrzeuge im Vergleich zu Dieselfahrzeugen etwa 95 Prozent weniger Feinstaub und sie sind signifikant leiser.

Welche Vorteile entstehen daraus gegenüber der strombetriebenen Elektromobilität?

Martin StranzlDer Iveco S-Way etwa wird vom effizientesten und stärksten Erdgasmotor am Markt mit 460 PS angetrieben. Die wesentlichsten Vorteile gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen sind die hohe Reichweite von 1.600 Kilometern mit nur einer Tankfüllung und die annähernd gleiche Nutzlast wie bei einem konventionell angetriebenen Lastkraftwagen. Auch der Zeitaufwand für die Betankung gleicht dem eines herkömmlichen Diesel-LKW.

Wo sehen Sie umgekehrt noch Potential, damit Erdgas noch zukunftsfitter wird, und welche Rolle spielt Biomethan dabei?

Martin StranzlIn unseren Nachbarstaaten sind bereits eine Vielzahl von Biomethan-Tankstellen und -Projekten vorhanden. In Österreich gibt es derzeit nur drei öffentliche Biomethan-Tankstellen, die direkt an Biogas-Aufbereitungsanlagen angeschlossen sind – in Margarethen am Moos, Rechnitz und Schlitters. In einigen europäischen Städten existiert bereits eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. So kann zum Beispiel eine komplette städtische Müllentsorgungsflotte mit Biogas aus eigener Produktion CO2-neutral betrieben werden. Dies wäre aus unserer Sicht durchaus auch für die Stadt Wien, die über eine eigene Biogas-Produktionsanlage verfügt, darstellbar und somit eine Gelegenheit, einen wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

Es mangelt derzeit noch an breiter Unterstützung durch die Politik. Mangelnde Subventionen, kostenintensive Anschaffungen und Besteuerungen sind ein Hemmschuh. Wie zieht man diesen am besten aus?

Martin StranzlUm die angestrebten Klimaziele zu erreichen, müssen ein technologieneutraler Ansatz bei Förderungen gewählt und grundsätzlich alle verfügbaren alternativen Antriebssysteme im Schwerverkehr berücksichtigt werden. Daher sind die politischen Entscheidungsträger:innen in Österreich gefordert, den positiven Beispielen vieler europäischer Staaten zu folgen und Förderungen technologieneutral zu gestalten. Leider – und für uns unverständlich – hat es diesen Ansatz bis dato in Österreich noch nicht gegeben. Dabei brauchen die Unternehmen Unterstützung und Planungssicherheit für ihre Investitionen in neue, nachhaltige Transportlösungen.

Kritiker:innen behaupten, LNG-LKW würden kaum Treibhausgasemissionen einsparen, da die nicht vollständige Verbrennung des Methans nach wie vor klimaschädlich sei. Vor allem Umweltschützer:innen stellen den alternativen Kraftstoff daher in Frage. Zurecht?

Martin StranzlFür die Klimabilanz ist es bei weitem besser, Methan aus biogenen Abfällen, das ohnehin in die Atmosphäre entweichen würde, als umweltfreundlichen Treibstoff zu verwenden. Das nicht verbrannte Methan, der sogenannte Methanschlupf, beträgt im Fahrzeugbetrieb maximal 0,22 Prozent vom absoluten Verbrauch. Das entspricht einer Menge von 50 Gramm pro 100 Kilometern – zum Vergleich: Eine Kuh produziert im Durchschnitt 144 Gramm Methan pro Tag.

Inwiefern muss bei dieser Einschätzung der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt werden, nicht nur der Ausstoß im Betrieb?

Martin StranzlGenauso wie bei der Betrachtung der Gesamtbetriebskosten muss auch für die Ökobilanz – unabhängig von der Technologie – am Ende immer der gesamte Produktkreislauf berücksichtigt werden. „Well-to-Wheel“ ist entscheidend, also die Analyse der gesamten Wirkungskette.  

Immer mehr Betriebe setzen auf mehr Nachhaltigkeit, klimaschonende Logistiklösungen liegen im Trend. Welche Möglichkeiten bietet Iveco, um die Nutzfahrzeugindustrie dabei zu unterstützen?

Martin StranzlNeben der Weiterentwicklung von effizienten und ökologischen Diesel- und Gasfahrzeugen hat Iveco ein neues, spannendes Kapitel in der Geschichte des nachhaltigen Straßengüterverkehrs aufgeschlagen. Iveco und Nikola haben in Ulm im Vorjahr ein Produktionswerk für elektrisch betriebene Schwerlastkraftwagen eröffnet. Seit Anfang 2022 werden hier die ersten batterieelektrischen Nikola-Tre-Sattelzugmaschinen ausgeliefert. Im nächsten Schritt folgt die Produktion von brennstoffzellenbetriebenen (FCEV) Nikola-Tre-Sattelzugmaschinen. Zudem wird im Herbst dieses Jahres mit der Präsentation des neuen e-Daily auch im Transportersegment ein umfassendes Produktportfolio mit Elektroantrieb zur Verfügung stehen.

Die ÖBB will ihre Leistungen im Schienengüterverkehr bis 2040 verdoppeln. Nehmen Sie die Bahn als Konkurrenz wahr oder als Ergänzung eines ganzheitlichen Konzepts der Logistik für die Zukunft?

Martin StranzlSeit vielen Jahren ist man unter dem Motto „Von der Straße auf die Schiene“ bemüht, den Güterverkehr vermehrt mit der Bahn zu betreiben. Aufgrund der begrenzten Möglichkeiten, etwa hinsichtlich Kapazität, zeitlicher Flexibilität und fehlender Infrastruktur, sind diesem Bestreben Grenzen gesetzt. Ein Miteinander von Straße und Schiene wird je nach Transportbedarf also auch in Zukunft bestehen bleiben – eine echte Konkurrenz sehen wir daher nicht._

Wir schlagen ein spannendes Kapitel in der Geschichte des nachhaltigen Straßengüterverkehrs auf.

Martin Stranzl Geschäftsführer, Iveco Austria

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