Hut ab

Man sieht sie immer häufiger durch ganz Österreich jagen... die neuen Modelle der Marke Mercedes. Und wenn man genauer hinsieht, dann bemerkt man wohl, dass sich nicht nur das Design stark verändert hat, sondern auch die Fahrer: von wegen ergraute Hutträger!

Es mag durchaus Premiummarken- Händler geben, bei denen man sich mit der Frage nach einem preiswerten, jungen Modell ein bisschen so behandelt fühlt, als habe man sich nach einem Dreiradler erkundigt. Hier in der Broschgasse 2 in Urfahr ist es nicht so. Im Gegenteil man könnte meinen, Mercedes Gusenbauer lebt das, was sich die Unternehmensstrategie von Mercedes so wunderbar vorgenommen hat: Die Treue der behüteten Fahrer zu halten und gleichzeitig ein neu- es, junges Publikum anzulocken. „Design- Chef Gorden Wagener hat den Spagat geschafft, die klassische Klientel nicht zu verärgern und gleichzeitig mit der neuen Formensprache die jüngere Generation anzusprechen“, weiß Jörg Gusenbauer, Eigentümer von Mercedes Gusenbauer in Urfahr. Wesentlich für den Imagewandel sei auch die Nischenstrategie, auf die der deutsche Autokonzern setzt. „Früher gab es ein A-Klasse-Modell – mittlerweile sind daraus vier Fahrzeuge geworden. Mit dieser Nischenstrategie ist für jeden ein individuelles Produkt dabei“, so Gusenbauer weiter. Mit dem Einstieg ins Kompaktsegment erreiche man eine ganz neue Käuferschicht und damit sinkt natürlich auch das Durchschnittsalter der Mercedes-Fahrer.

Auf der Jagd nach neuen Kunden.

Bestes Beispiel für den Imagewandel ist der neue CLA Shooting Brake – sozusagen der kleine Bruder vom CLS Shooting Brake, der vor zwei Jahren als Luxuscoupé eingeführt wurde. Eben erst auf den Markt gekommen, erregt er bereits große Aufmerksamkeit, die Probefahrten sind längst ausgebucht. In der Werbung nennt man ihn „Großstadtjäger“ und tatsächlich scheint er das Beste aus zwei Welten zu vereinen: die Sportlichkeit eines Coupés und das Raumangebot eines Kombis. „Sagen Sie niemals Kombi zu ihm!“ warnt Gusenbauer schmunzelnd. Okay, gut ... aber hinter vorgehaltener Hand: Der Kofferraum bietet tatsächlich fast so viel Platz wie jener eines Kombis! Aber vielleicht ist das auch gar nicht so wichtig denn wer sich in dieses Modell verliebt, der tut es wohl ohnehin schon auf den ersten Blick. Und nicht erst beim (automatischen) Öffnen der Heckklappe. „Früher zählte für Mercedes immer die Länge beim Coupé. Jetzt hat man’s beim CLA Shooting Brake endlich geschafft, dass man auch mit einer kürzeren Motorhaube ein richtig schönes Coupé formt. Das ist der Imagewandel!“, so Gusenbauer.

Als die Zukunft noch in den Sternen stand.

Nicht nur bei der Auto-Marke hat sich einiges gewandelt. Auch bei der Firma Gusenbauer. 1997 steigt Jörg Gusenbauer nach seinem Wirtschaftsstudium und seiner Ausbildung an der Mercedes Akademie in die Firma seines Vaters ein, 2000 übernimmt er die Geschäftsführung, seit 2014 führt Jörg Gusenbauer die GmbH alleine. „Die Übernahme war alles andere als einfach – wir machten einen schwierigen Generationenkonflikt durch“, erzählt Gusenbauer. Drei Monate lang hatte er der Firma den Rücken gekehrt, legte sowohl seine gewerberechtliche als auch seine kaufmännische Geschäftsführung zurück und sah keine Zukunft mehr für sich in der Firma. „’So kann ich nicht mehr’, hat er zu seinem Vater gesagt“, erinnert sich seine Frau Karin. Vor allem auch für die Mitarbeiter folgte eine schwierige, unsichere Zeit – die Frage, wie es mit dem Unternehmen weitergehen würde, war völlig offen. „Sein Vater war mehrheitlicher Eigentümer, er hätte die Firma also zusperren können.“ Tat er aber nicht, mittlerweile ist er mit einer Abfindung aus dem Unternehmen vollständig ausgetreten. Und auch wenn die Wogen zwischen Vater und Sohn noch nicht ganz geglättet sind, so läuft die Firma mittlerweile runder denn je: „Die Mitarbeiter sind unglaublich motiviert, sie sehen wieder eine Perspektive und ihre Zukunft bei uns“, sagt Karin Gusenbauer, die neben ihrer Teilzeitbeschäftigung an der Johannes-Kepler-Universität, ihr Engagement auch in die Firma einbringt und damit für die 15 Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielt.

"Viele unserer Mitarbeiter sind Vollbluttechniker, die auch ganz klar sagen, dass es schon etwas Besonderes ist, für Mercedes zu arbeiten."

Jörg GusenbauerMercedes Gusenbauer GmbH

Auf die Kompetenz und Motivation der Mitarbeiter komme es schließlich an, um seine Kunden begeistern zu können. „Das erste Mal kauft sich jemand ein Auto bei einem Händler, weil er eben genau diese Marke möchte. Das zweite Mal wählt er den Händler wegen seinem Service“, weiß Jörg Gusenbauer. Und deshalb sei sein Ziel zwar einerseits, in diesem Jahr ungefähr 150 Gebraucht- und 80 bis 90 Neuwagen zu verkaufen, andererseits aber auch, die beste Qualität in der Werkstätte zu bieten.

Wohin der Weg führt.

„Wir wollen qualitativ, vernünftig und wirtschaftlich wachsen – alles andere macht keinen Sinn“, so Gusenbauer. Mit diesem hohen Anspruch an Qualität schließe er gleichzeitig aus, noch weitere Marken in den Vertrieb aufzunehmen: „Ich halte nichts von der Mehr-Marken-Strategie.“ Er konzentriere sich lieber auf eine Marke und möchte hier Voll-Spezialist sein. Anfragen von anderen Marken lehnte er bislang also vehement ab. „Durch die stetige Weiterentwicklung der Fahrassistenzsysteme wird die Spezialisierung in der Technik immer weiter fortschreiten. Die vielen freien Werkstätten werden es daher schwer haben.“ Auch deshalb sei er froh, dass viele langjährige Mitarbeiter bei ihm beschäftigt sind, welche die Technik von Mercedes von der Pike auf gelernt haben. „Das sind Vollbluttechniker, die auch ganz klar sagen, dass es schon etwas Besonderes ist, für Mercedes zu arbeiten“, erzählt Karin Gusenbauer, die sich selbst darüber freut, dass sie als Firma Mercedes vertreten dürfen: „Es gibt sicher viele, die gern diese hochwertige Marke hätten – wir sind schon froh darüber, für Mercedes arbeiten zu dürfen.“ Wenngleich die Voraussetzungen dafür nicht einfach zu erfüllen seien: „Es ist alles sehr reglementiert, sehr genau, es darf keine Abweichungen geben“, weiß Jörg Gusenbauer. Doch die Zusammenarbeit funktioniere sehr gut – auch jene mit Vertriebspartner Pappas: „Natürlich ist man Mitbewerber, aber wir haben eine ausgezeichnete Gesprächsbasis und denken alle gesamtwirtschaftlich.“ Außerdem finde er es gut, dass es in einer Stadt wie Linz sowohl einen großen als auch einen kleinen Mercedes-Händler gebe: „Als kleiner Betrieb können wir damit punkten, dass wir flexibler und schneller sind und immer individueller reagieren können, ein großer Betrieb hat viel längere Entscheidungswege, aber natürlich auch seine Vorteile.“

Auf der Zielgeraden.

Dass Daimler, der Pionier des Automobilbaus, auch heute die Zukunft der Mobilität gestaltet, daran haben Karin und Jörg Gusenbauer keine Zweifel. „Vielleicht hat man einige Jahre auf die falschen Pferde gesetzt, doch nun ist die Unternehmensstrategie eindeutig erfolgreich. Und das nicht zufällig. Der Technologievorsprung ist nicht einfach so passiert, dafür hat Mercedes sehr viel investiert“, so der Unternehmer. Das spüre er auch in seinem Betrieb. Die Nachfrage nach den neuen Modellen sei riesig, der Imagewandel eindeutig gelungen. „Auch die Formel-1 ist ein wichtiges Zugpferd. Dass die Premiummarke in der obersten Motorsportliga auf Platz 1 steht, ist natürlich ein klares Zeichen. Und auch der österreichische Weg mit Toto Wolff und Niki Lauda war sicher ein kluger Schachzug.“ Diesen weiter auszuspielen, daran hat Jörg Gusenbauer sichtlich Spaß: Gut gelaunt steigt er wieder in den Shooting Brake und fährt zurück in die Broschgasse, wo wohl noch lange kein Arbeitsende in Sicht ist, obwohl es schon später Nachmittag ist. „Das ist ein positiver Stress“, sagt er und lacht.

Fazit: Wir ziehen wortwörtlich den Hut! Vor einer Marke, die mit viel Mut zur Veränderung den Imagewandel konsequent verfolgt. Und vor einem Unternehmerpaar, das mit viel Leidenschaft auch in Linz die Sterne vom Himmel holt.

"Beim CLA Shooting Brake hat man’s geschafft, dass man auch mit einer kürzeren Motorhaube ein richtig schönes Coupé formt. Das ist der Imagewandel!"

Jörg GusenbauerMercedes Gusenbauer GmbH

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