(H)AUS der Traum?

Die eigenen vier Wände. Ein Traum, der seit der Coronakrise den Wohnhaus- und Siedlungsbau boomen lässt. Und die Baukosten? Boomen ebenfalls. Doch worauf soll man aktuell bauen? Und ist jetzt überhaupt der richtige Zeitpunkt, den Wohntraum Realität werden zu lassen?

Es ist etwas ganz Besonderes, die ersten Tage im neu bezogenen Eigenheim zu wohnen. Der frische Duft des Wandanstriches, der das Haus durchströmt. Der makellose Holzboden, über den man am liebsten schweben möchte, um nicht gleich die ersten Spuren darauf zu hinterlassen. Der Blick aus dem Fenster und das Gefühl, in einem neuen Abenteuer angekommen zu sein. Im Abenteuer Eigenheim. Und wie viele Abenteuer, beginnt auch dieses mit einem Traum. Doch (wie) können Hausbauende 2021 trotz Krisennebenwirkungen träumen? Wir haben bei Peter Krammer, Branchensprecher der Bauindustrie und Vorstandsmitglied Strabag SE, Markus Gruber, Geschäftsführer von Rohrdorfer Transportbeton, und Helmut Möseneder, Geschäftsführer von Genböck Haus, nachgefragt, warum sich Hausbauen auch in der aktuellen Zeit lohnt.

Baukostenexplosion

So viel vorweg: Geplanten Bauvorhaben sollen auch 2021 oder 2022 keine Ziegelsteine, Betonpfeiler oder Holzriegel im Weg stehen, selbst wenn die Preissituation in der Bauwirtschaft aktuell angespannt ist. Die neuesten Zahlen der Statistik Austria zeigen, dass im Juli 2021 der Baukostenindex für den Wohnhaus- und Siedlungsbau verglichen zum Juli 2020 um 13,6 Prozent gestiegen ist. Die Ursachen dafür? Die teils explodierenden Kosten vieler Roh- und Baustoffe wie „Stahl, Holz oder Erdölderivate, die für Dämmstoffe oder Kanalrohre verwendet werden. Die verstärkte Nachfrage hierzulande und in den großen Märkten USA und China hat den Konjunkturaufschwung und die Preisdynamik beschleunigt“, sagt Peter Krammer, Branchensprecher der Bauindustrie, und ergänzt: „Auf der Angebotsseite sind die Gründe für die Preissteigerungen der Rohstoffe sehr unterschiedlich: Bei Holz haben Schädlingsbefall und Waldbrände in Kanada zu einem gesteigerten Bedarf an europäischem Holz in den USA geführt. In der Petrochemie liegen die Ursachen in weltweiten Produktionsausfällen und der stark gedrosselten Kerosinproduktion im Jahr 2020.“ Markus Gruber, Geschäftsführer von Rohrdorfer Transportbeton, erläutert die gesteigerte Nachfrage: „In Österreich wurde der kurzfristige Nachfrageboom durch die staatliche Investitionsprämie und durch Investitionen ins Eigenheim anstelle von Fernreisen im letzten Jahr ausgelöst. Die Baufirmen sind voll ausgelastet.“ Das kann auch Helmut Möseneder, Geschäftsführer von Genböck Haus, bestätigen: „Der Wunsch nach einem Eigenheim ist in der Pandemie deutlich gestiegen. Durch die Coronakrise wurden im letzten Jahr allerdings Kapazitäten reduziert und auch die Lieferketten und Logistiksysteme funktionieren derzeit nicht wie gewohnt. Angebot und Nachfrage stimmen nicht mehr überein und es kommt zu Engpässen in der Materialversorgung.“

Die Baufirmen sind voll ausgelastet.

Markus Gruber Geschäftsführer, Rohrdorfer Transportbeton

Welche Materialien sind von den steigenden Preisen am Bau betroffen?

  • Schnittholz und Holzwerkstoffe wie Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz, Leimbinder, Grobspannplatten und Dämmstoffe aus Holzfasern
  • Produkte aus Erdöl wie Abdichtungsstoffe, Anstriche und sämtliche Produkte aus Kunststoff, Dämmplatten, Dachfolien, Rohre, Leisten und Profile sowie Farben und Lacke
  • Metalle wie Betonstahl, Kupfer für Kabel und Dachrinnen usw.
  • Mineralische Baustoffe wie Gips, Mineralwolle, Sand, Ton und Kies

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